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Schriftsteller der Liebe und Erotik

21 Oktober 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Arthur Schnitzler – Zum Gedenken an den bedeutenden Österreichischen Schriftstellers († 21. Oktober 1931) 

Obwohl Arthur Schnitzler als einer der größten Psychologen unter den Schriftstellern deutschsprachiger Literatur galt und sich vor allem mit dem Themenkreis von Liebe und Erotik fast in seinem gesamten Werk intensiv befasste, ist ihm dennoch der Wesenskern des Weiblichen ein ewiges Rätsel geblieben. Wenn er sich auch vielfach zum Fürsprecher der Frauen in der von männlicher Dominanz geprägten bürgerlichen Gesellschaft zur Wende des 19. zum 20. Jahrhundert zu machen suchte, stellte er sich in seinem literarischen Werken jedoch unbewusst immer wieder auf die Seite des Mannes.

Arthur Schnitzler wurde am 15. Mai 1862 in Wien geboren und wuchs als Sohn eines Mediziners und Universitätsprofessors auf. Er studierte ab 1879 selbst Medizin und arbeitete als Assistent an der Poliklinik seines Vaters. Nach dessen Tod gab er jedoch bald den ungeliebten Beruf auf, um sich ganz seiner literarischen Karriere zu widmen und gehörte schon bald zu den bedeutendsten Vertretern der Wiener Moderne. Das erste Werk von literarischem Rang „Anatol“ präsentierte er in einem Zyklus von Einaktern und orientierte sich dabei an der derzeitigen französischen Boulevard-Komödie an Hand eines leichtsinnigen Melancholikers, dessen Leben in Episoden ohne inneren Zusammenhang zerfällt. Den ersten großen Bühnenerfolg am Wiener Burgtheater hatte er mit dem Schauspiel „Liebelei“ (1895), das sich mit den Affären junger Herren aus besserem Hause mit Wiener Vorstadtmädchen befasste und die tief verwurzelten bürgerlichen Wertvorstellungen der damaligen Gesellschaft zum Ausdruck brachte. Im „Reigen“ (1900) fand dies seine Fortsetzung, d. h. in einer Folge von 10 Szenen mit erotischem Hintergrund wandte er den kritischen Blick auf die bürgerlichen Moralkonventionen mit ästhetisierendem Grundtenor. Die Uraufführung löste in der seinerzeit von alten Moralvorstellungen gekennzeichneten Zeit Skandale und Prozesse aus, so dass weitere Aufführungen nicht mehr durchführbar waren. Auch die von ihm entwickelte Komödie „Prof. Bernhardi“ (1912) wurde in Österreich wegen “ der zu wahrenden öffentlichen Interessen“ verboten, da er mit dem Stück die antisemitische Grundhaltung und den Opportunismus der österreichischen Politiker entlarvte. In seinen späteren Stücken „Der einsame Weg“ (1904) und „Das weite Land“ (1911) wandte er sich dann vermehrt der Gefühlsdarstellung und -analyse zu, wobei er an Hand der Einsamkeit und Isolation der Protagonisten den Zustand der Gesellschaft sichtbar machte. Zu dieser Zeit, gegen Ende der Habsburger Monarchie gehörte der Autor zu den meist gespielten deutsch-sprachigen Dramatikern.

Neben seinen dramatischen Stücken schrieb Schnitzler zwei Romane sowie zahlreiche Erzählungen, von denen die in der Technik des inneren Monologs verfassten „Leutnant Gustel“ (1900) und „Fräulein Else“ (1924) als effektvolle Ein-Personenstücke nach wie vor auch auf der Bühne Erfolg haben.

Insgesamt gesehen wird Arthur Schnitzler neben Hugo von Hoffmannstal als bedeutendster österreichische Schriftsteller in der Literaturgeschichte gesehen. Mit seiner skeptischen Ironie und seinen psychologisch diffizilen Kenntnissen, ausgelöst insbesondere durch die enge Verbindung zu Sigmund Freud, vermochte der Künstler in seinen literarischen Werken ein sehr facettenreiches Bild der bürgerlichen Wiener Gesellschaft des Fin de Siecle zu entwerfen. Daher sind auch in der Neuzeit immer wieder junge Regisseure interessiert, einen neuen Zugang zu seinem Werk zu finden, zumal die nach wie vor gültigen Aspekte seiner Dramen, diese zu Neuinszenierungen reizen. Hinzu kommt , dass viele seiner Stücke hervorragendes Material für Verfilmungen mit großen Regisseuren und Schauspielern gegeben haben. Als Beispiele bieten sich „der Reigen“ etwa unter der Regie von Max Ophüls mit Simone Signoret (Frankreich 1950) oder später unter Roger Vadim (1964) an oder „Die Liebelei“, ebenfalls in der Regie von Max Ophüls mit Gustav Gründgens und Magda Schneider.

(wz)

Erzählungen, Novellen, Romane
• Sterben (Novelle, 1892)
• Blumen (Novelle, 1894)
• Der Andere. Aus dem Tagebuch eines Hinterbliebenen (1895)
• Ein Abschied (Novelle, 1896)
• Die Frau des Weisen (Novelle, 1897)
• Der Ehrentag (Novelle, 1897)
• Die Toten schweigen (Novelle, 1897)
• Der Sohn (Novelle) (Novelle, 1899)
• Die Nächste (Erzählung, 1899)
• Frau Berta Garlan (Erzählung, 1900)
• Leutnant Gustl (Novelle, 1900)
• Der blinde Geronimo und sein Bruder (Novelle, 1900)
• Andreas Thameyers letzter Brief (Novelle, 1902)
• Die griechische Tänzerin (Novelle, 1902)
• Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg (Erzählung, 1903)
• Die Fremde (Erzählung, 1903)
• Die Weissagung (Erzählung, 1904)
• Das neue Lied (Erzählung, 1905)
• Der Tod des Junggesellen (Erzählung, 1907)
• Dämmereelen (Erzählungen, 1907)
• Der tote Gabriel (Erzählung, 1908)
• Der Weg ins Freie (Roman, 1908)
• Das Tagebuch der Redegonda (Erzählung, 1909)
• Der Mörder (Erzählung, 1910)
• Die dreifache Warnung (Erzählung, 1911)
• Die Hirtenflöte (Erzählung, 1911)
• Masken und Wunder (Erzählungen, 1912)
• Frau Beate und ihr Sohn (Erzählung, 1913)
• Doktor Gräsler, Badearzt (Erzählung, 1917)
• Casanovas Heimfahrt (Novelle, 1917)
• Ich (Novelle, 1917)
• Fräulein Else (Novelle, 1924)
• Die Frau des Richters (Erzählung, 1925)
• Traumnovelle (Novelle, 1926)
• Spiel im Morgengrauen (Novelle, 1926/27)
• Therese. Chronik eines Frauenlebens (Roman, 1928)
• Abenteurernovelle (Novellenfragment, 1928)
• Flucht in die Finsternis (Erzählung, 1931)
 
 
 
 
Quelle: Der große Kulturführer, Die Zeit
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