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Laufen & Ödem am Fersenbein-Ansatz

9 Juni 2014 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Laufen &  Ödem am Fersenbein-Ansatz

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und ehemaliger Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit über einem Jahr das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als heutigen Beitrag stellen wir nun die Beratung eines 47jährigen Läufers mit einem Ödem am Fersenbein-Ansatz vor.

Stefan K. fragt:

Hallo Herr Dr. Ziegler,
ich bin 47 Jahre und wiege 80 kg bei 1,76 m. Ich laufe schon seit der Jugend, mal mehr, mal weniger. Vor 6 Jahren begann ich, auf einen Marathon relativ hart zu trainieren. Musste dann mein Training nach rund 2 Monaten abbrechen, da (diagnostizierte) Achillessehnenbeschwerden ein Laufen unmöglich machten. Physiotherapie in allen Formen (Laser etc.), Einlagen und Ruhe sollten Abhilfe schaffen, was sie jedoch nicht taten. Nach 6 Jahren mehr oder weniger Leidensfähigkeit habe ich die Diagnostik noch einmal selbst in die Hand genommen. Im MRT wurde nun ein Ödem am Fersenbein-Ansatz der Sehne festgestellt, aber keine Achillessehnen-Entzündung. Eine Blutegel-Therapie (mit minimalen Erfolg) wurde angeschlossen. Mein medizinisch laienhafter Verstand sagt mir eigentlich, dass ein Ödem doch leichter zu behandeln sein müsste als eine chronische Achillessehnenentzündung. Haben Sie vielleicht einen Tipp, wie man diesem Ödem begegnen könnte? Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich im Voraus ganz herzlich.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler antwortet:

Ihr Leidensweg ist ja wirklich nicht von Pappe und auch mit Ihrer Leidensfähigkeit brauchen Sie sich wahrlich nicht zu verstecken. Jetzt aber gleich konkret: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, befindet sich das Ödem ja nicht im Fersenbein. Daher dürfte es sich bei Ihnen höchstwahrscheinlich um eine Schleimbeutel-Entzündung (Bursitis) am Fersenbein handeln, was offensichtlich im MRT als „Ödem am Fersenbein-Ansatz“ imponiert. Diese Bursitis lässt sich relativ einfach bereits klinisch diagnostizieren, indem der Untersucher die Achillessehne knapp über ihrem Ansatz am Fersenbeinhöcker mit Daumen und Zeigefinger quetscht, wodurch sich eine eindeutige und schmerzhafte Symptomatik und zwar umschrieben an dieser Stelle auslösen lässt. Sollte sich meine Verdachtsdiagnose bewahrheiten, hätte ich für Sie folgende therapeutische Ratschläge parat:

• Ganz dosierte und gezielte Kortison-Applikation in den betreffenden Schleimbeutel. Evtl. sollte man ärztlicherseits den Schleimbeutel zuvor punktieren, um hier das Zuviel an Flüssigkeit herauszubekommen.

• Alternativ könnten Sie es zunächst aber auch mit einem lokalen Salbenverband über Nacht versuchen und zwar für 10 Tage (Traumeel® S-Creme in Kombination mit Ichtholan® 50% Salbe, luftdurchlässiger(!) Verband, nicht mit Zellophan abdecken, Salbenreste am Morgen komplett wieder abspülen).

• Zusätzlich würde ich Ihnen die Einnahme von Traumeel® S Tbl. (erhältlich in jeder Apotheke) nahelegen und zwar für 6 Wochen in hoher Dosierung (5 x 2 Tbl. über den Tag verteilt, einfach unter der Zunge zergehen lassen). Aufgrund seiner bewährten Zusammensetzung wirkt dieses Präparat anti-entzündlich und abschwellend. Die Verträglichkeit ist übrigens hervorragend, nur bei bekanntem Heuschnupfen sollten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin nehmen.

• Wenn die akute Symptomatik abgeklungen ist, sollten Sie den Achillessehnenbereich konsequent nach jeder Belastung exzentrisch dehnen (z.B. an einem Treppenabsatz in rutschfesten Schuhen abwechselnd und langsam den Fersenbereich immer wieder für 15-20 Sekunden absenken, nicht wippen, jede Seite 5-6mal).

• Checken Sie bitte auch Ihre Laufschuhe. Vielleicht haben selbige ja bereits ein Alter erreicht, in dem man besser auf ein neues Paar umsteigen sollte. Hoffentlich stecken Sie Ihre Laufschuhe nicht in die Waschmaschine, dann haben Sie zwar putzblanke Schuhe, nur eben keine Weichmacher mehr in der Zwischensohle. Und noch ‘was: Lassen Sie sich bitte unbedingt die sogenannte „kanadische Schnürung“ erklären/zeigen, eine spezielle Schnürtechnik, welche die beiden obersten und typischer Weise seitlichen Ösen für die Schnürsenkel so integriert, dass die Fersenkappe wesentlich kompakter dem Fersenbein anliegt und so dann auch keine Reizung des Schleimbeutels provozieren kann.

Alles Gute für Sie

 „Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 
 

Weitere Informationen: http://www.sportdoktor-ziegler.de/

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