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Laufen & Vorhofflimmern

4 April 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken
Quelle: Jakov

Quelle: Jakov

Medizinische Kolumne zur sportlichen Gesundheit

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit einem Jahr das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde wöchentlich für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als nächsten Beitrag stellen wir nun die Beratung eines Läufers mit Herzrasen vor.

Franz-Josef W. fragt:

Sehr geehrter Herr Dr. Ziegler

bin kurz vorm 65. Lebensjahr und mache seit ca. 15 Jahren Triathlon, von Sprint bis Ironman. Meine letzte Mitteldistanz lief problemlos im September letzten Jahres. Mein aktuelles Problem: Ich leide seit Sommer letzten Jahres an Herzrasen. Es trat plötzlich nach einer Trainingseinheit auf und zwar in der Ruhephase am Abend, Puls über ca. 24 Std. zw. 130-160 Schläge pro Min. und dies 2-3mal in der Woche. Die Komplett-Untersuchung beim Kardiologen ergab zunächst keine konkreten Ergebnisse. Mitte November 2012 dann Einweisung ins Krankenhaus wg. diagnostiziertem Vorhofflimmern. Als Ursache für mein Problem fand man ein sogenanntes Sick-Sinus-Syndrom mit paroxysmalem Vorhofflimmern und intermittierender Tachyarrhythmie sowie einen frequenzabhängigen Schenkelblock. Zusätzlich läge bei mir auch eine diffuse Koronarsklerose (1-Gefäßerkrankung mit 80%iger Verengung) vor, die Auswurfleistung meines linken Herzens sei aber okay, desweiteren fanden sich krankhaft veränderte Blutfette (Hyperlipidämie). Trotz der verordneten Medikamente (Rhytmonorm, Beloc Zock, ASS 100, Simvastatin 20) habe ich weiterhin Herzrasen. Warum also Medikamente, wenn es trotzdem nicht besser wird? Habe daher seit 14 Tagen die Medikamente abgesetzt und mit Sport aufgehört, um zu testen, ob es am Sport liegt. Hatte nur noch einmal Herzrasen. Jetzt meine Frage an Sie: Kann ich noch weiterhin Leistungssport betreiben, welche Klinik können Sie mir empfehlen, um eventuell noch eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU) durchführen zu lassen? Gibt es alternative Medikamente. Für Ihre Antwort im Voraus vielen Dank.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Vorausgeschickt sei der Hinweis auf ein statistisch hochinteressantes Phänomen, wonach speziell ältere Hochleistungs-AusdauersportlerInnen wesentlich häufiger als die Normalbevölkerung von Vorhofflimmern betroffen sind. Wieso dies:

  • Nun, zunächst einmal ist das Herz im intensiv betriebenen Ausdauersport bzgl. Frequenz- und Volumenarbeit ganz prinzipiell und über die Zeit mehr gefordert als beim Couch-Potato.
  • Ja und dann sind die Rhythmus-bestimmenden Zellmembran-Strukturen bzgl. Mineral- und Flüssigkeitshaushalt unter psycho-physischer Belastung viel mehr gefordert als im Alltag.
  • Und das Ganze findet statt unter einer oftmals stundenlang währenden Dauerbefeuerung durch die Stresshormone (Adrenalin, Glukagon, Schilddrüsenhormone und nicht zuletzt Cortisol)

So, jetzt dann aber gleich konkret zu Ihnen, wobei ich mich aus der Entfernung verständlicher Weise auf einige wenige und grundsätzliche Aussagen beschränken möchte, da es sich bei Ihnen nun einmal und ohne falsche Übertreibung um ein durchaus dramatisches Krankheitsbild handelt, das im worst-case-Fall lebensbedrohlich werden kann. 2 Komplikationen sind hier besonders gefürchtet:

  • Überleitung der schnellen Vorhoffrequenz auf die Herzkammer, was dann zu einem Zusammenbruch der Auswurfleistung des Herzens führen kann.
  • Bildung eines Blutgerinnsels im Vorhof, das sich dann ablösen und nachfolgend einen akuten Gefäßverschluss in einer Hirnschlagader provozieren kann.
  • Zusätzlich ist die normale Vorhoffunktion entscheidend für eine optimale Auswurfleistung des Herzens generell, was aber bei bestehendem Vorhofflimmern komplett wegfällt, da der Vorhof nicht funktioniert, was in Alltag und Sport als Leistungsminderung registrierbar wird.

