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Triathlon und hoher Ruhepuls

2 Juli 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Quelle: GS

Thema heute: Triathlon und hoher Ruhepuls

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und ehemaliger Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit einem Jahr das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde wöchentlich für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Björn Z. fragt:

Lieber Herr Dr. Ziegler,

vielleicht können Sie auch mir einen entsprechenden Rat/Tipp geben, wie ich mit meiner Problematik umzugehen habe. Zur Vorgeschichte: In den zurückliegenden Jahren war ich sportlich sehr aktiv. 2010 und 2011 war es für mich nicht unüblich, 30-40 Stunden pro Woche zu trainieren. In diesem Zeitraum war ich dem Triathlon-Sport sehr verbunden und konnte mich durch gezieltes Training plus entsprechende Trainerbetreuung auch recht gut verbessern. Jetzt zu meinem Problem: Während eines Trainingslagers auf Mallorca im April 2011 hatte ich von heute auf morgen einen unerklärlich hohen Ruhepuls. Dieser schwankte zwischen <40 Schlägen und bis zu 80-90 Schlägen. Eine Erkältung oder ähnliches lag damals nicht vor, in dieser Richtung war ich fit. Ich merkte zudem auch, dass ich im Training absolut nicht mehr belastbar war und so verging sehr schnell die Freude am strukturierten Training. Zusätzlich traten bei mir plötzlich für mich unerklärliche Schweißausbrüche auf. Dies geschah immer während körperlicher Ruhephasen“, also z.B. beim Frühstück oder wenn ich mit Freunden im Café saß. Ein sportmedizinischer Check ergab keine herzbezogenen Auffälligkeiten, auch das Blutbild passte. Da die Situation nicht wirklich besser wurde, entschied ich, mich vom Leistungssport zu verabschieden. Die Symptome waren aber weiter vorhanden. Ein Check bei einem anderen Sportmediziner ergab dann erniedrigte Hämoglobin-Werte (= Blutfarbstoff, verantwortlich für die Sauerstoffbindung) sowie einen zu niedrigen Ferritin-Level (Indikator für das Vermögen, funktionstüchtige rote Blutkörperchen zu bilden). Entsprechend verabreichte er mir Eisen-Infusionen und wusch war die Problematik vergessen. Sicher kann ich mir immer wieder eine Infusion geben lassen, doch ist dies die Lösung?! Gibt es keine andere Möglichkeit oder andere Ursachen die bei mir das Krankheitsbild verursachen? Man fühlt sich einfach nicht wohl in der Haut, wenn man ohne Grund schwitzt. Freue mich, von Ihnen zu hören! Mit freundlichen Grüßen.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Also, mein Bester, auch ohne genaue Kenntnis der Ihrerseits jeweils gewählten Intensitäten bzw. Qualitäten bei Ihrem Mega-Trainings-Aufwand im Rückblick, allein unter Zugrundelegung der wöchentlichen Belastungsdauer sind Sie fraglos hochleistungssportlich unterwegs (gewesen). Und auch ohne Berücksichtigung dessen, was Sie sonst noch so privat und beruflich getrieben haben, bedarf dieser Input natürlich einer hochdifferenzierten Gesamtbetreuung, die neben Trainingsplänen auch nach optimal steuernden Vorgaben zur gezielten Beeinflussung der regenerativen Anforderungen verlangt: Wie viel Schlaf, welches privates Anforderungsprofil, welche gezielten Ernährungsvorgaben, wie viel Genussgifte, welche Nahrungsergänzungen, welche Überwachungsparameter, wie oft Leistungsdiagnostik etc. Sonst endet dieses Tun in einer mehr oder weniger großen Bauchlandung, die Sie ja auch leidvoll erlebt haben. Offensichtlich haben Sie in der Tat diesbzgl. zu wenig Sorgfalt walten lassen und im Überschwang der Emotionen bei der erlebten Leistungssteigerung stets nur „drauf gepackt“, was geht. Schade eigentlich, da Sie ja offensichtlich einer sind, der bereit ist, viel Zeit in seinen geliebten Triathlon-Sport zu investieren. Was ist aber jetzt zu tun, um Sie möglichst bald wieder in die Erfolgsspur zurück zu bringen:

