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Tears of April

24 Juli 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

„Käsky“

Ein fantastischer Film von dem Finnen Aku Louhimies über Liebe, Eifersucht und Wahnsinn

April 1918: In Finnland tobt ein blutiger Bürgerkrieg. Die Rotgardistin Miina überlebt als Einzige eine Massenexekution durch die konservativen „Weißen“. Der junge idealistische Infanterist Aaro will sie vor das Feldgericht des als Feingeist bekannten Richters Hallenberg bringen, verliebt sich aber auf dem Weg dorthin in seine schweigsame Gefangene. In virtuos komponierten Bildern erzählt Aku Louhimies eine Geschichte von Liebe, Eifersucht und Wahnsinn in Zeiten des Krieges.

Finnland, April 1918. Nach noch nicht mal einem Jahr Unabhängigkeit von Russland versinkt das Land in einen blutigen Bürgerkrieg. Die „Weißen“ kämpfen gegen die „Roten“. 1917 hatte Finnland seine Unabhängigkeit von Russland erlangt. Die wenigen wohlhabenden Bourgeois planen, einen deutschen König an die Spitze des Landes zu setzen. Es folgt ein blutiger Aufstand der armen „roten“ Bevölkerung. Schlecht bewaffnet unterliegen sie bald den konservativen „Weißen“, die von deutschen Truppen unterstützt werden.

Aaro Harjula ist gerade aus Deutschland zurückgekehrt und kämpft als Soldat auf der Seite der „Weißen“. Der junge Idealist ist schockiert, als er nach einem Kampf mit ansehen muss, wie „weiße“ Soldaten eine Gruppe unterlegener Rotgardistinnen zunächst vergewaltigen und danach exekutieren.

Eine junge Frau überlebt das Gemetzel. Dem Kriegsrecht entsprechend will Harjula sie entgegen den Anweisungen seiner Vorgesetzten einem Feldgericht überstellen, das sich in einem abgeschiedenen Küstenstädtchen befindet. Auf dem Weg dorthin bringt die Gefangene das Ruderboot zum Kentern, jedoch können sich beide aus dem eisigen Wasser auf eine unbewohnte Insel retten.

Durch ein gemeinsames Schicksal aneinandergeschmiedet, schwindet nach und nach der Zorn der jungen Frau, und zwischen den beiden Gestrandeten entwickelt sich eine eigentümliche Beziehung, angetrieben durch misstrauischen Überlebenswillen und Sehnsucht nach Geborgenheit. Schließlich kommt es zu einer Annäherung auf der Insel.

Ein Fischerboot bringt Harjula und seine Gefangene ans Festland zurück. Dort beginnt der Prozess. Der junge Soldat und seine schöne Gefangene bringen eine willkommene Abwechslung in das eintönige Leben des Richters Hallenberg in der finnischen Provinz. Hallenberg, ein wenig zynisch und dem Alkohol nicht abgeneigt, zögert die Verhöre immer weiter hinaus, weil er sich zu Harjula hingezogen fühlt und die Gesellschaft des jungen Soldaten genießt. Eifersüchtig interessiert er sich für die Zeit, die Harjula mit der jungen Frau allein auf der Insel verbracht hat.

Als Harjula die Frau in ihrer Zelle besucht, gibt sie ihm das Foto eines kleinen Jungen und bittet ihn, in Erfahrung zu bringen, wie es dem Kind geht. Bei seiner Rückkehr überrascht ihn Richter Hallenberg mit Neuigkeiten: Die Frau hat im Verhör ihren Namen preisgegeben – sie heißt Miina Malin und ist Zugführerin in der roten Rebellenarmee. Sie soll zum Tode verurteilt werden. Zum ersten Mal in seinem Leben wird Harjula eine Entscheidung mit dem Herzen treffen müssen; eine Entscheidung, die ungesetzlich und gegen die Vorschriften sein wird, da er um jeden Preis Miinas Leben retten möchte …

Obwohl geografisch und zeitlich präzise verortet, erzählt „Die Unbeugsame“ eine universelle Geschichte über Menschen und ihre Gefühle in Zeiten des Krieges und unter der Herrschaft der Gewalt. Wie dünn ist die zivilisatorische Kruste, die uns trägt, wie stark sind unsere animalischen Instinkte? „Die Unbeugsame“ beruht auf dem finnischen Bestseller „Käsky“ von Leena Lander, der im Frühjahr 2006 auf Deutsch erschienen ist.

Eero Aho erhielt für seine Interpretation des Richters Hallenberg den Preis als bester Darsteller auf dem Filmfestival von Marrakesch. In seinem Werk „Die Unbeugsame“ hat der junge finnische Regisseur atemberaubende Cinemascope-Bilder mit einem äußerst differenzierten Sounddesign aus Geräuschen und Musik zu einem wirkmächtigen Gesamtkunstwerk verschmolzen. Dabei spielen Stücke von Beethoven und das Erlkönig-Motiv eine wichtige Rolle. In einer stringenten Farbdramaturgie strebt Louhimies die visuelle Verschmelzung von Mensch und Natur an. Neben dem kalten Blau des Himmels und den kraftvollen Brauntönen der Erde dominiert ein kühles Grau in den wunderschönen Landschaftsaufnahmen.

(rz)

Quelle. arte.tv

http://www.youtube.com/v/5v-AlN5cD-s

http://www.youtube.com/v/Oc0kqNJS3R0

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