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und es pfeift der Wind so kalt… BLUE NAIL 2013

8 März 2013 4 Kommentare PDF Drucken Drucken

Blue Nail 2013Blue Nail 2013 – Der Kampf gegen Kälte, Müdigkeit und OPFOR

Team-androgon war dabei…

Der Patrouillen-Wettkampf Blå Negl / Blue Nail fand vom 22 – 24 Februar 2013 in FREDERICIA, Dänemark statt und gilt als der ultimative Kommando-Wettkampf Dänemarks.

„Blå Negl“ ist eine Durchschlagübung durch zwei Nächte ohne Schlaf – Gefechtsmarsch mit Stationsaufgaben, bei dem einzelne Trupps oder kleine Gruppen, in Stärke 2 oder 6, verschiedene Stationen anlaufen müssen, (Marschstrecke bis ca. 80 km querfeldein) um dort militärische Aufgaben zu erfüllen. Diese sind unter anderem: Nachtschießen, gefechtsmäßige Gewässerdurchquerungen, Erkennen und Zuordnen von militärischen Objekten/Fahrzeugen, Waffendrill, Abseilen, Erste Hilfe, Geräuschzuordnung, Entfernungsschätzen, Häuserkampf (taktische Aufgabe), Sprengen, Hiba, Orientierungslauf, Handgranaten-Werfen etc.

Das Erreichen der einzelnen Posten soll von verschiedenen Jäger-Kommandos vereitelt werden. Kräfteeinsatz OPFOR “opposing force” ( ca. 300 aktive Jäger + 200 Mann Organisationspersonal), die mit modernstem militärischem Gerät wie Luftfahrzeugen, Wärmebildgeräten, Nachtsichtgeräten, Schutzhunden der dänischen Jægerkorpset – den dänischen Special Forces – etc. ausgerüstet sind.

Ziel

Die Dänische Heimwehr führt diesen internationalen militärischen Wettkampf „BLUE NAIL“ durch, um den Leistungstand aktiver Soldaten und Reservisten international einordnen zu können und um eigene Fähigkeiten abzuprüfen.

Einordnung des Wettkampfs

  •  Kein konventioneller militärischer Vielseitigkeitswettkampf
  •  Körperliche Belastung: sehr hoch
  •  Ausbildungsanspruch: sehr hoch
  •  Mannschaftsstärke: 2 oder 6 Soldaten
  •  Marschstrecke: bis ca. 80 km querfeldein
  •  Stationskreis: Stationskreis mit ca. 12 Stationen auf Marschstrecke
  •  Festnahme: pro Festnahme durch OPFOR-Kräfte erfolgt ein Punktabzug von 100 Punkten
  •  Ausrüstungsbeschränkungen: kein GPS, keine Nachtsichtgeräte
  •  Gepäck: freigestellt – alles muss mitgeführt werden
  •  Bewaffnung: Sturmgewehr GEVÆR M/95, 1 Magazin, 10 Schuss

Anreise

Es war in den Morgenstunden und noch dunkel in Mainz, als wir uns in Marschbewegung setzten. Wir übernahmen ein BW-Fahrzeug! Schnelles Beladen, Fahrbefehl ausfüllen und los ging es.

Noch waren wir zu zweit. Zwei weitere Kameraden sollten in der Luftwaffenkaserne Köln-Wahn aufgenommen werden, die direkt am deutschen Militärflughafen liegt, von dem aus regelmäßig Transporte nach Afghanistan und Übersee gehen.

Gesagt getan. Es waren noch immer knapp 800 km bis zum Einsatzort FREDERICIA in Dänemark. Alles verlief ruhig und wir kamen rechtzeitig um 1730 Uhr in der Bülows Kaserne an. Allerdings waren wir hier nicht die einzigen Deutschen – stellten die Deutschen sowohl große Anzahl von Wettkämpfern wie auch Jäger für das Jagd-Kommando.

Einschleusung

Nach der Waffenausgabe am Freitag um 1730 (jeder Teilnehmer erhielt ein Sturmgewehr GEVÆR M/95 und ein Magazin mit 10 Schuss Munition) gab es eine knappe Befehlsausgabe in englischer Sprache sowie Kartenunterlagen mit Notfallplan, Marschverpflegung, Team-Nr., Fahrzeug-Nr. und die erste Koordinate.

Dann hieß es Aufsitzen!

