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10 August 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Warum braucht Deutschland eine Marine?

…es kamen die Wellen an Bord mit gewaltiger Kraft, hier war nun der Kampf offenbar. See und Mensch-Natur und Kultur. Aufgeben, niemals. Jeder Mann stand allein auf See, aber in der Gewissheit der Gemeinschaft, im festen Glauben an das Ziel. Längst sind diese Tage vergangen und oft gehen wir zum Meer und gedenken der Erlebnisse unserer Jugend, die uns Kraft im Antlitz des Todes gegeben hatten-oder sehen wir im Angesicht des Unendlichen die Vergänglichkeit unseres eigenen Daseins.

Warum braucht Deutschland eine Marine? Welch illustre Frage. Würde man diese Frage in Großbritannien stellen, wie würde die Antwort ausfallen? Was wäre die Odyssee ohne Homer?

Das Bestreben des Menschen sein Wissen zu erweitern, ist allein durch den Verstand unserer Ratio gegeben. Warum hoppeln Häschen nur auf Wiesen die sie kennen? Oder anders gesagt, warum bewegen sich Tiere stets in einem ihnen eigenen begrenzten Terrain? Der Instinkt allein, der sie so häufig vor dem Unvermeidlichen schützt, nötigt sie dazu. Der Verstand, die Lust so Weniger sich geistig zu bereichern und damit zum Wohle der Gesellschaft beizutragen und den Horizont des altbekannten Rasters zu verlassen. Was war das Ziel derjenigen die ins Unbekannte aufbrachen? Was verdanken wir Kolumbus, Magellan, Sir Francis Drake?

Die Vernunft

Natürlich wäre es einfältig sich darauf zu berufen, daß Neugier der einzige Antrieb sei. Denn Hegemonialbestreben und Präsenz sind in der Seefahrt nicht zu unterschätzende Parameter. Die Seeschlacht von Lepanto ( 07.Oktober 1571), die Vernichtung der Osmanen durch die christlichen Mittelmeermächte, zeigen sehr deutlich, das die Seefahrt ein wichtiges Instrument der “Nationbuildung” war und ist. Die USA und die damalige Sowjetunion setzten und setzen auf Seepower. Die Bedrohung über den Horizont hinweg ist kein Terminus vergangener Zeiten. Im bewaffneten Konflikt spielt die Marine eine nicht zu unterschätzende Komponente. Die Befreiung durch die Alliierten wäre ohne maritime Operationen nicht vorstellbar gewesen. Das Inselspringen im Pazifik wäre ohne die Marine nicht möglich gewesen. Ohne sie, wäre Großbritannien eine kleine, unbedeutene Insel mit schlechtem Wetter und einer miserablen Küche. Sich lediglich auf die Geschichte zu berufen, läßt den Gedanken wach werden, ob die Marine nicht obsolet sei. Mitnichten. Deutschland, ein Land welches stark kontinental ausgerichtet ist und durch die ungünstige Lage zum Meer, mag die Wichtigkeit seiner Marine häufig fehlinterpretiert haben.

Was bedeutet dies? Handeslströme sind elementar für das Bestehen moderner Industriegesellschaften. Werden diese Routen gefährdet, so hat dies empfindliche Auswirkungen auf die Märkte. Die Piraterie ist kein Relikt vergangener Tage. Das Gegenteil ist der Fall. Seit den 70ger Jahren ist die Piraterie drastisch gestiegen. Das Südchinesische Meer, die Seestrassen um Indonesien, die Gewässer um das Horn von Afrika, der Südatlantik im Bereich der Küsten um Brasilien und vor Nigeria gelten als nicht sicher. Angriffe auf Handelsschiffe, Passagierschiffe und Segler sind in diesen Bereichen nicht unüblich. Das Risiko für Seeleute im Rahmen ihrer Arbeit ihr Leben zu verlieren ist nicht zu unterschätzen. Erst die Präsenz von Kriegschiffen mit ihrer entsprechenden Ausrüstung an Sensoren und Effektoren ist zu einem halbwegs stabilisierenden Faktor geworden. Zum ersten Mal gehen nun die Zahlen aufgebrachter Ladungen etc. zurück.

