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12 x 12. Die IBB-Videolounge

20 Juli 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

© Cyrill Lachauer

12 x 12. Die IBB-Videolounge in der Berlinischen Galerie

Cyrill Lachauer

26.07.–20.08.2012

Am 25. Juli 2012 um 19 Uhr findet in der Berlinischen Galerie die Premiere des Films 32 m.ü.NHN. – 114,7 m.ü.NHN. (II), 2012 von Cyrill Lachauer statt. Cyrill Lachauer (*1979 in Rosenheim) wird seinen Film gemeinsam mit den Projektbeteiligten Immanuel Hick (Kamera) sowie Ari Benjamin Meyers (Komposition) vorstellen. Er ist anschließend im Rahmen der Screening-Reihe „12 x 12“ bis 20. August 2012 in der IBB-Videolounge zu sehen.

Cyrill Lachauers „farbliche Vermessung“ von Natur begann mit dem Video Fleischbank / Meter über Meer, 2010, das eine Performance des Künstlers in den Alpen aufzeichnete. Während einer Klettertour in den Bergen zündete Lachauer in regelmäßigen Abständen und mit zunehmenden Höhenmetern farbigen Signalrauch. Seine Arbeitsweise unterschied sich damit grundlegend von einer wissenschaftlich objektiven und kartografischen Vermessung eines Berges. Vielmehr visualisierte die Performance sein Interesse, dem rationalen Vermessungsritual ein ästhetisch motiviertes sowie wissenschaftliche Prinzipien sprengendes Schema entgegenzusetzen. Ähnlich, aber in einer bereits abstrahierten Weise, übertrug erdieses Farbschema in einer späteren Arbeit auf eine Fotografie des Matterhorns (Matterhorn, 2010).

In seinem neuen Film vermisst Lachauer die Topografie Berlins und ordnet fünfverschiedenen Höhenebenen – vom niedrigsten Punkt Berlins zum höchsten – fünf Farben zu. Während der niedrigste Punkt, die Havelseen, in leuchtend orange-roten Rauch getaucht wird, erheben sich vom Großen Müggelberg als höchstem Punkt des Berliner Umlands weiß-graue Rauschschwaden.

Der Rauch dient Lachauer als farbig auffälliges und zugleich unkontrollierbares Darstellungselement, das eine poetische wie auch aggressive Note enthält. Er regt den Künstler zum Nachdenken über vielerlei Aspekte an. Wie eingängig sind Vermessungsakte? Was bedeutet die Aneignung von Raum heute? Aber auch: Wie funktionieren zeitgenössische Strategien der Raumaneignung?

Die Vermessung und Beschreibung von Landschaft und Raum beschäftigen Cyrill Lachauer insbesondere in Bezug auf europäische Kolonialisierungsbestrebungen und die damit einhergehenden gewaltsamen Eroberungsfeldzüge. Diese gingen stets Hand in Hand mit Vermessungstraditionen.

Da Cyrill Lachauer als Markierungsinstrument ein denkbar ungeeignetes Medium wählt, nämlich farbigen Rauch, weist seine Arbeit über eine historische Betrachtung hinaus. Rauch ist heute mehr denn je ein ambivalentes Symbol für einen im öffentlichen Raum ausgetragenen Disput zwischen Offensive und Defensive. Nicht nur in Fußballstadien, sondern vor allem in Momenten der Revolte ist Rauchpulver zu einer wirkmächtigen Waffe geworden. Sie wird bei Ausschreitungen gegen die Staatsmacht von Protestierenden wie Gegnern eingesetzt. So wird nicht nur versucht, die Demonstranten mithilfe von Tränengas außer Gefecht zu setzen – auch diese selbst setzen auf künstlichen Rauch, um Chaos zu schüren und den Ort der Revolte als Brandherd zu markieren. Rauch ist somit universal einsetzbar, jedoch im Zuge der Medialisierung von Protesten ebenso vielfältig deutbar. Er ist ein Instrument, das ebenso Kontrolle wie Aufruhr suggeriert.

Die Musik, die Ari Benjamin Meyers speziell für diesen Film komponiert hat, bereichert die visuelle Ebene der Arbeit um einen Sound, der auf das filmische Geschehen reagiert und eine weitere Interpretationsebene schafft.

Weitere Informationen: http://www.berlinischegalerie.de/

Quelle: Berlinischen Galerie

Bildquelle: Berlinischen Galerie / Cyrill Lachauer

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