Mit Tonnern und Bussen wurden die Mannschaften 73 Teams aus 5 Nationen zu ihren Absetzpunkten gefahren. Ab hier begann die „heiße Phase“. Aufgabe war es, mit Karte/Kompass die angegebenen Koordinaten zu erreichen. Insgesamt mussten so (11+) Stationen angelaufen werden. An den verschiedenen Stationen wurde das militärische Grundspektrum abgeprüft: Zuordnen von Luftfahrzeugen, Schießen in Bewegung, Sprengen, LKW-Radwechsel, Waffendrill und Erste Hilfe, HiBa-Land, Durchquerung eines gefluteten Autobahn-Kanals, Orientierungslauf, Nachtschießen etc.

Nach Verlegung mittels Tonner wurden wir mitten im Gelände um FREDERICIA ausgesetzt und ab diesem Zeitpunkt uns selbst überlassen. Nach dem Drop wichen wir sofort aus, um unentdeckt zum ersten Posten zu gelangen sowie einem möglichen Aufgriff durch OPFOR direkt an der Drop Zone zu entgehen. Im Vorfeld hatten wir lediglich die Koordinaten unseres ersten Anlaufpunktes erhalten. Zunächst galt es den eigenen Standort zu bestimmen. Noch fiel uns nicht auf, dass es sich hier primär um das Gelände einer Sumpflandschaft handelte und das Überqueren von kleinen Bächen und Weidezäunen die nächsten 72 Stunden unsere Hauptbeschäftigung sein würde. Glücklicherweise war es sehr kalt und der semifeste und halbvereiste Boden ließ uns nicht ganz so weit bei jedem Schritt „einsacken“.

Eine besondere Herausforderung war auch eine Station, bei der es sich um„ Gefechtsmäßiges Überwinden eines Gewässerverlaufs und Durchquerung eines gefluteten Autobahn-Kanals“ handelte. Wie sollte mit „nassen Stiefeln und Uniform“ im weiteren Verlauf des Wettkampfs umgegangen werden, ohne unsere Kampfkraft zu reduzieren?! Als wir nach diesem Bad das Wasser aus den Stiefeln schütteten, waren die Schnürsenkel schon zu vereisten Spagetti gefroren, die sich nur noch schwer binden ließen. Lösungsansatz: Wir gingen nur in Nässeschutz und Stiefeln in die Fluten und zogen nach der Taufe unsere im Rucksack verstauten trockenen Uniformteile wieder an. Danach zogen wir unsereSealskinz“ Socken an, mit denen auch das Britische Militär ausgerüstet ist. Die wasserdichten Socken ließen keine weitere Feuchtigkeit an den Fuß, schirmten die Nässe der Stiefel ab und bescherten uns schon nach 45 Minuten wieder warme Füße. So konnte die Marschgeschwindigkeit und Kampfkraft ohne Auskühlungen, Blasen und andere Probleme aufrechterhalten werden. http://www.sealskinz.com/

Aber auch unsere Haix Stiefel, (Bw Bergstiefel leicht II ) nicht dienstlich geliefert, erfüllten auch bei den letzten Märschen und Wettkämpfen ihre Aufgabe hervorragend. Kein Umknicken oder Wegrutschen – die über 100Kg Gewicht von Körper, Waffe und Gepäck wurden wiederstandslos vom Stiefel aufgenommen – sogar schnelles Laufen und Sprinten ist auf Grund des hervorragenden Dämpfungsmaterials sehr gut möglich. Weder wirkten die Stiefel nach einer Gesamtleistung von ca. 1000 Km abgenutzt, noch machte sich das Vollbad an der Statik und Form des Stiefels zu schaffen. Keine Druckstellen – keine Blasen!  http://www.haix-webshop.de/military

Combat Ration

Nach Beginn der Dämmerung am Samstag früh wurden die Stationen geschlossen. Wir liefen noch bis 0900 Uhr weiter, um die Nähe der nächsten Zielkoordinate zu erreichen. Von hier sollte es nicht mehr so aufwändig sein, unaufgeklärt die nächste Station/Posten zu erreichen. Jetzt hieß es im Wald unterziehen und ein wenig ruhen. Von Schlafen konnte hier keine Rede sein, hatten wir nur Behelfs-Schlafsäcke dabei, die für diese eisigen Temperaturen nicht geeignet waren.

