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Barfußlaufen – Ein neuer Lauftrend

16 Juli 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Der Minimalismus hat den Laufsport gepackt!

In den USA, inzwischen auch in Europa, hat sich in letzter Zeit ein neuer Lauftrend etabliert – das Barfußlaufen. Die Vertreter dieses neuen Laufsports sehen hierin eine Ergänzung zum bisher traditionellen Lauftraining und darüber hinaus eine Reihe von Aspekten, die zu einer Förderung der Muskulatur bis hin zu einer Minimierung des Verletzungsrisikos führen. Im Folgenden werden diese Vorteile aber auch Risiken des neuen Lauftrends sehr detailliert vorgestellt:

Der Laufsport hat sich in den vergangenen Jahren rasant in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Einst nannte man es ‚Joggen’. Darunter versteht man heute nur noch ein gemütliches Dahintraben. Wer regelmäßiger und womöglich ambitioniert läuft, der spricht vom Laufsport (oder um es schön Englisch zu halten, vom Running). Dem Läufer ist bewusst, wie wichtig ein guter Schuh an seinen Füßen ist und auch, dass Laufen nicht gleich Laufen ist… Je nach Ausrichtung gilt es, die entsprechende Schuhwahl zu treffen. Beim Trail Running im Gelände braucht man ein anderes Modell als bei der schnellen Trainingseinheit auf Asphalt. Ein aktueller Trend, der von vielen Lauf-Enthusiasten als zusätzliche Alternative aufgegriffen wird, erfordert ganz spezielles Schuhwerk – oder eben auch gar keines: das Barfußlaufen…

Das ‚hin zum Nichts’ ist ein Trend aus den USA, der inzwischen auch in Europa begeisterte Anhänger gefunden hat. Die Barfuß-Vertreter argumentieren, dass die Muskulatur bei traditionellen Laufschuhen mit Stütz- und Dämpfungseigenschaften zu sehr entlastet wird. Das heißt, die Schuhe übernehmen ‚Bein- und Fußarbeit’ und unterfordern dadurch Muskeln, Sehnen und Bänder. Läuft man ohne Schuhe beziehungsweise mit Minimalschuhen, werden diese trainiert und gestärkt. Ein weiterer Aspekt, der derzeit in zahlreichen Studien untersucht und diskutiert wird: Mit Schuhen tendiert der Läufer dazu, auf der Ferse zu landen – ein Bewegungsablauf, der Knie und Hüfte stark belastet. Beim natürlichen Laufen ohne Schuhe kommt man hingegen weiter vorne – also im Mittel- und Vorfußbereich – auf. Diese Verlagerung der Landefläche näher an die Körperachse entspricht einem runderen Bewegungsablauf und ist gelenkschonender.

Doch natürlich melden sich auch Stimmen, die den Barfuß-Trend äußerst kritisch sehen. Zentrales Gegenargument ist, dass viele Menschen den natürlichen Barfuß-Ablauf eben nicht mehr beherrschen und auch ohne Schuhe mit der Ferse landen, wodurch sich wiederum Belastung und Verletzungsrisiko stark erhöhen.

Für den Läufer gilt es, bewusst abzuwägen, auch vor dem Hintergrund des eigenen Gesundheitszustandes, und sich vor allem vorsichtig heranzutasten. Deshalb raten die meisten Experten dazu, dass man zunächst im Alltag so oft wie möglich auf Schuhe verzichtet oder Minimalschuhe trägt. Hat man ein Gefühl für die Fußfreiheit gefunden, kann man langsam mit dem Training beginnen. Es empfiehlt sich, zunächst zu beobachten, mit welchem Fußbereich man aufkommt. Tendiert man eher noch zu einer Fersenlandung, muss man durch bewusstes Techniktraining darauf achten, weiter vorne aufzukommen. Und die Laufeinheiten bitte schön kurz halten (und unebenes Gelände vermeiden)! Zu Beginn wird auch der erfahrene Läufer das Barfußlaufen nach nur wenigen Kilometern spüren – spätestens am nächsten Tag. Außerdem sollte man seine Laufgewohnheit nicht radikal umstellen. Das Barfußlaufen empfehlen die meisten Experten als Ergänzung, die regelmäßig in das Training eingebaut werden sollte.

Die Irritation beim Thema Barfußlaufen betrifft aber nicht nur die Bereiche Gesundheit und Technik. Ganz generell irritiert die Bezeichnung ‚Barfußlaufen’ selbst. Schließlich tragen die meisten dann dennoch etwas an den Füßen… Barfußschuhe? Klingt widersprüchlich oder nach einer Erfindung der Industrie, die ein Zusatzgeschäft wittert. Inzwischen präsentiert jede Laufschuhmarke unterschiedliche Modelle und mit dem wachsenden Angebot steigt die Verwirrung. Der eigentliche Grund, warum auch häufig beim Barfußlaufen nicht auf Schuhwerk verzichtet wird, ist ein ganz banaler: Der Fuß ist ohne schützende Sohle allem ausgeliefert, was im und auf dem Wege liegt. Spitze Steine oder Äste, Dornen und Scherben, heißer Asphalt – wer hier keine dicke Haut hat, wird kaum seinen entspannten, natürlichen Laufrhythmus finden und kann sich auch rasch verletzen.

Das Schuhangebot reicht von Füßlingen bis hin zu Minimalisten, die ein wenig Stabilität und Dämpfung bieten. Am einen Ende der Skala findet man den so genannten ‚Five Fingers’-Schuh: Hier schlüpft man mit seinen Zehen wie in einen Fingerhandschuh hinein, wodurch sich die Zehen frei bewegen können. Bei den leichten Minimalisten gibt es unterschiedliche Abstufungen – hier empfiehlt es sich, die Modelle anzuprobieren, um festzustellen, in welcher Variante man sich am wohlsten fühlt. Die Sohle ist bei allen dünn, flach und extrem flexibel gehalten, um das Barfußlaufen so gut es geht zu imitieren.

Ähnlich wie der ‚Five Fingers’-Schuh, aber eben doch noch eine Spur minimalistischer und näher dran am Barfußlaufen, ist die Swiss Protection Sock von MAËL. Sie besteht aus schnittschützenden Strickgewebe mit einer eingeschweißten Polyester Noppensohle, die den Träger weitgehend vor scharfen Gegenständen am Boden wie Glasscherben, Holzstückchen, Steinchen oder – wenn am Strand und im Wasser unterwegs ist – auch vor Muscheln und Korallen schützt. Die Socken sind zwar ,nur‘ schnittschützend, nicht schnittresistent, gegen eine Barfuß-Laufeinheit über Wald-, Feld- oder Asphaltböden spricht das aber nicht. Und wer denkt, dass er dank robuster Fußsohle oder sicherem, weichen Untergrund auch ohne Schutz auskommt, kann natürlich ‚richtig barfuß’ laufen.

Weitere Informationen

Der internationale Bestseller „Born To Run“ von Christopher McDougall (Karl Blessing Verlag) ist inzwischen ein Standardwerk zum Thema Barfußlaufen.

Auf www.TheBarefootRunners.org tauschen sich weltweit Anhänger des Trends aus.

Dr. Daniel Lieberman ist einer der berühmtesten Barfußläufer und Evolutionsbiologe an der Harvard Universität und bietet auf seiner Webseite neueste Informationen zu seinen Forschungen und Studien: www.barefootrunning.fas.harvard.edu/index.html

http://www.trax.de/barfusslaufen-gesund-oder-nicht-/id_55519878/index

(wz)

Quelle: http://www.trax.de

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