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Mission Marathon

18 März 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

SuperlaeuferMission Marathon – Wie ich kein Superläufer wurde

Lothar Koopmann, einst korpulentes Kind einer rheinischen Arbeiterfamilie, wird in späten Jahren sportlich: Mit seiner angetrauten Ehefrau Christa schließt sich der gelegentliche Jogger einem Lauftreff an und schnauft erhitzt auf immer längeren Strecken durch Feld, Wald und Flur. Er verwirklicht schließlich den großen Traum, Marathon zu laufen.

Seine vergnüglichen Erinnerungen sind durchsetzt mit vielen kuriosen Ereignissen und heiteren Begegnungen am Rande der Wege und erzählen mit einem geistreichen Augenzwinkern von der Lust am Laufen und der Last des Trainings.

Der Essener Karikaturist Thomas Plaßmann setzte die „Mission Marathon“ in humorvolle Zeichnungen um, die den Weg des Autors bis zum Ziel begleiten.

Das Marathon-Erlebnis nicht als Finisher – sondern im Sanitätswagen

Eigentlich ist das Laufen die natürlichste Fortbewegungsform des Menschen seit Jahrtausenden. Aber in unserer heutigen westlichen Industriegesellschaft, die einem künstlichen Kokon gleicht, ist diese Bewegungsform fast obsolet geworden. Bequemlichkeit und Bewegungsmangel sind die Begleiter des oft langweiligen, immer wiederkehrenden Alltags. Doch irgendwann kommt bei dem einen oder anderen der Punkt, etwas im Leben zu verändern. Sei es aus gesundheitlichen Gründen oder auf der Suche nach einem verloren gegangenen Lebensgefühl – nicht selten wird mit dem Laufen begonnen – doch nicht immer verläuft der Anfang so, wie man es erwartet oder es sich wünscht…und so nimmt uns Lothar Koopmann in “Mission Marathon” mit auf eine Reise „zwischen zu dick und den ersten Laufversuchen“.

Für den sportlich ehrgeizigen Marathonläufer, der fachliche Ratschläge, Strategietipps, Leitfäden zur Vorbereitung und Trainingspläne sucht, wahrscheinlich kein herausragendes Geleit, trotzdem schmunzelt sich der Leser durch jedes der humorvollen Kapitel bzw. Herrn Koopmann’s Erinnerungen und Erlebnisse, die durch die Comic-Illustrationen von Thomas Plaßmann treffgenau unterstrichen werden.

Wer ein besonderes Geschenk für einen Läufer sucht, hat hier eines gefunden.

Ein Auszug:  Der Dicke

In jungen Jahren war ich dick. Irgendwie quadratisch dick. Oder eher rundlich dick. Praktisch innerlich und äußerlich ohne Ecken und Kanten. „Voll fett”, hätte Anna gesagt. Und Katrin hätte genickt: „Genau!” Dabei war ich immer zufrieden mit meinen langsamen Bewegungsabläufen. Und der Versorgung durch meine Mutter. Ein paar Brötchen zum Frühstück mit Cornflakes als Nachtisch, kräftige Stullen für die Pause, ein gutes Mittagessen nach der Schule, nachmittags manchmal ein wenig Kuchen, vielleicht mit Sahne, und ein leckeres Abendessen mit Vorsuppe zu den Schnittchen reichten mir vollkommen aus. Eltern und Lehrer lobten meine Genügsamkeit in allen Dingen, ich war kein Streber, sondern immer mit meinem Notendurchschnitt zufrieden, solange er knapp besser als zwei war und ich mich dafür nicht anstrengen musste.

Ich hätte nie vermutet, dass ich jemals intensiv Sport treiben würde. Obwohl ich alle Veranlagungen zum Sportler, vielleicht sogar zum Superläufer, hätte haben müssen. Mein Vater war Industriearbeiter, ständig gefordert von Früh-, Mittag- und Nachtschicht, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl, flink wie ein junger Windhund. Und zu Hause immer müde, wegen der Regeneration. Obwohl er das Wort nicht kannte, nutzte er alle Möglichkeiten aus, seinem Körper die Ruhe zu verschaffen, die er brauchte. Beim Schlafen vor der Nachtschicht am Nachmittag, am Morgen vor der Mittagschicht, pünktlich vor der Frühschicht ganz früh abends.

Die Mutter Hausfrau, ständig auf Trab wegen der Versorgung des Kindes und des Faceliftings einer zu kleinen und zu engen Etagenwohnung, trotzdem immer ausgeruht und motiviert, das tägliche Fernsehprogramm nicht nur auswendig zu lernen, sondern das Erlernte auch in die Tat umzusetzen und auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ideale Voraussetzungen also für perfekte Läufer-Gene. Wegen der Ruhe nach der Belastung und der Belastung nach der Ruhe. Und umgekehrt.

Zu einem Höhepunkt in meiner ersten Karriere als Sportler kam es eines Frühlingsabends, als meine Mutter zu meinem sofadösenden Vater sagte: „Karl, der Kleine ist zu dick.“ „Mmh …“, kam die Antwort. Vater schlief also einmal nicht. Noch nicht. „Wir müssen etwas tun!“ „Mmh …“ „Ka-arl, hast Du eine Idee?“ „Laufen lassen.“

Hätte meine Mutter meinen Vater ein wenig besser gekannt, was nach zwölf Ehejahren und der gemeinsamen Erziehung eines mittlerweile elfjährigen Buben zu erwarten gewesen wäre, hätte sie die Bedeutung der Halbschlaf-Bemerkung erkannt: Laufen lassen – laissez faire, abwarten, wird schon werden.

So verstand meine Mutter ihren Mann aber mehr als wörtlich und ersann ausnahmsweise selbstständig eine Lösung für das Problem: Laufen lassen – Sport treiben.

Über den Autor

Thomas Plaßmann, geb. 1960 in Essen, Karikaturist und Illustrator für Tageszeitungen, Zeitschriften und Fachpublikationen; politischer Karikaturist der Frankfurter Rundschau; zahlreiche Publikationen und Ausstellungen und Träger verschiedener Auszeichnungen u.a. Die Spitze Feder und FOCUS-Publikumspreis.

Weitere Informationen:
www.sportweltverlag.de/index.php/buecher/titel-a-z/mission-marathon
• Titel: Mission Marathon – Wie ich kein Superläufer wurde
• Autor: Lothar Koopmann
• Broschiert: 251 Seiten
• Verlag: Sportwelt Verlag; Auflage: 2.
• Sprache: Deutsch
• ISBN-10: 394129704X
• ISBN-13: 978-3941297043
• Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,6 x 2,6 cm

 

Quelle: Sportwelt Verlag / http://www.sportweltverlag.de/

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