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Die Kinder des Olymp

26 November 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

 

Marcel Carnés grandioser Klassiker über ein tragisches Beziehungskarussell

ARTE zeigt „Die Kinder des Olymp“ am 27. & 30. November 2012 als Hommage an den Szenographen Alexander Trauner, dem die Cinémathèque Française in Paris eine Ausstellung (24.10.2012 – 27.01.2013) widmet.

Paris im Jahre 1827: Auf dem Boulevard du Crime herrscht reges Treiben. Straßenkünstler und Gaukler beherrschen den pittoresken Schauplatz, auf dem es von schaulustigen Besuchern nur so wimmelt. Hier, mitten in der Menge, begegnen sich zum ersten Mal eine Handvoll Menschen, deren Schicksale zeitlebens auf tragische Weise miteinander verbunden sein werden: die schöne Garance, der sensible Pantomime Baptiste Debureau, der Schauspieler und Frauenliebhaber Frédéric Lemaïtre, der Graf Eduard von Monteray und der anarchistische Gauner Lacenaire.

Im Zentrum der Verwicklungen: Garance und Baptiste Debureau, der die junge Frau trotz seiner tiefen Gefühle sitzenlässt, weil er ihrer Zuneigung misstraut. Erst Jahre später, Debureau ist inzwischen ein gefeierter Bühnenstar, gibt es ein zweites Treffen. Doch die Lebensumstände haben sich bei beiden sehr verändert. Eine gemeinsame Zukunft scheint kaum mehr möglich …

Das romantische, tief melancholische Liebesdrama gehört zu den größten Erfolgen des französischen Nachkriegskinos. Schicksalhafte Begegnungen, große Lieben und scheiternde Hoffnungen vor dem Hintergrund der illusionären Welt der Bühne ergeben ein gleichnishaftes Bild vom Leben als Theater und vom Theater als Lebensschauplatz. Der Film besticht durch seine einprägsamen Figuren, die Qualität seiner Dialoge und vor allem durch seine poetische Grundstimmung.

Filmausschnitt: http://youtu.be/n44dDBf7N2E

„Die Kinder des Olymp“ entsteht unter schwierigen Bedingungen: Die Dreharbeiten beginnen 1943, noch unter der deutschen Okkupation, und müssen heimlich durchgeführt werden. Erst nach der Befreiung Frankreichs wird der Film in Paris uraufgeführt und zu einem triumphalen Erfolg für Regisseur Marcel Carné und Drehbuchautor Jacques Prévert.

Der 1909 in Paris geborene Regisseur Marcel Carné absolviert eine Ausbildung als Fotograf und Kameratechniker. In der Filmbranche beginnt er als Kameraassistent und macht sich parallel als Filmkritiker einen Namen. Später ist er sieben Jahre lang Regieassistent bei Jacques Feyder und René Clair und lernt in diesem Zusammenhang auch Jacques Prévert kennen. Seit diesem Zeitpunkt verbindet Carné und Prévert eine kreative Freundschaft, die das Kino der 30er- und 40er Jahre in Frankreich entscheidend prägt. Carné gilt als Meister des poetischen Realismus und versteht es wie kaum ein anderer, Alltagsgeschichten in stilisierten Bildern zu erzählen. Seine melodramatischen Liebesgeschichten zeigen Menschen, die an ihren Leidenschaften zu zerbrechen drohen. Sein Film „Die Kinder des Olymp“ wird 1947 in der als bestes Drehbuch bei den Academy Awards nominiert.

Der Ungar und Jude Alexander Trauner flieht vor dem Horty-Regime nach Frankreich, wo er mit dem Regisseur Marcel Carné, dem Schriftsteller und Drehbuchautoren Jacques Prévert und den Musikern Joseph Kosma und Maurice Jaubert den poetischen Realismus schafft („Le Quai des Brumes“, „Le jour se lève“, „Remorques“). Sein größter Erfolg ist vielleicht der Film der „Befreiung“ Frankreichs: „Die Kinder des Olymp“. Billy Wilder holt ihn nach dem Krieg nach Hollywood; Trauner entwirft für ihn das Großraumbüro aus „Das Appartement“ (1960) und die Kalte-Krieg-Atmosphäre in „Eins, zwei, drei“ (1961). Zurück in Frankreich kreiert er für Luc Besson postmoderne Metroschächte in „Subway“ (1985); für den Jazzfilm „‚Round Midnight“ (1986) baut er im Studio eine nahezu perfekte Replik des Pariser „Le Blue Note“ und des New Yorker „Birdland“ nach. Trauner stirbt 1993 in Paris.

Weitere Informationen:

Spielfilm, Frankreich, 1945, ARTE F, 97 Min.
Regie: Marcel Carné, Drehbuch: Jacques Prévert, Alexander Trauner, Kamera: Roger Hubert, Marc Fossard, Musik: Maurice Thiriet, Joseph Kosma, Schnitt: Henry Rust, Madeleine Bonin, Produktion: Pathé Cinéma, Produzent: Fred Orain, Raymond Borderie, Darsteller: Pierre Palau
Mit: Arletty (Garance), Jean-Louis Barrault (Baptiste Debureau), Pierre Brasseur (Frédéric Lemaïtre), Pierre Renoir (Jéricho), Maria Casarès (Nathalie), Gaston Modot (Fil de Soie), Fabien Loris (Avril), Marcel Pérès Palau (Direktor des Theaters Funambules), Pierre Palau, Etienne Decroux (Anselme Debureau), Louis Salou (der Graf), Marcel Herrand (Lacenaire), Jane Marken (Madame Hermine), Marcelle Monthil (Marie)

www.arte.tv/de

 

Sendetermine auf ARTE:
Dienstag 27. November 2012 um 00.20 Uhr
Wiederholung am Freitag 30. November um 13.25 Uhr

 

Quelle: Arte.tv

Bildquelle: Universum Film GmbH

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