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Unser allerbestes Jahr

27 Juni 2010 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Wir stellen vor: Das Buch „Unser allerbestes Jahr“

David braucht viel Kraft, als sein minderjähriger Sohn Jesse ihm offenbart, dass er die Schule schmeißen will. Ok, so der Papa, selbst Autor, Journalist und Filmkritiker, aber nur wenn Jesse sich die Zeit nimmt, mit ihm drei Filme pro Woche anzusehen. Das Buch über David und Jesse ist nicht nur eine sehr warmherzige, sondern zudem wahre Geschichte.

So einen Vater kann sich jeder junge Mann nur wünschen! Von Verständnis, Toleranz und Geduld können sich viele eine Scheibe abschneiden, aber am Ende des Buches lernen wir alle: es lohnt sich so sehr. David Gilmour hat Liebe, Sorge und Bindung zu seinem Sohn aus Herz und Seele geschrieben, die Liebeserklärung eines Papas an seinen Filius, voller Eingeständnisse, Unsicherheiten, voller Abwägen und Grübeln: ist jeder Schritt, jede Entscheidung, ist alles Tun das richtige? „Was ist, wenn ich falsch liege?“ Wird alles  schon irgendwie klappen und  gut ausgehen?

Die Filme, die dem Buch auch seinen Originaltitel „The Film Club“ geben, sind für Vater und Sohn Gelegenheit, miteinander im Gespräch zu bleiben, sich auszutauschen, „Zeit miteinander zu verbringen, Hunderte von Stunden“ und auf dem Umweg über Filmgeschichten ihre eigene weiter zu schreiben, den Faden nie abreissen zu lassen: Jesses Liebeskummer, Davids vorübergehende Arbeitslosigkeit, Jesses Zukunftsgedanken, Davids Erinnerungen. So erwacht langsam Interesse am Anderen, aus dem Austausch wird neugieriges Zuhören und aus der Offenbarung von Schwächen und Fehlschlägen wird Vertrauen und Bindung.

Mit Kindern die Pubertät erleben, in der sie „genauso viel Zuwendung wie Neugeborene“ benötigen, das ist es nicht, was dieses Buch auszeichnet, es ist vielmehr die überaus sympathische, gradlinige und sehr ehrliche und arglose Art Gedanken zu Gefühle zu artikulieren, zwar Unsicherheiten angesichts eigener Entscheidungen zu haben, aber keine Ängste sie zu benennen. David weiß, dass Mann irgendwann „nicht mehr viel für seine Kinder tun kann, „aber Mann hat immer noch diesen Impuls.“

Wer kein Filmkenner und Kinogänger ist, mag es zwischendurch ermüdend finden, die ausgiebigen Kommentare zu Filmen, Regisseuren oder Drehbüchern, zu Schauspielern oder Drehorten zu lesen, aber irgendwie fügt sich alles zu einem Ganzen: und außerdem: vielleicht steckt es ja den einen oder anderen an, das Leben einmal aus cineastischer Sicht zu sehen.

Jesse nimmt Filme und väterliche Weisheiten begierig und bereitwillig wie eine zweite Muttermilch auf, entdeckt sein Leben für sich und David fühlt, dass Kindererziehung „eine endlose Serie von Abschieden ist, einer nach dem anderen, Abschied von den Windeln, und dann von den Schneeanzügen und schließlich vom Kind selbst.“

(rz)

ISBN-10: 3100278194

ISBN-13: 978-3100278197

http://www.youtube.com/v/vJehKMQO6EM

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