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Elemente materialistischer Philosophie

21 Juli 2016 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Wofür es sich zu leben lohnt

„Wofür es sich zu leben lohnt“

Der Kulturwissenschaftler Robert Pfaller verteidigt in seinem 2012 erschienenen Buch“ Wofür es sich zu leben lohnt“, indem er Elemente seiner materialistischen Philosophie vorstellt, die Unvernunft und fordert zu mehr Genuss und Lebensfreude auf. Seiner Meinung nach dominieren bei uns zur Zeit vor allem Sicherheitsdenken, „Gesundheitstümelei“ und Kosteneffizienz – alles Feinde der Lebenslust. So sind zum Beispiel die an sich reichsten Bevölkerungen in den beiden letzten Jahrzehnten immer biederer, lustfeindlicher und prüder geworden und lassen den Genuss am Leben und die Eleganz vermissen.

Darüber hinaus besteht die Intention des Staates darin, unser Leben um jeden Preis zu schützen und uns auf Kosten der Freiheit das Restrisiko abzunehmen, was nach Meinung des Autors schließlich dazu führt, in einer Art von Leichenstarre zu verharren. So existieren wir quasi in einem Kokon, der uns immer vor dem harten Fall bewahrt. Selbst wenn wir einmal feiern und uns aus unserer Starre befreien, werden Zigaretten ohne Nikotin geraucht, Bier getrunken ohne Alkohol oder Cola ohne Kalorien. Und darüber hinaus kasteien wir uns freiwillig, wie zum Beispiel bei jeder Flugreise, indem wir entwürdigende Kontrollen über uns ergehen lassen.

Was aber ist zu tun, um aus dieser oftmals schon selbst auferlegten Reglementierung wieder zu einem sich lohnenden Leben zu kommen. Pfaller sieht vor allem im Spiel, wie auch schon sein niederländischer Kollege Johan Huizinga, den Schlüssel um zur Lebensfreude zurück zu gelangen. Denn das Spielen würde am Anfang jeder Kultur stehen, sei aber heute immer mehr in einem Zustand des kontinuierlichen Rückgangs.

Heute ist man immer bestrebt etwas darzustellen und selbst das Privateste wird nach außen kehrt. Dabei bietet nur das Spiel als Gegensatz zur Wirklichkeit einen Ausweg aus der „Knechtischen Existenz“, die das Leben sonst darstellen würde. Die besten Genüsse sind solche, die entstehen, sobald die Realität zu Gunsten des Spiels verabschiedet wird.

Dementsprechend ließe sich auch hier der Bogen zum Extremsport von androgon spannen. Denn auch hier spürt man das Leben am intensivsten, wenn das Restrisiko in extremen Situationen noch besteht – dann beschleunigt sich das Herz, Adrenalin jagt durch die Adern und wir fühlen die Lebendigkeit aufs stärkste in uns. Somit können auch wir mit einstimmen mit unserem Lebensmotto :“ Genieße dein Leben, solange wie es dir noch vergönnt ist“.

(wz)

 

Über Robert Pfaller

Robert Pfaller, geboren 1962, studierte Philosophie in Wien und Berlin und war nach Gastprofessuren in Chicago, Berlin, Zürich und Straßburg Professor für Kulturwissenschaft und Kulturtheorie an der Kunstuniversität Linz. Seit 2009 ist er Professor für Philosophie an der Universität für angewandte Kunst Wien. Im S. Fischer Verlag ist von ihm ›Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Symptome der Gegenwartskultur‹ erschienen, die vielbeachtete Studie ›Wofür es sich zu leben lohnt. Elemente materialistischer Philosophie‹, sowie zuletzt ›Zweite Welten. Und andere Lebenselixiere‹.

 

Robert Pfaller
„Wofür es sich zu leben lohnt- Elemente materialistischer Philosophie“
 Fischer Taschenbuch (2012)
Preis € (D) 9,99 | € (A) 10,30 | SFR 14,90
ISBN: 978-3-596-18903-8
 

Bildquelle: Fischer Verlag

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