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Michelangelo Antonioni

24 Juni 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Filmregisseur, Autor und Maler – ein Nachruf  (* 29. September 1912 in Ferrara, Italien; † 30. Juli 2007 in Rom)

Im Zentrum seiner mit unübertrefflicher formaler Eleganz inszenierten Filme standen inhaltlich vor allem die Beziehungsunfähigkeit, Entfremdung und das sinnentleerte Leben des Menschen in der modernen Wohlstandsgesellschaft.

Der von den Filmkritikern als Analytiker der Seele gefeierte Regisseur, konnte das normale Filmpublikum für seine zumeist kühl stilisierten Melodramen nicht unbedingt überzeugen, da sie von Anfang bis Ende hin vielfach austauschbar waren und sich in vager Weise aufzulösen schienen. Allein sein Meisterwerk „Blow up“ aus dem Jahre 1966 wurde für ihn zum Welterfolg und Kassenschlager und in der Besetzung mit David Hemmings und Vanessa Redgrave geradezu zum Kultfilm der 68iger Generation. Der Film schildert zunächst vor allem eine spannende Geschichte im „Swinging London“ der Popkultur. Ein junger Fotograf hat den fürchterlichen Verdacht, durch Zufall einen Mord abgelichtet zu haben. Je mehr er dem Ereignis jedoch nachgeht, desto mehr wird es zu einem undurchsichtigen Fall. Es verschwinden Beweise, die ganze Sache verflüchtigt sich und zuletzt zweifelt er selbst als Zeuge an dem Vorgang, ob er nicht einer Einbildung aufgesessen ist.

Auch der zweite große Film von Antonioni „Zabriskie Point“ von 1970 – eine Liebesgeschichte in den Jahren der amerikanischen Studentenbewegung – endet in der Verlorenheit der kalifornischen Wüste mit dem Schlussakkord: Der Explosion eines Luxus-Bungalows in Zeitlupe. Damit stilisierte er die Zerstörung des amerikanischen Traums schon damals als ein Kulturthema ;als Sujèt ist der Film jedoch immer noch aktuell.

Der als Sohn eines Gutsbesitzers in Ferrara geborene Antonioni war offenbar besonders von der Landschaft der Poebene fasziniert, insbesondere von dem winterlichen Nebel und Licht, das die Konturen verschwimmen lässt. So hieß denn auch sein erster Dokumentarfilm „Menschen am Po.“ Seine folgenden Arbeiten zeichneten sich durch eine Mischung aus Gesellschaftskritik und der Problematik zwischenmenschlicher Beziehungen aus, so wie z. B. der erste Abendfüllende Spielfilm „Chronik einer Liebe“ von 1950, in dem eine Liebespaar den Ehemann der Frau ermorden will; inwieweit es jedoch zu einem Mord kommt, bleibt hinterher offen.

Mit den vielfach als Tetralogie bezeichneten Werken „La aventura“ (1959), La notte (1960), „L`eclisse „(1962) und „Il deserto rosso“ (1964) wurde er zum Chronisten der Gefühle des Bürgertums, deren Leere er mit distanzierten Halbtotalen, mit komplexer Kamerabewegung und minutiös arrangierter Ausstattung hervorrief. Während sich darin die Männer mit der Oberflächlichkeit und dem Materialismus der Wohlstandsgesellschaft abfanden, versuchten sich die Frauen vielfach aus der Entfremdung und Gefühlskälte zu lösen. Die weibliche Hauptfigur in diesen Filmen wurde von Antonionis langjähriger Partnerin Monica Vitti gespielt; sie war unbestritten die dominierende Kraft.

Durch einen Schlaganfall im Jahre 1985 war der Regisseur über 10 Jahre an einen Rollstuhl gefesselt, dennoch führte er noch in dem Episodenfilm „Jenseits der Wolken“ (1995) wieder Regie mit Hilfestellung des Kollegen Wim Wenders. Auch in seinem letzten Film „Eros“ von 2004 ging es ihm um die Krankheit der Gefühle: Die zerbrochene Beziehung eines Paares im mittleren Lebensalter.

Der in mystischer Weise gemeinsam mit Ingmar Bergmann am 30. Juli 2007 gestorbene Antonioni ist bis heute auf Grund seines legendären Filmschaffens nicht in Vergessenheit geraten. So richtet seine Heimatstadt Ferrara für ihn eine Retrospektive und gemeinsame Ausstellung mit Bildern bedeutender Maler bis ins nächste Jahr hinein aus. Oder das Berliner Lichtblick -Kino rückt zu seinem Geburtstag seine bedeutendsten angelsächsischen Filme“ Blow up“ und „Zabriskie Point“ ins Programm sowie seinen frühen Schwarzweiß-Film „La Notte“. Und auch der Wagenbach-Verlag bringt einen Geschichten- und Skizzenband mit dem Titel „Bowling am Tiber“ (1983) heraus. Darüber hinaus präsentiert Arthaus Close -Up drei seiner frühen Werke , den experimentellen Episodenfilm „Liebe in der Stadt“, das Melodram „Liebe 1962“ und das vielfach prämierte Drama „Die rote Wüste“ mit Monica Vitti, Alain Delon und Richard Harris in den Hauptrollen.

(wz )

http://youtu.be/Zu0-keZ4KKY

Quelle: www.arthaus.de

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