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Radfahren vs. Jogging

7 August 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Medizinische Kolumne zur sportlichen Gesundheit

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, ehemaliger Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und ehemaliger Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit einem Jahr das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als nächsten Beitrag stellen wir nun die Beratung zum Training von Radfahren versus Jogging vor.

Anton H. fragt:

Erzielt man mit Radfahren auf dem Hometrainer vergleichbare Trainingseffekte wie beim Joggen?

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Auf den Punkt gebracht, nein, wobei man allerdings unterscheiden muss, was mit dem Training bezweckt werden soll. Der Gesundheitssportler zielt ja zunächst einmal wohl nicht primär auf die Verbesserung seiner Wettkampfzeiten ab. Ihm geht es doch verständlicher Maßen und in erster Linie darum, Übergewicht vorzubeugen bzw. abzubauen, Blutdruck zu normalisieren, das Herz vor Durchblutungsstörungen zu schützen, Infekt- und Krebsschutz zu betreiben, Blutfette zu senken, die Insulinsensibilität zu erhöhen (Diabetes mellitus-Prophylaxe) und gezielt Stressausgleich zu betreiben, um so insgesamt mehr Lebensqualität und Lebensfreude zu erzeugen. Bei diesem Anspruch sind daher die Sportarten zu favorisieren, die sportartspezifisch und pro Zeiteinheit möglichst große Anteile der Gesamtmuskelmasse in Aktion versetzen. Die Gesamtmuskelmasse als gewichtsmäßig größtes Organ des menschlichen Körpers beträgt bei der untrainierten Frau mittleren Alters rund 30 % des Körpergewichts und beim Mann gleichen Alters mit vergleichbarem Trainingszustand aus genetischen Gründen über 40%. Damit sind Sportarten wie Walking, Nordic Walking, Jogging, Running, Inline-Skating, Aerobic, Rudern, Skilanglauf „gesundheitlich wertvoller“ als beispielsweise Schwimmen oder Radfahren. In diesem Zusammenhang möchte ich eventuell bestehende orthopädische Probleme, die dann von vorneherein nur bestimmte Sportarten zulassen, einmal bewusst vernachlässigen. Beim gesundheitlich betriebenen Radfahren oder bei der Fahrrad-Ergometrie sind nur etwa 35 % in Aktion, beim Jogging aber über 60%, der individuellen Gesamtmuskelmasse. Der Trainingseffekt auf den Gesamtorganismus ist daher in letzterem Fall um einiges größer. Zudem wird die einzelne Muskelfaser beim Radfahren oder bei der Fahrrad-Ergometrie aufgrund des spezifischen Beanspruchungsprofils energetisch höher belastet, was automatisch das Einschleusen von Fettsäuren in die energiebereitstellenden Systeme limitiert. Was im Klartext heißt: Fahrradfahren eignet sich als Fettstoffwechsel-Aktivator und Optimierer des Fettstoffwechsels weniger gut als die Vertikalsportarten Laufen, Nordic Walking, Inline-Skating oder Ski-Langlauf. Und ein trainierter Fettstoffwechsel ist nun einmal der entscheidende Weichensteller bzgl. der oben angeschnittenen Gesundheitsparameter.

„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 
 
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