Home » Ausstellung, kunst

Anselm Kiefer – Am Anfang

28 Juni 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Anselm Kiefer. Werke aus dem Privatbesitz Hans Grothe

20. Juni bis 16. September 2012

Bis zum 16. September zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn 24 teils mehrteilige Werke aus den Jahren 1978 bis 2012 von Anselm Kiefer. Es sind die imposanten Formate, die beim ersten Eintreten beeindrucken und die von der Architektur des Hauses noch unterstrichen werden. Wie etwa das erstmals überhaupt vollständig zu sehende dreiteilige Gemälde „Essence – Eksistence“ (2011),  das auf 22 Metern ein Bergpanorama präsentiert. Oder „Bavel Balal Mabul“, einer zehn Meter hohe spiralförmige Skulptur, an der Bildrollen hinab laufen. Nicht zuletzt fasziniert das Werk durch die außergewöhnliche Materialwahl: Dick aufgetragene Farbschichten, Erde, Blei, vertrocknete Sonnenblumen und Kleidung  sowie kleine skulpturale Elemente neben Zitate von Ingeborg Bachmann oder Paul Celan. Gerade die Vielfalt der ausgestellten Gemälde und Skulpturen in Bonn gewähren Zugang zum Gesamtkosmos des Künstlers.

Anselm Kiefer, 1945 geboren, ist einer der bedeutendsten internationalen Künstler unserer Zeit. Im Laufe seiner künstlerischen Produktion seit Ende der 60er-Jahre schuf er systematisch seinen eigenen labyrinthischen Kosmos, was ihm bis heute erlaubt, existenziellen philosophischen Fragen nach den Mythen, der christlichen Religion, der jüdischen Mystik, der Geistesgeschichte, der Natur, der Musik und der Literatur in bildnerischen Strategien nachzugehen und sie immer wieder neu oder in anderen Zusammenhängen zu komponieren.

Seine epischen Werke faszinieren nicht zuletzt durch ihre ungewöhnliche Materialwahl, die die inhaltliche Aussage unterstützt: Dick aufgetragene Farbschichten, Erde, Blei, Lack, Pflanzen, Kleidung oder Haare sowie skulptural  Applikationen – wie Boote oder Flugzeuge – lassen die Arbeiten über den zweidimensionalen Bildraum hinausgreifen und die Grenze zwischen Bild und Skulptur erweitern.

Parallel zur dOCUMENTA 13 in Kassel präsentiert die Bundeskunsthalle in Bonn auf über 2000 m² wichtige Werke des 1945 geborenen Künstlers aus dem Privatbesitz Familie Grothe. Von den Arbeiten Anselm Kiefers hat sich Hans Grothe 2005 beim Verkauf seiner umfangreichen Sammlung nicht getrennt, da die Faszination des Sammlers für die einzigartige künstlerische Haltung Kiefers ungebrochen über die Jahrzehnte anhielt.

In der Ausstellung werden 24 teilweise mehrteilige, großformatige Werke aus den Jahren 1978 bis 2012 aus dem Privatbesitz der Familie Grothe gezeigt. Weltweit einmalig ist dieses größte Werkkonvolut in einer privaten Sammlung. Die Auswahl des Sammlers belegt – auch in der Ergänzung um neu erworbeneskulpturale Werke – die Einzigartigkeit von Anselm Kiefers Werk. Die ausgestellten Gemälde und Skulpturen belegen exemplarisch die umfassende Themenvielfalt bei Kiefer und bieten vielfältige Assoziationsmöglichkeiten: Themen, die seinen persönlichen ‚Bild-Gedächtnis-Kosmos‘ spiegeln und die er durch Erinnerungen und Spurensetzungen reflektiert und interpretiert.

Eine Auswahl der wichtigsten Werke aus drei Jahrzehnten wurde mit dem Schwerpunkt auf der 2000er-Dekade getroffen – hier belegen Bildensembles aus den Jahren 2010 und 2011 Kiefers großes Interesse am Thema des Panoramas. Es dominieren christlich-jüdische und mythologische Themen im Gegensatz zu den frühen Bildern und Ensembles vor der Übersiedlung des Künstlers nach Frankreich vor 20 Jahren, die sich mit der deutschen Vergangenheit und Mythologie befassen. Das oft beschriebene Pathos in Kiefers Werken erscheint in diesen neuen Arbeiten eigentümlich gebrochen, zurückgenommen und neutralisiert.

Kiefer sucht die Geschichte hinter der Geschichte: „Ich mache ein Loch und gehe hindurch.“ Dieser Ansatz beinhaltet auch das Prozesshafte von Geschichte und Gedächtnis / Erinnerungen, gekoppelt mit der subjektiven Interpretation, dem sehr persönlichen, freien Gebrauch, der individuellen Mythologie und der eigenen künstlerischen Geste.

 

 

 

 

Bilder: © Anselm Kiefer, 2011, courtesy Stiftung für Kunst und Kultur e.V., Bonn

Weitere Informationen: http://www.bundeskunsthalle.de/

 

Quelle: Bundeskunsthalle Bonn


1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...