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Ziemlich beste Freunde

3 August 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Intouchables – Französische Tragikkomödie über eine starke Männerfreundschaft

Ein furioser französischer Erfolgshit über die bewegende Freundschaft zwischen zwei total gegensätzlichen Männern und den Mut zum Leben, der mehr als 5 Mill. Zuschauer in Frankreich innerhalb von zwölf Wochen in seinen Bann zog. Die Tragikomödie schildert die Begegnung zweier Männer, die sich normalerweise nie begegnen würden; der eine ist weiß und reich, der andere schwarz und arm, der eine residiert im vornehmen Pariser Stadtpalais, der andere kommt aus einem heruntergekommenen Banlieue. Und dennoch werden sie „ziemlich beste Freunde“.

Der arbeitslose Driss will nur einen Stempel für die Arbeitslosenunterstützung und bewirbt sich deshalb pro forma als Pfleger beim adeligen Philippe, der seit seinem Absturz beim Gleitschirmfliegen vom Hals ab gelähmt ist. Ausgerechnet das unverschämte Großmaul stößt bei dem Grandseigneur auf Sympathie und er bietet ihm den Rund-um-die-Uhr-Job an. Nicht gerade begeistert, aber mangels Bleibe nimmt der gerade aus dem Knast entlassene Driss das Angebot nach einer Bedenkzeit an. Statt mit dem Behindertenauto düsen die beiden bald mit dem Maserati durch Paris, rauchen Joints und laden schon mal zwei Prostituierte nicht nur zur Ohrläppchenmassage ein. Dass der Rollstuhl hochgetunt wird, versteht sich von selbst.

Was sich wie ein kitschiges Behindertenmärchen anhört, wird von den beiden Regisseuren Olivier Nakache und Eric Toledano zu einer Reflexion über die bedauernswerte Einsicht, nicht mehr die Kontrolle über den Körper zu haben und von der Hilfe anderer abhängig zu sein sowie auf emotionale Zuwendung angewiesen zu sein und sich gegen Mitleid wehren zu müssen.

Inspiriert vom Schicksal des Philippe Pozzo di Borgo, Ex-Chef der Champagnerfirma Pommery, und Abdel Sellou, einem jungen Mann aus der Vorstadt, erzählt der Film mit viel (Galgen)Humor, aber auch Ernsthaftigkeit und ohne Larmoyanz, Pathos oder falschen Ton vom Zusammenprall der Klassen und von der immensen Kraft, das Leben anzunehmen, wie es auch immer ist. Der feine François Cluzet und der forsche Omar Sy als die schauspielerischen Protagonisten der Story ergänzen sich gegenseitig und spielen souverän auf der Klaviatur der Emotionen.

Generell kann man „Intouchables“ auch als eine soziale Metapher verstehen, und zwar auf der einen Seite mit dem als das alte, in seinen Privilegien paralysierte Frankreich, demgegenüber auf der anderen Seite ein neues Frankreich, dessen Vitalität und Zukunft sich auf junge Bürger mit Migrationshintergrund allmählich zu bewegt und damit der Gesellschaft eine neue unverbrauchte Perspektive verleiht. Den bemerkenswerten Enthusiasmus, den der Film auch in vielen anderen Ländern hervorgerufen hat, dürfte letztere These noch unterstreichen.

(wz)

http://youtu.be/o-agkBEkx-0

 

Quelle: kino.de/kinofilm/ziemlich-beste –freunde/138335

Bildquelle: Senator Home Entertainment

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