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Laufen & Sehnenscheidenentzündung

27 Februar 2014 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Fuß

Medizinische Kolumne zur sportlichen Gesundheit

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und ehemaliger Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit einem Jahr das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde wöchentlich für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als nächsten Beitrag stellen wir nun die Beratung eines Triathlets mit Sehnenscheidenentzündung im Bereich des M. tibialis posterior vor.

Dietmar H. fragt:

Sehr geehrter Herr Dr. Ziegler,

ich bin 47, wiege bei 1.80 m 73 kg und seit 13 Jahren Triathlet über alle Distanzen. Seit nunmehr 10 Monaten habe ich eine Sehnenscheidenentzündung am rechten Sprunggelenk und zwar am Ansatz der M. tibialis posterior-Sehne an den Fußwurzelknochen. Der Hausarzt diagnostizierte einen Senk-Spreizfuß, verschrieb Trainingspause, Schuheinlagen und Stützstrumpf. Daraufhin habe ich ausschließlich Rad & Schwimmen trainiert und ca. 2,5 Monate mit dem Laufen pausiert. Anfang Mai dann wieder begonnen und das Sprunggelenk bedankte sich mit einer Verdickung am Sehnenansatz, Ergüssen und leichtes Stechen am Sehnenansatz. Die dann von einem Orthopäden veranlasste MRT-Aufnahme des Sprunggelenkes zeigte Flüssigkeitseinlagerung in der Sehnenescheide, ansonsten keine Auffälligkeiten am Sprunggelenk. Mit dem Ziel den anstehenden Triathlon-Wettkampf bekämpfte ich die Entzündung mit dem Schmerzmittel Arcoxia® und Phlogenzym® sowie Physiotherapie (Stützmuskeltraining, Tape, Stromtherapie etc.) Den Wettkampf konnte ich dann problemlos und schmerzfrei durchführen. Anschließend pausierte ich für ca. 3 Wochen. Bei der Wiederaufnahme kam es wiederum zu verstärkten Ergüssen am Gelenk und starkem Stechen am Sehnenansatz. Wieder wurde Arcoxia® zur Hemmung der Entzündung eingesetzt plus einer anti-entzdl. wirkende Spritze in die Sehnenscheide (Traumeel?). Zusätzlich wurde eine Eigenblut-Serumtheraphie mit 7 Injektionen verordnet sowie spezielle Laufschuh-Einlagen. Die Übungsempfehlungen gemäß einer durchgeführten Bewegungsanalyse bei einem Orthopädie-Schuhhaus praktiziere ich seither. Leider ergab sich bisher insgesamt noch keine durchgreifende Verbesserung. Seitens meines Orthopäden besteht daher nun die Auffassung, das Problem sei nur noch operativ zu lösen. Hätten Sie hierzu einen Rat? Mit freundlichem Gruß

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Werde versuchen, etwas Licht in Ihre komplexe Symptomatik zu bringen. Zunächst das m.E. Wichtigste vorne weg: Bis zur Einwilligung zu einer Op würde ich mir an Ihrer Stelle noch reichlich Zeit lassen. Was ist daher jetzt zunächst zu tun:

  • Eine chronische Überlastung der Ansatzsehne des M. tibialis posterior muss ja ohne Frage eine funktionelle Ursache haben, zumal er nicht zu den Muskeln gehört, die beim Laufen dramatisch beansprucht werden. Seine Aufgabe: Heben der Ferse und Heben des inneren Fußrandes (Supination). Eine Überlastung seines Sehnenansatzgebietes an den Fußwurzeln (v.a. am Kahnbein) könnte beispielsweise durch eine chronische Überbeanspruchung wegen Senk-Knickfuß bedingt sein, wie ja bei Ihnen wohl auch vorhanden. Entsprechend sollten Sie sich nochmals und zwar unbedingt an laufsportaffiner Stelle (laufexperten.de) bzgl. Schuhwerk (Pronationsstütze) und korrespondierend stützenden Einlagen beraten und betreuen lassen.
  • Physiotherapie: Nach diesem langen Leidensweg ist es höchstwahrscheinlich, dass das gesamte Bewegungsspiel im Fußwurzelbereich eingeschränkt ist. Entsprechend sollten Sie zeitnah einen Physiotherapeuten aufsuchen, der eine manual-therapeutische Zusatzqualifikation vorweisen kann. Und diesem sollten Sie sich anvertrauen und dort zunächst einmal 8 – 10 Sitzungen anberaumen.
  • An medikamentösen Therapien sollten Sie versuchen:
    1. Lokaler Kombi-Salbenverband mit 50% Ichtholan-Salbe in Kombination mit Ibutop-Creme an schmerzender Stelle (für 10 Tage über Nacht, Vorsicht: auf keinen Fall luftdicht mit Zellophan verpacken, sondern über den Verband nur einen Strumpf ziehen).
    2. Für 4 Wochen in Kombination eine gezielte Enzymtherapie (z.B. Therazym® Tbl., 3 x täglich 1 Tbl., jeweils 10 Minuten vor den Mahlzeiten) mit hochdosierter Magnesiumgabe (z.B. Magnesium-Köhler Kps., abends jeweils 1 Kps. nach dem Essen).
    3. Zusätzlich für zunächst 8 Wochen Orthomol Tendo®, ein innovatives Sehnentherapeutikum und Nahrungsergänzungsmittel mit Bindegewebe-spezifischen Nährstoffen wie Mangan, Kupfer, Kollagen-Hydrolysat, Enzymen und Omega-3-Fettsäuren, empfohlene Dosierung: täglich eine Tagesdosis und zwar ebenfalls abends.
    4. Sportlich würde ich in den nächsten 4 Wochen Laufverzicht üben, bis die Therapie greift und Sie funktionstechnisch und manual-therapeutisch wieder auf der Höhe sind. In dieser Zeit jederzeit erlaubt Radfahren, Schwimmen und Aqua-Jogging. Und dann erst Ihren neuerlichen Laufversuch starten, über den Sie mir dann gern berichten können.
    5. Zu bedenken wäre übrigens auch, in dieser Reha- & Reparationsphase einen gezielten Verzicht auf alle tierischen Produkte bis auf Wildfisch und Bio-Milchprodukte zu praktizieren und anstelle dessen hochdosiert pflanzliches Eiweiß zu verzehren (u.a. Weizenkeime, ungesalzene und nicht geröstete Erdnüsse, Chia-Samen, Hanfsamen, Leinölfrüchte, Pinienkerne und Sauerteig-Vollkornbrot) So limitieren Sie gezielt das über die Ernährung ansonsten unvermeidlich anflutende Entzündungsneigung.
    6. Auch rate ich Ihnen zur Kontrolle Ihres Vitamin D-Spiegels (25-OH-Vitamin D) zwecks Optimierung der neuro-muskulären Koordination. Als Sportler sollten Sie hier einen Wert von zumindest 40 ng/ml aufweisen.

Ja, jetzt bleibt mir eigentlich nur noch, Ihnen gute Besserung zu wünschen & zu hoffen, dass meine Tipps bei Ihnen auch anschlagen werden.

Dr. med. R. Ziegler„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 
Weitere Informationen: http://www.sportdoktor-ziegler.de/http://www.androgon.com/11055/gesundheit/mannergesundheit/power-ist-essbar
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