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FARBE FORM FOTOGRAFIE FLÄCHE

7 Februar 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Lucinda Devlin,  Lake Huron, 10-18-11, 10-45 pm, 2011, Aus der Serie: Lake Pictures

Die DZ BANK Kunstsammlung zeigt abstrakte Tendenzen in der künstlerischen Fotografie

Zu sehen ist die Schau vom 8. Februar bis 20. April 2013 im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main.

Die Kunst ist stets weit abstrakter, als wir glauben. Form und Farbe erzählen von Form und Farbe – sonst nichts. Oft scheint mir, dass die Kunst den Künstler weit mehr verbirgt als offenbart.“ Diese programmatische Aussage von Oscar Wilde belegt die aktuelle Ausstellung „FARBE FORM FOTOGRAFIE FLÄCHE“ der DZ BANK Kunstsammlung. Sie nimmt abstrakte Tendenzen in der künstlerischen Fotografie in den Blick und beleuchtet dabei eine Vielfalt der abstrakten Formensprache in der zeitgenössischen Fotokunst. Im Zusammenspiel mit historischen Positionen stellt sich die Frage, ob Fotografie in der Abstraktion eigene Wege geht oder ob sich Parallelen zur Malerei aufzeigen lassen.

Die Ausstellung versammelt etwa 100 fotografische Arbeiten aus der DZ BANK Kunstsammlung von 27 renommierten internationalen Künstlerinnen und Künstlern aus 10 Ländern. Gezeigt werden Arbeiten von Robert Barry, John Chamberlain, Silvie & Cherif Defraoui, Lucinda Devlin, Christiane Feser, Franco Fontana, Günther Förg, Lutz Fritsch, Andreas Gefeller, Mario Giacomelli, Gottfried Jäger, Naoya Hatakeyama, Raphael Hefti, Peter Keetman, Annette Kelm, Marc Lüders, Detlef Orlopp, Jorma Puranen, Arnulf Rainer, Georges Rousse, Thomas Ruff, Katsuhiro Saiki, Jörg Sasse, Hans-Christian Schink, Shirana Shahbazi, Hiroshi Sugimoto, James Turrell u.a.

Geschichte der Abstraktion in der Fotografie

Seit dem Aufkommen der Fotografie, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, kam der Malerei die Aufgabe abhanden, die Realität abzubilden. Die Fotografie sollte diese Aufgabe übernehmen. Das war der Startschuss für die Malerei, sich abstrahierenden und abstrakten Strömungen zuzuwenden.

Zeitgleich wurde jedoch auch in der Fotografie erstmals die Forderung nach Abstraktion laut, denn die künstlerischen Fotografen orientierten sich an den ästhetischen Entwicklungen der Malerei. Schon 1916 prägte der amerikanische Fotograf Alvin Langdon Coburn den Begriff der „abstrakten Fotografie“ und bezeichnete damit Bilder, in denen ein Gefühl für „Form und Struktur“ das Interesse am Bildgegenstand übersteigen sollte, da er die Funktion der Fotografie nicht länger in der dokumentarischen Abbildung der Dinge sah. Er wollte die Möglichkeiten der Kamera realisieren, um der Fotografie den Status einer äquivalenten Kunstform neben der Malerei zuzusprechen.

Es ist also auffällig, dass die Bewegung hin zur Abstraktion in der Malerei und der Fotografie zeitgleich aufkam. Zu überprüfen gilt es, ob sie bei der Umsetzung gleiche Wege gegangen sind.

