Home » Literatur, Malerei, Vorschau

Mannsbilder

6 Januar 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Faszinierende Männer in der Kunst

Es gibt noch Frauen in der von der Emanzipation geprägten Moderne, die uns Männern sogar faszinierende Eigenschaften zusprechen, wenn auch eher retroperspektiv von Seiten der Kunstgeschichte. Ein in dieser Hinsicht bemerkenswert verständnisvolles Bonmot bis reizvoll, sinnliches Erlebnis vermittelt die bekannte Kunstliteratin Gabrielle Thuller in ihrem im Belser-Verlag erschienenen Buch „Mannsbilder“.

Vorweg stellt die Autorin in sehr differenzierter Weise die bedeutendsten Themenkreise in einem Männerleben vor, das sich vom jugendlich erotischen Lover über den Gentleman bis hin zum im Schaffensprozess befindenden Arbeiter und schließlich zum angesehenen Politiker und Gelehrten hin erstreckt.

Für den Kunstliebhaber finden sich in dem umfangreichen Werk beeindruckende Männer: als Gemälde von Caravaggio, Jacques Louis David, Michelangelo in ihrer vor Kraft strotzenden Maskulinität und erotischen Ausstrahlung; als Verführer und Liebhaber, die sich küssend und tanzend in ihrer überschwänglichen Ekstase befinden, z. B. bei Auguste Renoir oder vergoldet und ornamental bedeckt bei Gustav Klimt sowie in leidenschaftlicher Umarmung bei Roy Lichtenstein. Aber auch die Anforderungen an Männer im Beruf und bei der Arbeit werden in typischerweise charakterisiert, wobei insbesondere Erfolg, Kraft und Durchsetzungsvermögen bildhaft zum Ausdruck kommen. Beispiele hierfür: Rembrands Pathologe Dr. Tulp aus der Zeit des 17. Jahrhunderts oder die Gelehrtenbilder eines Jan Vermeer bzw. die proletarische Männlichkeit in den Parkettschleifern von Gustave Caillebotte zu Zeiten der Industrialisierung.

Abschließend finden sich die berühmten Männer, die im Rampenlicht der Geschichte auf den Sockel gehoben wurden, wie z.B. der Sonnenkönig Ludwig XIV. von Hyacinthe Rigaud oder der große General Napoleon in voller Größe bei der Überquerung der Alpen von Jacques-Louis David und schließlich das Portrait des Papstes Innocenz X. von Diego Velasques. Als makabrer Abschluss der „Mannsbilder“ wird von der Autorin nahezu symbolhaft für die Verletzlichkeit des Mannes der Schöne Jüngling in dem „Tod des Adonis“ von Pierre et Gilles apostrophiert.

Insgesamt kann das Werk als eine Hommage an uns Männer betrachtet werden. Denn der Blick auf den Mann im Spiegel künstlerischen Schaffens war längst fällig. Es sollte somit dazu beitragen uns Männern in der heutigen Männer-kritischen Zeit endlich zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen und für die Findung unserer eigenen Identität Anlass geben.

(wz)

Weitere Informationen:

Mannsbilder – Faszinierende Männer
von Gabriele Thuller
Verlag: Belser; Auflage: 1., Erste Auflage (Oktober 2010)
29,1 x 25,9 cm (LxB), 128 Seiten
107 Abbildungen
Fester Einband mit Schutzumschlag
Preis: € 29,95
ISBN: 978-3-7630-2551-0
http://www.belser.de/belser/wrs/wrs.nsf?openDatabase&_id=978-3-7630-2551-0&_lang=DE
 

Quelle: Mannsbilder – Faszinierende Männer von Gabrielle Thuller, Belser-Verlag

Bildquelle: Belser-Verlag

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (4 votes, average: 4,75 out of 5)
Loading...