Nach dem Ruhen beschlossen wir den Esbitkocher zu nutzen um ein kleines EPA-Mahl (Combat Ration) zuzubereiten. Wir freuten uns auf etwas Warmes… zudem nahmen wir gut-schmeckende Produkte von Multipower zu uns, dieses  beschleunigte die Regeneration und gab zusätzlich Kraft. http://www.multipower.com/de/

Vor Einbruch der Dunkelheit ging es weiter. Neben der OPFOR waren die Kälte, Wind und die Müdigkeit unsere schlimmsten Gegner. Der überall präsente Feind, der mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet, wichtige Geländepunkte besetzt hatte, sowie alle Straßen abpatrouillierte, zwang uns, 95% der Strecke querfeldein zurückzulegen. Dies war nicht immer einfach – war die Landschaft doch sehr moorig, die Wiesen sehr wasserdurchtränkt – in die wir trotz Temperaturen von -5 Grad (durch den Wind gefühlte -10 Grad) einsanken. Wenn die vielen Äcker gerecht waren, war es relativ einfach, sie zu überqueren, falls sie nur gepflügt waren, reduzierte sich unsere Marschgeschwindigkeit auf nur 1km pro Stunde – es war wie auf gefrorenen Betonpatten zu laufen, jeder Schritt erforderte vollste Konzentration.

Selbst in dichtem Wald wurden wir mit Hunden und Leuchtgranaten (Einstein Weiß) gejagt. Im Gegensatz zu unseren Jägern waren wir mit gut 15 kg Ausrüstung bepackt. Am Sonntagmorgen um 06.00 Uhr hatten wir außer einer Station alle angelaufen und erfüllt. Dann war für uns Timeout – wir sollten die letzte nicht mehr anlaufen, weil es laut Stations-Personal streckentechnisch nicht mehr realistisch war, dort hinzugelangen und den Posten bis 0700  Uhr gewissenhaft abzuarbeiten. Außerdem hatten wir den Eindruck, dass das Betreuungspersonal und die Jäger ganz gerne Übungsende hätten… Zwei Mal wurden wir aufgeklärt und gestellt. Dies war im Nachhinein sehr unnötig (Anfängerpech). Bei der nächsten Teilnahme wird uns das nicht nochmal passieren; es kostete uns 200 Punkte (pro Station waren max. 100 (200) Punkte zu erreichen – es gab Ausnahmen).

Wenn ein Team an einer Station nur 30 Punkte erreichte, aber auf dem Weg dorthin 3mal von OPFOR-Kräften gestellt wurde, bedeutete das „–270 Punktestand“. Wir gingen nach Abzug von 200 Punkten mit 410 Punkten aus dem Rennen (Platz 6) – der dritte Platz war mit 682 Punkten belegt. 10 Mannschaften ist es gelungen alle Stationen zu erreichen – davon ist es nur einer Mannschaft gelungen nicht vom Feind gefasst zu werden. Über ein Drittel aller Mannschaften haben mit einer negativen Gesamtpunktzahl abgeschlossen oder den Wettkampf abgebrochen. Die Plätze 1-3 worden von dänischen Mannschaften belegt.  Platzierungen sind unter http://www.blaanegl.dk/ einzusehen.

Fazit

Der Blå Negl ist ein hervorragend organisierter und umgesetzter militärischer Vergleichswettkampf. Bei einem Abschluss-Briefing mit jedem einzelnen Team konnte Kritik geäußert werden und man hatte das Gefühl, dass hier sehr gewissenhaft gearbeitet wird. Der Wettkampf kommt aber an das leider nicht mehr stattfindende „Swiss Raid Commando“ oder das Niveau eines „Erna Raids“ nicht heran – ist aber mit Sicherheit ein echtes Highlight unter den Militärwettkämpfen in Europa.

Die nächsten androgon Wettkämpfe:
BraveheartBattle 2013: http://www.androgon.com/16657/sport/extremsport/braveheartbattle-die-vierte
Air Raid: http://www.drachenbronn-airraid2013.fr/galeries/
Coebaleares Raid: http://www.coebaleares.com/
GUADARUN 2013: http://www.androgon.com/15531/sport/extremsport/guadarun-2012

Sponsored by Sealskinz

and powerd by Atlantic Multipower Germany: www.multipower.com/de

 

Weitere Informationen unter:

http://www.androgon.com/16131/vorschau/blue-nail-2013

http://www.blaanegl.dk/

 

Bildquelle: androgon, http://www.blaanegl.dk, facebook

 

 

 

 

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