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Hans im Glück – Silver Hero

3 Januar 2014 Ein Kommentar PDF Drucken Drucken

Team-androgon im Interview mit Hans Schmid, dem 72 jährigen Extremsportler

Es war 2009 beim Tenzing-Hillary Everest Marathon, als ich Hans Schmid das erste Mal getroffen habe. Ein drahtiger Mann, den man auf Ende fünfzig schätzt. Er kam gerade aus der Wüste vom Marathon des Sables und wollte nach dem Lauf in Nepal auch gleich weiter zum nächsten Event. 2010 beim Trans Alpine Run liefen wir dann gemeinsam die 310 km über die Alpen.

In einem Alter, wo viele schon froh sind, ohne Einschränkungen gehen zu können, quält sich Hans freiwillig über Laufstrecken auf der ganzen Welt. Und das nicht, weil er schon immer ein Läufer war. Nein, er hat erst mit 63 Jahren durch Zufall angefangen zu laufen.

„Ich war auf einer Bio-Messe in Chicago und im Rahmenprogramm stand ein “5km fun run” am Lake Michigan entlang. Da machte ich mit, es machte Spaß und ich konnte mit den meisten anderen Läufern mithalten. Kurz darauf wurde ich Mitglied bei einem Lauftreff hier in Marin County. Natürlich war ich vollkommen grün. Ich hatte ja noch nie Laufsport betrieben. Beim ersten San Francisco Half Marathon starb ich fast auf der Strecke, meine Muskeln waren total überstrapaziert. I learned the hard way. Ich lernte auch von meinen Laufkameraden und habe seither noch nie in einem Lauf aufgegeben.“

1940 in Tübingen geboren, kaufmännische Lehre, 12 Monate Wehrdienst. Die große weite Welt hatte es ihm schon immer angetan und Mitte der sechziger Jahre hat es ihn nach San Francisco verschlagen.

„Ich hatte keine Lust als Infanteriesoldat auf der Schwäbischen Alb herumzuspringen. Deshalb diente ich freiwillig noch ein halbes Jahr und ging ein bisschen weiter weg zur neugebackenen Bundesmarine. Wenn unser Schnellboot nicht wie so oft in der Werft lag, reichte es ein paar Mal zu Fahrten nach Dänemark und Norwegen. Danach ein halbes Jahr in Neuchâtel in der Schweiz, um französisch zu lernen. Das habe ich weiter entwickelt mit einem Berufsjahr in Paris und ein weiteres Jahr in London. Dann wollte ich noch für 2 Jahre nach San Francisco – und da bin ich auch heute noch.“

Und den Traum, den viele heute noch träumen, vom Tellerwäscher zum Millionär, hat Hans -Chef eines internationalen Handelsunternehmens – auf seine Art verwirklicht.

„Ich kam in Kalifornien an ohne Geld, ohne Arbeitsplatz und ohne hilfsreiche Verwandte. Doch ich hatte Glück und fand bald einen Arbeitsplatz bei einer internationalen Handelsfirma. Nach 13 Jahren bei dieser Firma machten die unsere Abteilung dicht. Ich entschloss mich, auf eigene Faust weiterzumachen. Das war der Anfang von H. P. Schmid Inc. / Organic Planet in 1978. Das war zwar ganz interessant aber beanspruchte fast meine ganze Zeit. Zum Glück hatte ich die ersten Jahre in Kalifornien (damals noch als Arbeitsnehmer) ausgenutzt, um die großartigen Freizeitgelegenheiten zu erforschen. Also Wandern, Campen, Radfahren, Segeln, Kajak, Fallschirmspringen und ein bisschen Joggen solange wir Hunde hatten. Mit dem Laufen kam dann auch wieder die Abenteuerlust. Als der Berufsdruck etwas nachließ und ich mich dem Ruhestand näherte, gab es eher wieder Möglichkeiten, meine Lieblingshobbies Laufen und Reisen zu verbinden.“

Seitdem ist Hans auf den Pisten in der ganzen Welt unterwegs. Dass man ihn mal zu Hause erreicht, ist eher die Ausnahme. Er ist mittlerweile Marathons auf allen 7 Kontinenten gelaufen inclusive Antarktis.

 

 

Aber es ist nicht so, dass Hans an diesen Läufen einfach nur teilnimmt, nein, er gewinnt sie meistens in seiner Altersklasse.

Und er bricht Rekorde. 2012 sogar gleich zwei. Als ältester Gesamtsieger beim Dipsea Race, eine der ältesten Laufveranstaltungen der USA http://trailheads.runnersworld.com/2012/06/dipsea-day/.

Das anspruchsvolle Rennen fand dieses Jahr bereits zum 102. Mal statt. Das allein ist schon eine wahnsinnige Leistung, aber Hans ist mit einer gebrochenen Hand gelaufen! Siehe Foto.

Nur einige Monate vorher, bei einem lokalen USA Track & Field Rennen über 10km in AG M70, lief er mit einer Zeit von 40:45 nicht nur schneller als jeder andere vor ihm, er unterbot auch den U.S. Rekord um 18 Sekunden.

Er ist das beste Beispiel dafür, dass Mann Sport und Extremsport auch noch im Alter betreiben kann.

Gerade war er zu Besuch in Deutschland und ließ es sich nicht nehmen, den Marathon du Medoc in Frankreich und den Tübinger Stadtlauf zu laufen.

Alles Gute Hans und auch weiterhin viel Erfolg!!!

 

Zum Thema „Extremsport im hohen Alter“ haben wir parallel zum Interview auch eine Buchvorstellung „Silver Heroes“ aktuell platziert.

Einige Höhenpunkte der letzten 9 Jahren:

Stage Runs:

Marathon des Sables
TransRockies Stage Run 6 days
TransAlpine Stage Run 8 days
International Marathons:
Jungfrau (Switzerland)
Berlin
Drei-Laender Bodensee
China Great Wall
Auckland (New Zealand)
Safaricom (Kenya)
Tenzing-Hillary Everest (Nepal)
Antarctica
Two-Oceans (South Africa)
Inca Trail (Peru)
Galapagos (Ecuador)
Angkor Wat (Cambodia)
Jerusalem (Israel)
Atacama Desert (Chile)
U.S. Marathons:
San Francisco (5 mal)
Honolulu
Boston
New York
Mt. Rushmore
Pikes Peak (Colorado)
Titus Canyon (Death Valley)
Big Sur (California)
California International Marathon, Sacramento
Special Events:
Burro Race in Colorado
Empire State Building New York Stair Climb
Grand Canyon Crossing
Patagonia Running Adventure (Argentina, Chile)
Mt. Fuji Mountain Race (Japan)
Copper Canyon (Mexico) 50 miles, letzter Lauf mit Caballo Blanco bevor er starb
Dipsea Race, Mill Valley, California (Er lief auch den Double Dipsea und den Quad-Dipsea)

(fs)

 

Quelle: Hans Schmid, androgon

 

 

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