  • Standort-Bestimmung: Gott Lob scheint ja Ihr Herz organisch soweit okay. Also gehören jetzt die üblichen Verdächtigen auf den Prüfstand, was bedeutet:

    1. Genaues Labor-Screening bzgl. Schilddrüse (TSH, Schilddrüsen-Hormone), nochmals Ferritin plus löslichen Transferrin-Rezeptor, Vitamin D (25-OH-Vitamin D3), Harnstoff (kataboler Energiestoffwechsel), Homocystein (Vitamin B-Haushalt), Mineralhaushalt (Magnesium, Kalium, Selen) sowie Ausschluss einer durchgemachten Epstein-Barr-Virus-Infektion (Bestimmung des entsprechenden Antikörper-Titers)
    2. Sorgfältige Auswertung Ihres über mindestens 10 Tage geführten Ernährungsprotokolls (Sie machten z.B. keine Angaben bzgl. des wöchentlichen Konsums von tierischen Produkten, Vegetabilien und Cerealien sowie Ihrer Trinkgewohnheiten. Bei Interesse senden Sie mir bitte einen an Sie adressierten und mit 1.45 € freigemachten DINA5-Umschlag (plus Beifügung von 5.00 €), postwendend erhalten Sie mein neues und Praxisorientiertes Ernährungsbüchlein „Power ist essbar“.
  • Wenn Sie dann ernährungsbezogen und laborchemisch neu justiert worden sind, sollten Sie sich unbedingt einer Leistungsdiagnostik (sportartspezifischer Laktat-Test) unterziehen, um Sie so gezielt aber peu à peu gemäß Ihres aktuellen Leistungsniveau zu alter Leistungsfähigkeit zurückzuführen, natürlich mit Köpfchen und exakt überwacht. Alle Ihre regenerativen und ruhigen Einheiten sollten dabei unbedingt unter Einbeziehung Ihrer tagesformabhängigen Herzfrequenz-Variabilität durchgeführt werden. Dieses Überwachungsprinzip ist ganz simpel zu realisieren, indem Sie einen entsprechenden Polar-Trainings-Computer mit OwnZone™-Funktion einsetzen.

  • Zusätzlich liegt es bei Ihnen mit Ihrer aktuellen Symptomatik m.E. nahe (evtl. zusätzlich zu einer regelmäßigen Eisen-Zufuhr (bewährtes Präparat wäre hier Ferrosanol duodenal® Kps.), folgende Nahrungsergänzungen limitiert über einen bestimmten Zeitraum einzusetzen:

    • Coenzym Q10 (Präparat Q10 Gerimed® flüssig – Fa. Adana Pharma): für ca. 8 Wochen 2 x täglich 6 Tropfen, langsam im Munde zergehen lassen, jeweils vor dem Essen

    • L-Carnitin (Präparat Biocarn® – Fa. Medice): für ca. 6 Wochen 2 x täglich 1 Gramm (1 Gramm ≈ 1 Messbecher), jeweils nach dem Essen

    • Langkettige Omega-3-Fettsäuren (Präparat Biomol Omega-3 power® – Fa. KyraMed): für ca. 12 Wochen 2 x täglich 750 Milligramm (750 Milligramm ≈ 1 Messbecher), jeweils nach dem Essen morgens und abends, am besten eingerührt in Milch, Milch-Produkte oder Säfte.

Ja, dann legen Sie los, es gibt viel zu tun! Und immer dran denken: „Sport ist nicht primär gesund, sondern immer nur so gesund, wie man ihn betreibt!“

Alles Gute

„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 
Weitere Informationen: http://www.sportdoktor-ziegler.de/
http://www.androgon.com/11055/gesundheit/mannergesundheit/power-ist-essbar
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