Analogien zwischen Fotografie und Malerei

Vor diesem Hintergrund beleuchtet die Ausstellung „Farbe Form Fotografie Fläche“ die Abstraktion in der Fotografie aus beiden Perspektiven. Zum einen zeigen die Bilder Analogien zwischen Fotografie und Malerei auf wie beispielsweise in den Arbeiten von Hans-Christian Schink. Er fotografiert Gebäudefassaden, die als monochrome Flächen erscheinen und in den Primärfarben Rot, Gelb und Blau präsentiert werden. Seine nahezu monochromen Aufnahmen erinnern an Mondrians Bildinhalte ebenso wie an die Farbfeldmalerei der 1960er Jahre und finden sich auch in den Landschaftsaufnahmen von Franco Fontana oder Lucinda Devlin wieder.

John Chamberlain erzeugt Unschärfen mit langer Verschlusszeit und bewegter Kamera, Hiroshi Sugimoto beobachtet in seiner Serie Seascapes das immer gleiche Aussehen differenter Wasserflächen und verfolgt damit die minimalen Unterschiede des vermeintlich Identischen.

In den Arbeiten von Silvie und Chérif Defraoui oder Arnulf Rainer hingegen besteht die Verbindung von Malerei und Fotografie darin, dass durch das Medium Malerei die Sichtbarkeit des Mediums Fotografie ausgelöscht oder verdeckt wird, um damit die Abbildfunktion der Fotografie in Frage zu stellen.

Autonome Entwicklung der Fotografie

Zum anderen macht die Ausstellung auch eine autonome Entwicklung der Fotografie sichtbar. Jörg Sasse und Thomas Ruff sind mit den Werken Lost Memories und Substrat vertreten, die auf Found Footage Material basieren – aus vorgefundenen Aufnahmen, die die Künstler nicht mehr selbst herstellen. Sasse sammelt analoge Amateuraufnahmen, die durch einen Verfallsprozess zersetzt worden sind. Anstelle des Referenzobjekts werden die chemischen Bedingungen der Fotografie sichtbar: bunte Formationen, die die Fotochemie durch bakterielle Einwirkung selbsttätig hervorbringt. Dagegen verwendet Ruff japanische Manga-Comics, die er im Internet aufspürt und so weit verfremdet, dass nur noch ein Kaleidoskop aus knalligen Farben zurückbleibt.

Zeigt sich bei Jörg Sasse oder Raphael Hefti ein Interesse an der Selbsttätigkeit der Fotochemie, verdeutlicht die subjektive fotografie von Peter Keetman das Interesse an Experiment und Gestaltung mit fotochemischen Materialien. Detlef Orlopp, der gleichfalls dem Umkreis der subjektiven fotografie entstammt, nutzt dagegen die Kadrierung, um Landschaftsmotive in abstrakte Bilder zu verwandeln, die sich auf gleiche Weise auch bei Mario Giacometti oder James Turell wiederfinden.

Dagegen wird in den Werken von Christiane Feser nicht nur die Tradition des Konstruktivismus, sondern durch Faltungen und Knicke auch die Erweiterung des zweidimensionalen Fotopapiers in den dreidimensionalen Raum aufgegriffen. Ihre Thematisierung des Papiers als Objekt steht ebenso wie Shirana Shahbazis rhythmische Überlagerung farbiger Flächen in einer Kontinuität mit den reflexiven Arbeiten der generativen Fotografie, die in der Ausstellung durch Gottfried Jäger repräsentiert ist.

Eine spezifische Gattungsbezeichnung ist erschwert bei dem Porträtfoto des amerikanischen Konzeptkünstlers Robert Barry einer Mitarbeiterin der DZ BANK, die für die gesamte Belegschaft des Unternehmens stehen soll. Es ist mit transparentem Acryl bis zur Unkenntlichkeit übermalt, geometrisch angeordnete Worte scheinen das Bild zu durchschweben. Barry selbst nennt diese Bilder „Gemälde“, obwohl sie aus malerischen, fotografischen sowie textlichen Elementen bestehen.

Weitere Informationen:

Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank
Frankfurt am MainPlatz der Republik
60325 Frankfurt am Main
 
http://www.dzbank-kunstsammlung.de/

Quelle: DZ BANK-Kunstsammlung

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