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Gustave Caillebotte

12 November 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Gustave Caillebotte, Pont de l’Europe, 1876 © Association des Amis du Petit Palais, Genève, Foto: © Studio Monique Bernaz, Genève

EIN IMPRESSIONIST UND DIE FOTOGRAFIE

18. Oktober 2012 – 20. Januar 2013

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet dem französischen Impressionisten Gustave Caillebotte vom 18. Oktober 2012 bis 20. Januar 2013 eine umfassende Werkschau mit rund 50 Gemälden und Zeichnungen. Die Ausstellung wird durch über 150 überragende fotografische Positionen des ausgehenden 19. sowie beginnenden 20. Jahrhunderts folgerichtig ergänzt und manifestiert so Caillebottes Vorreiterrolle in der Entstehung eines neuen Sehens. Während in Deutschland die Auseinandersetzung mit Caillebotte gerade erst ihren Anfang nimmt, hat dieser herausragende Künstler in Frankreich, Großbritannien und in den Vereinigten Staaten seinen gebührenden Platz an der Seite großer Impressionisten wie Auguste Renoir, Édouard Manet oder Edgar Degas bereits eingenommen.

Caillebottes OEuvre eröffnet neue, grundlegende und ergänzende Zugänge zur Malerei des Impressionismus: Seine radikalen, sehr modern und fotografisch anmutenden Darstellungen erschließen auf außergewöhnlich überzeugende Weise den engen Zusammenhang von Fotografie und Malerei. Viele Werke Caillebottes nehmen vor allem durch die besondere Perspektive ihrer Bildausschnitte, doch auch anhand von Themen wie Bewegung und Abstraktion einen fotografischen Blick vorweg, der sich in diesem Medium erst später herausbildet.

Gustave Caillebotte (1848 in Paris –1894 in Gennevilliers) war zeitlebens eher als Mäzen, Sammler und Vorkämpfer der Impressionisten bekannt, obwohl er selbst über 500 Gemälde, Pastelle und Zeichnungen schuf. Im großbürgerlichen Milieu von Paris aufgewachsen, absolvierte er zunächst ein Studium der Rechte. Sein darauf folgendes Studium an der Pariser Kunstakademie brach der unabhängige Geist 1874 bereits nach gut einem Jahr ab und schloss sich den impressionistischen „Partisanen“ um Edgar Degas, Auguste Renoir, Claude Monet und Édouard Manet an. Nach dem Tod des Vaters mit einem großen Vermögen ausgestattet, förderte Caillebotte als „Schirmherr der Impressionisten“ fortan die Maler der neuen Richtung. Ab der zweiten (1876) von acht in Paris stattfindenden Impressionistenausstellungen war Caillebotte mit eigenen Werken vertreten. 1881 zog sich der begeisterte Sportler in sein Sommerhaus in Petit-Gennevilliers an den Ufern der Seine zurück, wo er neben seiner künstlerischen Tätigkeit zu einem der besten Segler seiner Zeit avancierte und über 20 eigene Schiffsmodelle entwarf. Gustave Caillebotte starb am 21. Februar 1894 im Alter von 46 Jahren an den Folgen eines Gehirnschlags. Bereits zu Lebzeiten hatte er testamentarisch verfügt, dass seine bedeutende Sammlung impressionistischer Werke an den französischen Staat gehen solle; heute gehört ihr Gutteil zum wesentlichen Bestand des Musée d’Orsay.

Wie viele seiner impressionistischen Freunde, die sich die 1839 eingeführte Fotografie für ihre Bildgestaltungen nutzbar machten, kannte auch Gustave Caillebotte dieses neue Medium und dessen vielfältige Möglichkeiten wie Stereo-, Moment- und Bewegungsaufnahmen. Seine Gemälde mit beispiellosen Sturzperspektiven, radikalen Aufsichten, Verzerrungen, bruchstückhaften Ausschnitten und Unschärfen muten tatsächlich wie der kühne Einsatz fotografischer Stilmittel an, die so in der zeitgenössischen Fotografie noch nicht umgesetzt wurden (bzw. noch nicht umgesetzt werden konnten). Caillebotte, der in seinem Werk zentral die Wahrnehmung des modernen Individuums thematisiert, greift damit seiner Zeit weit voraus, denn vergleichbare fotografi-sche Ansätze finden sich in der Fotografie selbst erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Mit Hauptwerken wie „Pont de l’Europe“, „Parkettschleifer“ oder „Die Yerres bei Regen“ gliedert sich die Ausstellung in der Schirn chronologisch in drei für Caillebotte maßgebliche thematische Werkgruppen: Stadt- und Architekturansichten, Porträts und Interieurs sowie Stillleben und Landschaften mit Garten- und Sportdarstellungen. Im Dialog mit ausgewählten Werken zeitgenössi-scher Fotografen wie Édouard Baldus, Charles Marville oder Eugène Atget und Beispielen der Neuen Fotografie der 1920er-Jahre von André Kertész, László Moholy-Nagy, Wols oder Alexan-der Rodtschenko erschließt sich in der Ausstellung auf verblüffende Weise der enge Zusammenhang zwischen dem Schaffen Caillebottes und der Herausbildung eines neuen Sehens.

 

Weitere Informationen:

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT
RÖMERBERG
D-60311 FRANKFURT

 

Öffnungszeiten

DIENSTAG, FREITAG–SONNTAG
10–19 UHR
MITTWOCH + DONNERSTAG
10–22 UHR
 

Quelle: Schirn Kunsthalle

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