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Deutsches Windsurftalent

28 Oktober 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Wir stellen vor: Leon Jamaer – das junge deutsche Windsurftalent im Interview

Leon Jamaer ist eines von diesen Kids, denen man beim Surfen einfach zusehen muss. An Land wirkt Leon eher ruhig, er ist sehr höflich und zuvorkommend. Sobald er aber auf dem Wasser ist, wird aus dem Dr. Jekyll ein ziemlich ausgeflippter Mr. Hyde: explosiv, schnell und auf volles Risiko gehend. Seine wichtigsten Ziele sind derzeit noch keine Wettkämpfe oder die Weltrangliste, sondern das Ausloten seiner Grenzen. Es sind Fahrer wie er, die dem Sport neue Impulse geben.

Es war nicht leicht für ihn, Training, Wettkämpfe und Schule unter einen Hut zu bringen, aber er kämpft sich Schritt für Schritt vorwärts – und wer weiß, vielleicht hilft ihm diese Erfahrung auch auf seinem zukünftigen Karriereweg.

Wir wollten diesen „Rohdiamanten“ unter dem Wave-Nachwuchs, der den Red Bull Soulwave im Juni in Dänemark gewann, also mal näherkennenlernen.

 

Interview mit Leon

Lass uns mit dem Üblichen anfangen: Wie alt bist Du und wann hast Du mit dem Windsurfen begonnen?

Ich bin jetzt 22 und habe ungefähr mit etwa zehn Jahren mit dem Windsurfen angefangen.

Und wie bist Du dazu gekommen?

Meine Familie hat ein Segelboot, ich bin also schon immer viel auf dem Wasser gewesen. Das Segeln selbst fand ich aber ein bisschen langweilig, ich wollte was mit „mehr Action“ machen. Mein älterer Bruder hat mir dann das Windsurfen gezeigt.

Also surft Deine ganze Familie?

Meine zwei Brüder schon, meine Eltern segeln aber lieber.

Arbeitest Du oder studierst Du derzeit?

Ich studiere; ich mache gerade mein zweites Jahr in der Universität von Kiel. Das Studium gibt mir einen guten Ausgleich zur rein körperlichen Aktivität Windsurfen.

Was studierst Du denn?

Englisch und Sportwissenschaften.

Wie bezahlst Du das alles – Studium, Training, Reisen, Wettkämpfe etc.? Sponsoren? Unterstützung der Eltern? Arbeit?

Es ist eine Kombination aus all dem. Meine Eltern finanzieren mir das Studium, aber für meine Reisekosten komme ich selbst auf – also arbeite ich. Letztes Jahr hatte ich insgesamt 5 verschiedene Jobs neben dem Studium und dem Windsurfen. Auch meine Sponsoren unterstützen mich sehr, das hilft mir natürlich sehr!

Wo lebst Du zurzeit? Was ist deine “Homebase”?

Ich wohne in Kiel – surfen tue ich allerdings am liebsten rund um Klitmoeller, obwohl das eine ca. 4-stündige Autofahrt ist. An der Ostsee hat man leider nur sehr selten richtig gute Windsurftage, da lohnt sich die Fahrt nach Dänemark fast immer.

Was ist Dein sportliches Ziel, was willst Du beim Windsurfen erreichen?

Ich möchte mich im freien Surfen so weit es geht verbessern und einen flüssigen, dynamischen Stil entwickeln. Falls das dazu beiträgt, dass ich mehr Wettkämpfe gewinne: super, falls nicht, ist das auch ok.

Du bist Teil einer neuen Generation von Wavesurfern, die die Szene aufmischen. Was, glaubst Du, braucht Ihr Kids, um die alten Hasen zu schlagen?

Dafür müsste ich das ganze Jahr über trainieren, und zwar an unterschiedlichen Orten, damit ich vielseitiger und verlässlich besser werde.

Du scheinst auf ein anderes Level aufzusteigen, wenn Du für dich surfst. Was hält Dich davon ab, bei Wettkämpfen genauso zu surfen und dein ganzes Potenzial zu zeigen?

Ich denke, um einen guten Heat zu surfen, muss man die perfekte Mischung aus Risiko und Sicherheit finden. Wenn ich frei surfe, gehe ich an meine Grenzen, aber ich stürze auch viel. Vielleicht habe ich einfach nie gelernt, „sicher“ zu surfen. Im Contest muss dann in kurzer Zeit alles sitzen, da gibt es nicht viel Raum für Spielereien.