Was ist unter diesen Voraspekten aus meiner Sicht im Einzelnen zu tun bzw. Ihnen zu raten:

  • Die verordneten Medikamenten-Einnahme sollten Ihrerseits zunächst unbedingt beibehalten bzw. wg. der Ihrerseits beschriebenen „Unwirksamkeit“ bzgl. Modifizierung mit dem behandelnden Kardiologen über Alternativen diskutiert werden. Erkundigen Sie sich bitte auch nach der Größe Ihres linken Vorhofs, da es einen gesicherten medizinischen Zusammenhang zw. Vorhofgröße und dem Risiko der Entstehung eines Blutgerinnsels im vergrößerten Vorhof gibt.
  • Folgende Labor-Diagnostik bitte durchführen lassen, wenn nicht bereits überprüft:
    • Ausschluss einer Schilddrüsenüberfunktion, was nicht selten die Entstehung eines Vorhofflimmerns begünstigen kann,
    • Bestimmung des 25-OH-Vitamin D3-Spiegels, da auch ein Vitamin D-Mangel sich hier negativ auswirken kann (in Ihrem Falle sollten Sie über entsprechende Einnahme für einen Vitamin D-Spiegel im Blut über 40 ng/ml Sorge tragen.
  • Welche Ernährungsmodifikationen und Nahrungsergänzungen bieten sich bei Ihnen evtl. Symptom-limitierend an:
    • tägliche und hochdosierte Magnesium-Zufuhr, d.h. einmal gezielt über die Ernährung (getrocknete Aprikosen, Leinölfrüchte wie Sonnenblumenkerne, Leinsamen und Sesam, grünes Gemüse, Weizenkeime, Hülsenfrüchte, Hirse, Teff – eine äthiopische Hirse-Sorte, Brokkoli, dunkle Schokolade, Magnesium-reiches Mineralwasser – Magnesiumgehalt pro Liter auf jeden Fall über 80 mg); diese Ernährungsvorgabe sollten Sie regelmäßig ergänzen mit einem hochdosierten Magnesium-Präparat, z.B. Magnesium-Köhler®, das den Mineralstoff Magnesium in Form von Magnesiumcitrat (150 mg) enthält, was Magnesium für den Körper besser verfügbar macht. Zusätzlich leistet Citrat einen Beitrag für einen gesunden Säure-Basen-Haushalt. Das Präparat enthält außerdem auch noch Vitamin B6 und unterstützt so die Energiebereitstellung in der Muskulatur: Dosierung jeweils abends 1 Kps. mit reichlich Flüssigkeit vor dem Schlafengehen.
    • Regelmäßige und hochdosierte Gabe von Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA – siehe hierzu das meinerseits verfasste separate Kapitel „Rund ums Fett“ in www.laufreport.deSprechstunde). Entsprechend sollten Sie hier:
      • zunächst einmal über die Ernährung gezielt Support leisten, der Einfachheit halber täglich einen Esslöffel Leinöl sowie einen Esslöffel Chia-Samen (gemahlen) ins Müsli oder ins Joghurt geben sowie pro Woche zwei große Fischportionen vertilgen. Desweiteren hilfreich wären Wild (außer Wildschwein), Biofleisch & Bio-Eier, die ebenfalls eine recht gute Quelle für Omega-3-Fettsäuren darstellen. Sollten Sie bzgl. dieser tierischen Produkte eher Zurückhaltung üben, empfehle ich Ihnen dringend eine regelmäßige Supplementierung dieser speziell auch herzschützenden Fettsäuren und zwar im Grammbereich. Als Top-Empfehlung hat sich in der Sportszene das Präparat Omega-3 power® (Pulver) bewährt. Dosierung: Jeden 2. Tag 2 Messbecher einfach abends nach dem Essen in Fruchtsaft, Milch oder Milchprodukte einrühren und verzehren.
  • Ob Sie weiter Leistungssport treiben können, möchte ich als „Ihr Berater aus der Distanz“ nicht beurteilen wollen. Was eben bei Ihrem Krankheitsbild als Drohkulisse stets zu bedenken bleibt, ist das generelle und nicht zu unterschätzende Risiko, dass sich im Gefolge des Vorhofflimmerns lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln können.

Und nochmals: Sie leiden an keiner Bagatelle. Alle meine Empfehlungen sollten Sie in enger Abstimmung mit Ihrem Kardiologen umsetzen.

Alles Gute

Dr. med. R. Ziegler„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 
Weitere Informationen: http://www.sportdoktor-ziegler.de/http://www.androgon.com/11055/gesundheit/mannergesundheit/power-ist-essbar
 
Bildquelle: Jakov
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