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Im größten Bordell der Welt

2 September 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Bücher mit emotionaler Intelligenz „Le Louvre Nu“

Die Idee zum Buch entstand bei einem Spaziergang durch den Louvre, bei dem sich Catherine Belanger dazu hinreißen ließ, diesen als das größte Bordell der Welt zu bezeichnen. 62 Schlüselwerke der Malerei von 1490 bis 1863 wurden ausgewählt, um die faszinierende Kunst der Darstellung des nackten Körpers zu illustrieren. Lois Lammerhuber löst in seinen Fotografien die Sinnlichkeit der Gemälde von ihrer künstlerischen Absicht und nimmt sie als „Material“, um es – wie in einem Fotostudio – kreativ zu interpretieren. Er bedient sich dieser „Modelle“, um sie mit der Sprache der Mode-, Akt- und Werbefotografie neu zu formulieren – sinnlich und überraschend. Das fotografische Konzept wird von einem Text von Jean Galard begleitet, der diesen Zugang kunsthistorisch und kunstphilosophisch reflektiert.

Der Louvre, ein Bordell? Der österreichische Fotograf Lois Lammerhuber begab sich auf Spurensuche nach den Nackten im Pariser Museum.

Nackt ist nicht gleich nackt. Das war dem Fotografen von Anfang an und vor allem schon von Berufs wegen klar. Deshalb stand relativ rasch fest, ein Bildband über die Nackten in der Malerei wirbt nicht mit nackter Haut, sondern mit etwas Gegensätzlichem. Mit schwarzer Seide etwa.

In einer Seidenkassette ruht deshalb das Buch „Le Louvre Nu“ (Deutsch: Der nackte Louvre), das kürzlich in der Edition Lammerhuber und mit Unterstützung des Kosmetikkonzerns Lancôme erschienen ist. Wer die Kassette öffnet, den boudoirroten Stoff im Inneren fühlt und an dem schwarzen Bändchen zieht, das das Buch umschließt, der denkt unweigerlich an Unterwäsche und daran, „jemanden auszuziehen“. Der Einband des Buchs ist samtweich und soll „so gut es geht“, sagt Lammerhuber, an nackte Haut erinnern. So viel zum äußeren Konzept dieses Buches, an das der österreichische Fotograf mit hoch ästhetischen Materialien und dem Wunsch, dem Käufer ein besonderes Erlebnis zu bieten, heranging.

Auch wenn sich dem durchschnittlichen Käufer die eigentliche Intention des Fotobandes vielleicht nicht sofort eröffnet. Lammerhuber widmet sich insgesamt 62 (von über 3000) Werken aus dem Louvre, in denen nackte Personen abgebildet sind. Er verwendet die einzelnen Figuren wie Fotomodelle, nimmt Details und kleine Bildausschnitte heraus wie den ausgestreckten Zeigefinger des hl. Johannes des Täufers (Gemälde von Leonardo da Vinci) oder zwei Finger von Gabrielle d’Estrées (einer Mätresse von König HeinrichIV.), mit denen sie die Brustspitze ihrer Schwester berührt. „So erkennt man auf den Prints oft mehr als im Original“, sagt Lammerhuber. Was sofort ins Auge sticht: Viele der weiblichen Figuren haben männlich-muskulöse Körper. Das komme daher, erklärt der Fotograf, dass die (zumeist homosexuellen) Maler sich mangels Aktmodellen an griechischen Statuen orientierten.

Auf die Idee zu dieser eher ungewöhnlichen Spurensuche durch das Nationalheiligtum der Franzosen, den Louvre, kam Lammerhuber nicht von ganz alleine. Catherine Belanger, die von ihren Freunden liebevoll „Madame Louvre“ genannt wird, war über 40 Jahre lang PR-Beauftragte (zuletzt mit einem Stab von über 25 Mitarbeitern) des Hauses und kennt das Museum so gut, wie sonst vermutlich niemand. In einem Gespräch mit Lammerhuber meinte sie: „Der Louvre ist das größte Bordell der Welt.“ Das wollte der Fotograf überprüfen. Wobei er zunächst das Einverständnis von Direktor Henri Loyrette einholen musste. Allerdings kennt man Lammerhuber, der über zwei Jahrzehnte für das Magazin „Geo“ gearbeitet und seinen Verlag und sein Studio in Baden aufgebaut hat, im Museum schon ganz gut. 2007 erschien sein Bildband „Louvre mit Aussicht“, für den er das Museum im Wechsel der Jahreszeiten – und stets mit dem Blick nach außen – in Szene gesetzt hat.

Die Fotos im neuen Buch werden von einem Essay des französischen Kulturphilosophen und früheren, für den Umbau des Louvre zuständigen Direktor Jean Galard ergänzt. Nach dessen Lektüre denkt man: Schade, dass die Fotos nur in Buchform und nicht auch im Rahmen einer Ausstellung zu sehen sind.

 

Weitere Informationen:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=3FcB_jCF7bQ#t=121

http://www.edition.lammerhuber.at/

 

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