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Wie beim ersten Mal

18 Oktober 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Ein rührend-komisches Märchen

Der Stoff ist alt. Die Hypothese, man könne alleine durch wieder Aufleben lassen gemeinsamer sexueller Erlebnisse eine seit über 30 Jahren bestehende Langeweile gepaart mit gegenseitigem Desinteresse kitten, ist platt. Und doch, die Eheleute Streep und Jones, zum Miteinander-Sprechen gebracht von Carell, verleihen der Hypothese Charme und hauchen ihr eine Spur Realität ein. Wir Zuschauer sahen uns schon die DVD für unsere Eltern kaufen. – Ach, wenn alles so einfach wäre…!

Die Eheleute nach 30 Jahren Ehe – mit zwei inzwischen erwachsenen spießigen Kindern – teilen nichts mehr außer dem Dach über dem Kopf. Die Kommunikation beschränkt sich auf Informationsvermittlung. Er: komme um 17.30. Sie: es gibt Steak, Kartoffeln und Spinat. Geschlafen wird seit vielen Jahren getrennt. Das Fernsehprogramm wird allein vom Golf-Kanal bestimmt – trotz des zum 30. Ehejubiläum sich selbst vergönnten Pay-TV-Abos. Scheinbares (männliches) Wohlbefinden auf seiner Seite. Fehlen von Liebe und Zuwendung auf ihrer (weiblichen) Seite. Für uns überraschend spät will sie etwas ändern und bucht eine Wochenreise nach Hope Springs, um dort für nur 4000 Dollar mit Hilfe eines Paartherapeuten wieder Gefühle und Sexualität ins Eheleben zu bringen. Er scheint gar kein Problembewusstsein zu haben, steht der Sache ablehnend und verweigernd fast schon torpedierend entgegen.

Schließlich landen die beiden in der perfekten Welt der Hoffnungsquellen, umgeben von glücklichen Paaren scheint es dort keine Anwesenden zu geben, die nicht vom berühmten Paartherapeuten entweder selbst behandelt wurden/werden oder zumindest von der Anwesenheit der „Therapietouristen“ profitieren. Im Verlauf werden alle Themen angeschnitten, Hausaufgaben verteilt, Übungen absolviert und auf Umwegen wieder zu einander gefunden.

Die leichte Komödie mit brillanten Schauspielern gilt’s mit Humor zu nehmen. Hollywood-like mit der richtigen Portion Romantik und Rührung kann man den Film getrost als Märchen betrachten. Die Besetzung ist grandios, Kay (Meryl Streep) wunderbar bieder, zugleich rührend übermotiviert, etwas beschränkt vielleicht – das Klischee der amerikanischen Hausfrau vom Lande ohne epochale Bindung ist definitiv nicht nur erfüllt sondern humorvoll überzeichnet. Selbiges gilt für Arnold (Tommy Lee Jones), der so authentisch den gealterten Macho mit der einen (bärtigen) Phantasie, unter dem Schreibtisch einen geblasen zu kriegen, spielt. Das Klischee des echten Mannes, der selbstverständlich nicht über Gefühle spricht, immer mit Aktentasche ins Büro geht, auch wenn nur eine Zeitung drin ist, knausrig und spröde Pfennige fuchst und auf einer Übernachtung im unästhetischsten Motel des Ortes besteht, ist erfüllt. Passenderweise nach der Nachfrage des Therapeuten „haben Sie Ihr Bestes gegeben?“ ist sein Ehrgeiz geweckt und er legt sich richtig ins Zeug zur Rettung seiner Ehe.

Insgesamt ein rührend-komisches Märchen, das durch die Besetzung mit Meryl Streep, Tommy Lee Jones und Steve Carell humorvoll unterhält und sich für einen herbstlich-verregneten Abend sehr gut eignet.

(sb)

 

http://youtu.be/AnEnnHZdVaU

 

 

Weitere Informationen:

Originaltitel: Hope Springs
Komödie / Drama
USA 2012
Laufzeit: 100 Min.
FSK: ab 6 Jahre
Meryl Streep
Tommy Lee Jones
Steve Carell
Regie: David Frankel
Verleih: Wild Bunch (Central)
Kinostart BRD: 27. September 2012
 
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