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Laufen & Antibiose

27 März 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Kettenmarathon_10

Medizinische Kolumne zur sportlichen Gesundheit

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit einem Jahr das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde wöchentlich für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als nächsten Beitrag stellen wir nun die Beratung eines Läufers zum Training während einer Antibiotikum-Einnahme vor.

Hans S. fragt:

Sehr geehrter Herr Dr. Ziegler,

moin, nehme seit 5 Tagen ein Antibiotikum (Ciprobeta). Soll insgesamt 10 Tage dauern. Jetzt meine Frage: Ich laufe Ende April einen Marathon und möchte natürlich so schnell wie möglich mit dem Training weitermachen! Wann kann ich wieder mit dem Training beginnen? Habe kein Fieber und fühl‘ mich eigentlich ganz gut! MfG

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Grundsätzlich ist bei einer Antibiotikum-Einnahme im Sport Folgendes zu beachten:

  • Wie von Ihnen ja bereits angerissen, besteht generell völliges Trainings- und Wettkampfverbot, solange Fieber vorhanden ist. Und Fieber bedeutet, Ihre Körperkern-Temperatur (im Mund oder Ohr gemessen) liegt bei 38.0° C oder darüber. Zudem besteht bei Fieber gemäß übereinstimmender Meinung von Fachleuten sogar absolutes Trainingsverbot bis zu 10-14 Tage über den Zeitpunkt der völligen Fieberfreiheit hinaus.
  • Während der Einnahme Ihres Antibiotikums kommt es automatisch zu einer Schwächung der Abwehrkraft und Abwehrfähigkeit des Darms, der ja das größte Immun-Organ des menschlichen Körpers repräsentiert. Dies erklärt sich über die negative Wirkung des eingesetzten Antibiotikums auf Ihre Darmflora („anti bios“ – griechisch: gegen das Leben gerichtet). Ich würde daher an Ihrer Stelle der körpereigenen Bakterienflora im unteren Dünndarm und gesamten Dickdarm mittels täglichen Joghurt-Konsum gezielt & hilfreich unter die Arme greifen. Es muss sich aber um naturbelassenen Joghurt (nicht erhitzt) handeln, der dann auch lebende Joghurt-Kulturen enthält. Zu empfehlen ist daher nur Reformhaus- oder Bioladen-Ware, wie z.B. Heirler-, Söbbeke- oder Alnatura-Joghurt.
  • Das bei Ihnen eingesetzte Antibiotikum gehört in die Stoffklasse der sogenannten Gyrasehemmer, die vor allem bei Infekten der ableitenden Harnwege und bei Prostata-Entzündung eingesetzt wird, sofern es sich um eine Infektion mit gramnegativen Keimen handelt. Ich hoffe, dies ist bei Ihnen mittels Kultur auch genau abgeklärt worden. Besteht doch bei der Einnahme von Gyrasehemmern die gefürchtete Nebenwirkung einer spontanen Achillessehnenruptur, wenn dies auch selten vorkommt. Ältere Personen und Patienten, die regelmäßig Corticosteroide oder andere Immunsuppressiva einnehmen, sind stärker gefährdet. Erklärt wird dies mit einer vermehrten Expression und Präsenz von sogenannten Matrix-Metalloproteinasen, welche die Festigkeit der Sehnen vermindern. Insofern stellt sich natürlich gerade bei Sportlern automatisch die Frage nach der Notwendigkeit speziell dieses Antibiotikums. Das sollten Sie daher unbedingt mit dem behandelnden Arzt abklären. Entsprechend macht es bei Ihnen sicherlich Sinn, die Sehnenfestigkeit mit dem Orthomol-Präparat Orthomol Tendo flankierend zu optimieren und zwar für mindestens 4 Wochen über die eigentliche Antibiotikum-Einnahme hinaus.
  • Unabhängig von dieser angesprochenen Nebenwirkung ist unter Antibiotikum-Einnahme eigentlich lockeres Training im unteren GA 1-Bereich prinzipiell möglich, sofern natürlich evtl. anfänglich vorhandenes Fieber bereits seit ca. 10 Tagen abgeklungen ist. Wie Sie sich allerdings unter der Einnahme Ihres Präparats absolut richtig verhalten sollten, entzieht sich meiner Kenntnis, da es hierzu keine wissenschaftliche Literatur gibt. Ich persönlich würde daher erst 14 Tage nach Abschluss der Einnahme wieder mit dem eigentlichen Lauf-Training beginnen und bis dahin Radfahren auf der Rolle und Schwimm-Einheiten oder Aqua-Jogging als Trainings-Input hernehmen.

Dr. med. R. Ziegler„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 

 Weitere Informationen: http://www.sportdoktor-ziegler.de/http://www.androgon.com/11055/gesundheit/mannergesundheit/power-ist-essbar

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