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Laufen & Omega-6-Fettsäurenbelastung

24 August 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Medizinische Kolumne zur sportlichen Gesundheit

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, ehemaliger Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, stellt aus seiner Sprechstunde für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als nächsten Beitrag stellen wir nun die Beratung eines  Cross-Hindernisläufers zur Optimierung seiner Ernährung vor.

Torsten G. fragt:

Hallo Herr Dr. Ziegler,

ich mache Cross-Hindernisläufe der intensiveren Art, obwohl mir mittlerweile 12 Mediziner gesagt haben, ich würde nicht mehr gesund und auch nicht mehr auf die Beine kommen. Ich arbeite aber weiter an einer Optimierung meiner Ernährung und habe daher auch vor, u.a. mehr Wild zu essen, aus Kostengründen allerdings v.a. Wildschwein. Jetzt habe ich bei Ihnen gelesen, dass Wild okay sei – bis auf Wildschwein – warum das? – Sollte ich vielleicht gleich die nächste Stufe nehmen und mir Heimchen (Heuschrecken) ziehen, überleg ich mir übrigens ernsthaft?

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Spannendes Thema, was Sie da angeschnitten haben. Geht es doch ein Stück weit um die ganz prinzipielle Frage, was heißt eigentlich gesunde (Sportler)-Ernährung? Grundsätzlich gilt es zunächst einmal zu verinnerlichen, dass unser Körper auf eine regelmäßige Zufuhr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren zwingend angewiesen ist, da unser Körper diesen Fettsäuretyp nicht selbst herstellen kann. Die Rede ist hier von den sogenannten Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren. Diese lebensnotwendigen Fettsäuren benötigen wir allerdings nicht bzw. kaum als Energieträger. Sie finden vielmehr Verwendung als elementare Zellbausteine und als Hormon-Vorstufen, die bei uns Menschen so wichtige Funktionen wie Membran-Flexibilität, Blutdruck, Gerinnung, Herz-Rhythmus, Schmerz und Entzündungsprozesse steuern. Zu ihrer bedarfsgerechten Funktionalität bedarf es jetzt aber einer bestimmten Verteilung zwischen diesen beiden Fettsäuren-Typen untereinander, was übrigens so auch in unseren Erbanlagen fest verankert ist. Optimal wäre hier ein Verhältnis von 2:1 bis 5:1 zugunsten der Omega-6-Fettsäuren. Bei unserer westlichen Ernährungsweise sieht das Ganze aber völlig anders aus:

  • Wegen der bei einem Großteil unserer Bevölkerung regelmäßig konsumierten tierischen Produkte aus Mastbetrieben (Fleisch, Wurst, Käse, Milch, Milchprodukte), Legebatterien und Zuchtfarmen (Zuchtfisch) provozieren wir eine absolut krankmachende Relation von bis zu 20: bis 25:1 zugunsten der Omega-6-Fettsäuren. Ursachenforschung gefällig: Unsere Stall- & Zuchttiere wie auch die Zuchtfische erhalten mittlerweile größtenteils nicht mehr bzw. nicht mehr ausreichend das von Natur aus vorgesehene Grünfutter oder Moose, Algen & Farne. Allesamt werden sie mit Getreide, Mais und Soja gemästet, die nun einmal reich an Omega-6-Fettsäuren sind. Und Wildschweine als clevere Wildtiere wissen, wie sie leicht an Futter kommen, indem Sie wiederholt Maisfelder plündern und damit sich im Ggs. zu anderen Wildtieren eine ungünstige Fettsäuren-Relation anfressen.
  • Sportler wie auch Personen mit einer krankhaften Entzündungsneigung in ihrem Körper sollten daher unbedingt Lebensmittel aus diesen Quellen meiden (dazu gehören auch die betreffenden Milchprodukte), um bereits über ihre Ernährungsausrichtung schmerzhafte Überlastungsreaktionen und eine verlängerte Regenerationszeit bereits präventiv gezielt anzugehen und damit zu vermeiden. Stattdessen sollte der Speiseplan auf Produkte aus Biobetrieben und aus Wildfischfang zurückgreifen, d.h. also auch kein Zuchtlachs etc. Mittlerweile wird ja u.a. auch Steinbutt gezüchtet und selbiger ist damit für Sie natürlich auch off limits. Wild ist durchaus zu empfehlen. Allerdings bitte beachten: Kein Fleisch aus Wildgehegen, was übrigens immer häufiger in den Handel gelangt und auch kein Wildschwein, wie bereits beschrieben. Zudem findet sich im Fleisch von Wildschweinen nach wie vor die höchste Strahlenbelastung von allen Wildtieren. Und das mit den Heimchen sollten Sie sich vielleicht nochmals überlegen, aber warum eigentlich nicht, in arabischen Ländern und in Afrika ist dies ja m.W. eine Delikatesse.
  • Zusätzlich wäre bei Ihnen bei Ihrer hohen Trainingsbelastung und bei Wettkampfhäufung eine flankierende anti-entzündlich ausgerichtete Nahrungsergänzungsstrategie an Hochbelastungstagen in Erwägung zu ziehen. Ich habe hier übrigens gute Erfahrungen mit dem Homöopathikum Traumeel® S Tbl. gemacht. Versuchsweise wäre bei Ihnen daher aus meiner langjährigen sportmedizinischen Erfahrung die tägliche Einnahme von 3×2 bis 5×2 Tabletten zu testen, über den Tag verteilt und einfach unter der Zunge zergehen lassen. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind nicht zu erwarten. Nur bei bekannter Pollen-Allergie ist Vorsicht geboten und daher im Vorfeld mit Ihrem/r behandelnden Arzt/Ärztin abzuklären.

Ja, dann alles Gute für Sie & mögen Ihnen meine Ernährungsempfehlungen weiterhelfen!

„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 
 
Bildquelle: androgon.com
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