Die Ausbildungsabkommen der Bundesmarine mit denen anderer Länder, wie z.B. Nigeria bieten zudem die Möglichkeit Offiziernachwuchs aus demokratisch schwierigen Ländern zu schulen. Die Crews sind so international zusammengestellt und ihre Mitglieder erleben und erlernen den Umgang anderer Kulturen. Das Fremde bleibt nicht fremd, sondern wird respektiert.So wird bei der deutschen Marine ausländischen Offizieren die “Ïnnere Führung” gelehrt.

Ein zentraler Bestandteil im Zusammenleben zwischen dem Militär und einer demokratisch geprägten Gesellschaft.

Doch was bringt uns unsere Marine? Die Vorstellung des stereotypen Deutschen a la Marianne Herzlieb?

Bis spät in den 90ger Jahren galten die Doktrin der Abschreckung. Die deutsche Marine hatte ihr Aufgabengebiet in der Ost- und Nordsee, sowie entlang der Handelsrouten des Nordatlantiks. Abschreckung bedeutet nicht nur Masse an Material, sondern ebenso die Fähigkeit mit den Bündnispartnern ein gemeinsames Niveau zu erreichen, welches zwingend notwendig ist, um überhaupt abschrecken zu können. Die Investition in die Ausbildung und in den technologischen Fortschritt ist somit ein Garant für eine funktionierende Partnerschaft. Nach dem Fall der Mauer wurde das südöstliche Europa in einem äußerst blutigen Konflikt zerrissen. Genozid und ethnische Säuberungen -Begrifflichkeiten, die man längst aus Europa verbannt zu wissen glaubte, traten in einer nicht für mehr möglich geglaubten Intensität erneut hervor. Der Einsatz der deutschen Marine im internationalen Engagement, z. B. in der Strasse von Otranto unterband Waffenlieferungen über den Seeweg an die Kriegsparteien.

Die Weiterentwicklung der Seekriegsfähigkeit in enger Zusammenarbeit mit den Verbündeten muss also hinsichtlich ihrer unabdingbaren Notwendigkeit, gerade vor dem Hintergrund asymetrisch geführter Konflike wohl kaum weitergehend erläutert werden. Stabilität, Sicherheit in Verbindung mit supranationalem politischen Handeln werden auch in Zukunft nicht auf die Marine verzichten können.

Die Metaphysik

In Zeiten wandelnder Werte ist für den im Individualismus Treibenden ein Ziel schwerlich zu erkennen. Der Tag der keinen Anfang und kein Ende besitzt, ohne Schwerpunkt leitet für so viele eine Lethargie ein, die sich bis zum Alter fortsetzt. Das Erkennen erlebter Höhepunkte beschränkt sich auf, für den menschlichen Geist Unwesentliches. Die Mittelmäßigkeit ist der Weg, das Ziel, wenn überhaupt. Doch wie fordere ich sowohl den Geist und als auch den Körper? Und dies zudem in einer Gesellschaft, die fast keine Grenzen vorgibt.

Ist der Kühne überhaut noch existent? Ist Leiden -nicht um des Leidenswillen- sondern um Höheres zu erreichen obsolet geworden? Was bringt Charakterschulung? Jede Generation bringt ihr eigenes Problem mit. Sicherlich ist das Militär nicht der geeignete Ort für ihre Erziehung. Aber der Paradigmenwechsel in der Erziehung ist evident. Gebietet nicht gerade die Verpflichtung gegenüber einem zutiefst demokratischen Staat die Notwendigkeit einer Charakterschulung. Unbedeutend ob bei den Streitkräften oder im Zivildienst? Bieten sich hier nicht ausreichend erlebbare Höhepunkte, die alle eines gemeinsam haben? Eine Haltung, die das eigene Selbst als gestalterisches Element der gemeinsamen Zukunft begreift.

Gnädigst liebe Marianne Herzlieb

Ihr KaLeu und Träger des Ehrenkreuzes in Silber

(sb)

 

 

 

Bildquelle: Der letzte Mann“ Gemälde von Prof. Bohrdt auf einer zeitgenössischen Postkarte; das Gemälde selber gilt seit 1916 als verschollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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