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„Payback“- Eine Analyse zum Internetzeitalter

25 Februar 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Payback von Frank Schirrmacher

Frank Schirrmachers Buch „Payback“- Eine Analyse zum Internetzeitalter

Jeder, der sich heutzutage gezwungen sieht, sich mit dem Internet zu befassen, und dies ist außer den Hochbetagten nahezu jeder Mann, ist in zunehmendem Maße einem Überforderungsprozess ausgesetzt. Denn das Informationszeitalter fordert zunehmend seinen Tribut.

In seinem Buch „Payback“ stößt der Herausgeber und Publizist der FAZ, Frank Schirrmacher, wiederum nach seinen zwei Bestsellern  zur Überalterung der Gesellschaft  „Der Methusalemkomplex“ und zur Furcht vor sozialem Abstieg  mit  „Minimum“, eine weitere  Debatte zum Zeitgeist über Gedeih und Verderb des Internets an.

Mit seinem Untertitel „Warum sind wir im Informationszeitalter gezwungen zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen“, weist er darüber hinaus auf den zu befürchtenden Kontrollverlust hin, der unserem wichtigsten menschlichen Organ, dem Gehirn droht. Und so stellen sich vor allem häufig als Zeugen der zunehmenden Erschöpfung beängstigende Fragen, wie:“ Was hatte ich gerade vor zu tun? Was passiert mit meinem Denkapparat? Und fast jeder kennt die neue Vergesslichkeit und die nahezu pathologische Zunahme von Konzentrationsstörungen mit dem befürchteten Burnout als Endstation.

Obwohl wir infolge der auf uns immerfort einwirkenden Informationen mehr an Wissen erhalten, fürchten wir uns doch ständig, dass uns das wichtigste verloren geht. Hinzu kommt, dass wir uns durch die Informationen Vorteile versprechen, aber oft nicht mehr differenzieren können, was wichtig ist und was von weniger Bedeutung ist. Aber es geht schon Schirrmacherr nicht nur um den einzelnen; er sieht vielmehr auch gesamtgesellschaftliche Aspekte. So verändere sich mit dem digitalen Druck des immer intelligenter werdenden Netzwerks das Denken, der freie Wille bis hin zum Menschenbild. So zitiert er zum Beispiel den Neurologen Gary Small mit seiner Studie, die nachweist, dass der Computer das Gehirn nicht nur psychologisch, sondern auch neurologisch verändern kann.

Im zweiten Teil von Payback sucht der Autor nach Lösungen, um aus der existenziellen Krise auszubrechen und den freien Willen und den Humanismus wieder zu reaktivieren. So wird das Buch zum Aufruf, eine aktive Rolle in der digitalen Entwicklung zu übernehmen. Der zwanghafte Zustand, ständig zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen zu entscheiden, der vom amerikanischen Psychologen Roy Baumeister als Ich-Erschöpfung bezeichnet wird, sei ein Alarmsignal, um die Informationen wieder dem Gehirn unterzuordnen und nicht umgekehrt. Nur so können die digitalen Technologien ihre befreiende Wirkung entwickeln, indem die Speicherung des Wissens dem Computer überlassen und das menschliche Denken davon entlastet, sich mit dem Wesentlichen befassen kann.

Insgesamt gesehen macht Payback ein komplexes Phänomen dem mit dem Internet operierenden Publikum verständlich und kann so als eine Art Grundsatztext zum Denken im digitalen Zeitalter betrachtet werden. Für die digitale Debatte in Deutschland erbringt es darüber hinaus positive Perspektiven zur zukünftigen Entwicklung des Internets.

(wz)

http://youtu.be/WCZuVFNoXxk

 

Weitere Informationen:

 
Frank Schirrmacher: „Payback“
Verlag: Blessing, München
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
240 Seiten
13,5 x 21,5 cm, 4
s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-89667-336-7
€ 17,95 [D]

www.randomhouse.de/Buch/Payback/Frank-Schirrmacher/e228696.rhd

 

Bildquelle: Verlagsgruppe Random House

 

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