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Der verlorene Vater

16 Mai 2010 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Wir stellen vor: TV-Film „Der verlorene Vater“

Da hilft auch kein Paartherapeut mehr: Im TV-Film „Der verlorene Vater“ kämpft Edgar Selge um seine Kinder – und entwickelt eine gefährliche Militanz. So sorgt das provokant zugespitze Drama für reichlich Sprengstoff in der erhitzten Sorgerechtsdebatte.

Eine Mittelohrentzündung ist in einer solchen Situation natürlich nicht einfach nur eine Mittelohrentzündung. Sie ist ein Politikum. Seit ein paar Monaten leben Arndt (Edgar Selge) und Bettina (Jeanette Hain) getrennt; da wird jede Krankheit, die sich Sohn oder Tochter einfängt, zum Pfund, mit dem sich bei der anstehenden Scheidung wuchern lässt. Wer kennt die Kinder besser, wer pflegt sie fürsorglicher?

Es bleibt das große Rätsel unserer zivilisierten Gesellschaft, in der es für jedes emotionale Problem eine Therapie gibt und für jede soziale Schräglage einen Ratgeber, warum einst freundliche, reflektierte, liebende Menschen auf einmal einen Vernichtungsfeldzug gegeneinander führen. Um so etwas zu schlichten, braucht man keinen Paartherapeuten, sondern die Blauhelme der Uno. Der normale Beobachter ist da heillos überfordert, besonders wenn er aus Loyalitätsgründen zu einer der beiden Seiten tendiert.

Wird der Mann von pervertierter Fürsorge oder purer Egomanie getrieben? So zärtlich, so emphatisch, so menschlich der Vater auch auftritt: Wo er weggeht, wo er um seine Kinder gekämpft hat, da bleibt nur noch ein Friedhof der Kuscheltiere zurück.

Der Fraktion der erzürnten Väter, die in den letzten Jahren mit immer drastischeren Aktionen gegen das tatsächlich problematische deutsche Sorgerecht vorgegangen sind, wird den Film auf jeden Fall hassen. Er ist quasi die Antithese zu dem unlängst heftig diskutierten Dokumentarfilm „Der entsorgte Vater“. Dabei, und das ist das Interessante an der gewagten Erzählform dieses provokant zugespitzten Dramas, wird sich hier weder auf die eine oder andere Seite geschlagen.

Eines aber ist am Ende klar: Vater Arndt wird hier entsorgt

Quelle: arte.tv

http://www.arte.tv/de/programm/242,dayPeriod=evening.html

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