Du hast aber kürzlich den Red Bull Soulwave in Klitmoller gewonnen. Hat Dir das dabei geholfen, deine Wettkampf-Einstellung zu verbessern?

Naja, ich weiß jetzt jedenfalls, dass ich auch die schlagen kann, die weiter vorne auf der Rangliste stehen, wenn mir ein guter Heat gelingt.

Sind Wettbewerbe für Dich ein Ansporn oder etwas, was du tun musst?

Mir machen Wettkämpfe Spaß, da ich mich gerne mit anderen messe und sie treiben einen auch voran, da man häufig an seine Grenzen geht. Mir gefällt es unter Druck gesetzt zu werden. Auf der anderen Seite kann es frustrierend sein in schlechten Bedingungen zu fahren, wenn die Bedingungen einfach keine anständige Manöver zulassen und man dadurch extrem eingeschränkt wird.

Von wem hast du beim Windsurfen am meisten gelernt? Hast du einen Mentor?

Ich würde sagen, dass meine Brüder und ich uns gegenseitig viel beigebracht haben. Als wir jünger waren,haben wir uns ständig gegenseitig herausgefordert. Später habe ich viel von den Leuten, die häufig in Dänemark sind, gelernt: Lars und Stefan Gobisch, Klaas Voget und die ganzen Dänen Locals.

Und hattest Du auch ein Vorbild oder Idol, als Du jünger warst?

Ich habe immer Francisco Goya bewundert. Er ist einer der radikalsten, stilsichersten Surfer die ich kenne. An Land ist er wahnsinnig positiv und optimistisch. Das hat mich immer inspiriert.

Wie würdest Du Deinen eigenen Stil auf dem Wasser bezeichnen?

Hm… irre?

Was sind Deine Stärken und Schwächen auf dem Wasser?

Ich denke, meine Schwäche ist das Onshore Wellen abreiten und meine Stärke ist, glaube ich, in guten Bedingungen gut zu surfen.

Wo siehst Du Dich in 20 Jahren? Wärst Du gern noch in der Windsurfindustrie oder lieber woanders?

Ich würde beruflich lieber etwas anderes machen und das Windsurfen weiterhin als etwas Besonderes betrachten.

In Deutschland ist Windsurfen sehr populär. Warum, glaubst Du, ist das in anderen Ländern nicht so? Wie könnte man das Windsurfen wieder „cool“ machen?

Windsurfen war eine der allerersten Extremsportarten. Heutzutage gibt es hunderte oder tausende Extremsportarten auf der ganzen Welt. Windsurfen braucht die Medien – sie müssten zeigen, wie schön, radikal, stilvoll, schnell, dynamisch etc. unser Sport ist. Events wie der Red Bull Storm Chase tragen dazu bei. Aber auch ein gutes Internetvideo kann etwas bewirken.

Außer Philip Koester, der ja schon ganz oben ist, wer wird in Deinen Augen in den nächsten Jahren aufsteigen? Wer hat das meiste Potenzial?

Ich glaube, Jules Denel kann bei der PWA Tour noch einiges reißen. Auch Jungs wie Antoine Martin oder Arthur Arutkin werden in ein paar Jahren sehr stark sein. Auch Camille Juban wird meiner Meinung nach von sich hören machen. Allen voraus sehe ich derzeit aber Marcilio Browne, er ist der vielseitigste Surfer der Welt.

Und zu guter Letzt, wenn Geld kein Thema wäre, wie würdest Du dann das perfekte Jahr verbringen?

Das ist einfach! Ich würde mit meinen vier besten Kumpels eine schöne Yacht chartern und damit um die Welt segeln, um all die entlegenen, wunderschönen Wave-Spots kennenzulernen. Es könnte allerdings sein, dass wir uns bei der Rückkehr um ein bis zwei Jahre verspäten würden…

http://youtu.be/O8_o1Jx_UNU

Weitere Informationen:

http://www.redbull.dk/cs/Satellite/da_DK/Red-Bull-Soulwave/001243196703431

 

 

Quelle/Bildquelle: Outdoor Relations – München

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