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Laufen & Achillessehnen-Ruptur

21 November 2014 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

vitruvian-mann

Medizinische Kolumne zur sportlichen Gesundheit

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und ehemaliger Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit mehreren Jahren das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde wöchentlich für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als nächsten Beitrag stellen wir nun die Beratung eines Läufers mit Achillessehnen-Ruptur vor.

Stefan H. fragt:

Hallo Herr Ziegler,

ich habe vor 3 Wochen mal wieder Fußball gespielt und bei einem Sprint ist mir die Achillessehne gerissen. Diese wurde mit Perkutan-Naht in Sindelfingen zusammengeflickt. Da war dann aber von Anfang an eine ziemliche Spannung drauf, konnte das Bein nicht ausstrecken. Am nächsten Abend war die Spannung weg und ich bin gleich wieder zum Arzt, der die Befürchtung einer neuerlichen Ruptur bestätigte. Eine Woche später gab’s in der BG-Klinik in Tübingen eine 2. Op (Umkehrplastik) und heute sind die Fäden rausgekommen. Die Naht ist gut verheilt, der Fuß nicht mehr dick. Bis jetzt hatte ich als Anwendung nur manuelle Lymphdrainage (insgesamt 10). Jetzt kommt die Zeit in der ich anscheinend mehr machen darf. Allerdings habe ich da widersprüchliche Informationen erhalten und finde auch im Internet keine richtigen Quellen, was man wann machen soll, u. a. um dem Muskelabbau entgegenzuwirken und dabei gleichzeitig die Sehne zu schonen, ohne sie einrosten zu lassen. Was empfehlen Sie?

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

In der BG-Klinik sind Sie m. E. wirklich gut aufgehoben. Sie sollten sich daher auch an deren Vorgaben und Empfehlungen orientieren, die ich voll umfänglich bestätigen möchte. Das heißt konkret, gerade weil es sich bei Ihnen nun einmal um eine zweifache Ruptur handelt:

  • Die nächsten 3-4 Wochen in der Orthese bitte beim Gehen nur Sohlenkontakt, d.h. das betroffene Bein nur mit ca. 20 kg belasten bei gleichzeitigem Einsatz von Gehhilfen. Dieses Gewicht über eine Waage austesten. Natürlich müssen Sie die Orthese ganztags tragen.
  • Über Nacht gibt es für die nächsten 3-4 Wochen 2 Alternativen: Sie lassen sich in der Klinik eine leichte Unterschenkel-Bycast-Gipsschiene anfertigen, die sie dann nachts anstelle der Orthese tragen müssen oder Sie packen die Orthese aus hygienischen Gründen in eine Folie und tragen sie auch nachts. Nach den 4 Wochen benötigen Sie dann nachts keine Schienung mehr, einen normalen Heilverlauf vorausgesetzt.
  • Nach 4 Wochen machen Sie 2 Dinge parallel: Zum einen verändern Sie alle 2 Wochen den Winkelgrad der Orthese bis Sie allmählich (!) wieder in der Waagrechten stehen (90°), was die Spitzfußproblematik in dieser Zeit bis zum Erreichen der Waagrechten entsprechend reduzieren dürfte, ohne die Sehne unnötig zu belasten. Gleichzeitig erhöhen Sie alle 2 Wochen auch die Gewichtsbelastung des betreffenden Beines um 20 kg bis zur Vollbelastung. Bis zur Vollbelastung benötigen Sie täglich auch eine Heparinspritze zur Verhütung einer Beinvenenthrombose. Details hierzu sollten Sie aber mit Ihren behandelnden Ärzten besprechen.
  • Sie möchten insgesamt mehr für den Muskelerhalt tun. Ich habe daher keine Bedenken bzgl. eines gezielten Oberkörper-Krafttrainings in Kombination mit einem behutsam gesteigerten Rumpftraining.
  • Bis zur Vollbelastung würde ich Ihnen auf jeden Fall und in regelmäßigen Intervallen auch Lymphdrainage für Ihre untere Extremität empfehlen.

Bitte verstehen Sie meine Ausführungen stets nur als begleitenden Rat aus der Ferne, das letzte Wort haben natürlich die Kollegen der BG-Klinik.

Alles Gute für Sie & möglichst baldige Rückkehr zu Ihrem geleibten Sport wünscht Ihnen

Ihr Dr. Ziegler

Dr. med. R. Ziegler„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
Weitere Informationen: http://www.sportdoktor-ziegler.de/http://www.androgon.com/11055/gesundheit/mannergesundheit/power-ist-essbar
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