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Laufen & Achillessehnen-Probleme

12 April 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken
Sterbender Achill von Ernst Herter (im Garten des Achilleion (Korfu). Quelle: Dr.K.

Sterbender Achill von Ernst Herter (im Garten des Achilleion (Korfu). Quelle: Dr.K.

Medizinische Kolumne zur sportlichen Gesundheit

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit einem Jahr das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde wöchentlich für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als nächsten Beitrag stellen wir nun die Beratung eines Läufers mit Achillessehnen-Problemen vor.

Denny H. fragt:

Sehr geehrter Herr Dr. Ziegler,

ich habe seit fast einem Jahr Probleme mit meiner rechten Achillessehne. Es fühlt sich an, als ob man mit Nadeln direkt hinten in die Sehne sticht. Am Anfang war es so dolle, dass ich gerade mal 5 Min. laufen konnte. Habe daher fast drei Monate ausgesetzt und danach erst wieder langsam angefangen. Dazwischen habe ich kleine kurze Läufe gemacht, um die Sehne in Bewegung zu halten. Desweiteren viel gedehnt, gekühlt, Wärmecremes verwendet, Kompressionsstrümpfe getragen und Ultraschall bekommen. Der Schmerz ist aber nie 100%-ig weggegangen. Es blieb ein leichter Druck im Bereich der Sehne sowie auch im Knöchelbereich. Manchmal konnte ich auch wieder 20 km ohne Probleme laufen. Seit dem letzten Fahrtspiel in der letzten Woche ist es wieder schlimmer geworden. Will im April den Berlin-HM in ca. 2 h laufen und danach auch den Spreewald-HM. Haben sie noch einen Rat für mich, Schon mal vielen Dank vorab? – MfG

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Grundsätzlich sei vorausgeschickt, dass eine online-Beratung natürlich immer nur grundsätzlicher Natur sein kann und Sie daher bitte meine Empfehlungen stets mit Ihren behandelnden Ärzten abstimmen sollten.

Jetzt aber gleich mitten ins Thema: Aus sportmedizinischer Sicht gelten als typische Ursachen für Überlastungsprobleme an der Achillessehne:

  • Trainingsfehler (z.B. forciertes Training in hügeligem Gelände, häufiges und steiles Bergauflaufen oder häufiges Spikes-Bahntraining, schnelles & häufiges Bergablaufen)
  • falsches Schuhwerk (erhöhter Fersenkappen-Druck bei neuen oder zu engen Schuhen, labile Fersenkappen mit schlechtem Fersenhalt bei alten oder qualitativ schlechten Schuhen),
  • falsche Schnürtechnik bei den Laufschuhen: Häufig werden die beiden letzten und oben horizontal angebrachten Ösen nicht eingefädelt, wodurch Ferse und Schuhkappe nicht optimal und rutschfest fixiert werden, was bei jedem Aufprall nach der lauftypischen Flugphase nicht unerhebliche rotatorische Kräfte freisetzt,
  • mehr oder weniger biomechanisch belastender Untergrund (Kunststoff-Belag, Asphalt- oder Zementböden),
  • mangelnde Flexibilität der Wadenmuskulatur sowie der rückwärtigen Oberschenkel-Muskulatur,
  • Sprunggelenk-Instabilität durch Bandschwäche, z.B. nach wiederholtem „Umknicken“, zusätzlich die Achillessehne mehr oder weniger belastende Faktoren wären dann noch:
  • Nicht optimale Fußstatik, wie z.B. gegeben bei Hohl-Knickfuß oder Vorfuß-Varus, wodurch bei jedem Aufkommen des Fußes eine unphysiologische Überpronation bzw. eine unphysiologische Übersupination provoziert werden kann,
  • Überbein (Haglund-Exostose) am Fersenbein, was relativ einfach mittels Röntgenbild diagnostizierbar ist,
  • chronischer Entzündungsherd im Körper, wie z.B. vereiterte Mandeln oder ein chronisch entzündeter Zahn/Zahnwurzel unter einem nicht dicht schließenden Inlet.

Daraus ergibt sich aus meiner Sicht folgendes diagnostisch-therapeutisches Vorgehen:

  • Zunächst einmal unbedingt eine exakte Diagnostik vorantreiben, um definitiv Klarheit zu bekommen, welche ursächlichen Faktoren bei Ihnen letztlich die entscheidende Rolle spielen. Erst dann kann ein zielführender Maßnahmenkatalog festgeklopft werden. Bei Ihrer langen Leidensgeschichte sollte m.E. unbedingt eine Kernspin-Untersuchung (MRT) veranlasst werden, um genau Kenntnis zu bekommen, welcher Schädigungsgrad in der Binnenstruktur der Achillessehne evtl. mittlerweile eingetreten ist, was je nach Ausprägungsgrad die Gefahr eines plötzlichen Achillessehnen-Abriss in sich birgt. Desweiteren schlage ich eine videogestützte Laufanalyse (inkl. Achsenvermessung) vor zur Abklärung evtl. bestehender Fußstatik-Defizite.
  • An grundsätzlichen therapeutischen Maßnahmen bieten sich bei Ihrem Beschwerdebild an, auch unabhängig von der hoffentlich bald feststehenden Diagnose:
    1. Konsequenter Alkohol-Verzicht für ca. 8 Wochen,
    2. Täglich für 14 Tage ein exotischer Früchte-Cocktail aus Baby-Ananas, Mango, Guave, Papaya, Litchi und Maracuja
    3. Für 4 Wochen Einnahme von Therazym® Tbl. (3 x 1 Tbl. pro Tag, jeweils ca. 15 Minuten vor dem Essen), kombiniert mit Magnesium-Köhler Kps. (jeweils abends 1 Kps. nach dem Essen)
    4. Für 8 Wochen Einnahme von Orthomol Tendo, ein optimal abgestimmtes Sehnen-Regenerationspräparat, das Sie beide im täglichen Wechsel mit Therazym Tbl. und Magnesium-Köhler Kps. einnehmen sollten, um die einzelnen Bestandteile nicht zu überdosieren
    5. Lokal über Nacht für 14 Tage ein luftdurchlässiger(!) Verband mit Ichtholan® 50%-Salbe in Kombination mit Ibutop-Creme, morgens dann wieder sorgfältig abspülen
    6. Durchführung eines exzentrischen Krafttrainings (ohne Hilfsmittel) und zwar für mindestens 12 Wochen. Dies lässt sich relativ problemlos auf einer rutschfesten Treppenstufe realisieren und zwar wie folgt: Einfach barfuß auf die Zehenspitzen an den Treppenstufenrand stellen, diese Position für ca. 2 – 4 Sekunden halten und dann Absenken der Ferse über die gleiche Zeitspanne unter die Horizontale (daher die Übung auf einer Treppenstufe). Diese Übung sollte dann ca. 10mal jeweils bds. wiederholt werden. Nach einer Pause von ca. 30–45 Sekunden folgen dann weitere 10 Wiederholungen. Um einen Effekt zu erzielen, müssen Sie diese Maßnahme täglich mindestens 2x absolvieren. Nach 6–8 Wochen dürften Sie dann bereits eine Dickenabnahme der Sehne registrieren, auch die Mikrozirkulation im gesamten Sehnenapparat normalisiert sich. Insgesamt würde ich dieses Trainingsprogramm zunächst einmal mindestens 12 Wochen durchführen, um danach die sinnvolle Frequenz neu zu überdenken.
    7. Evtl. kann auch das vorübergehende Tragen eines sogenannten MBT-Schuhs (MBT steht für Massai-Barfuß-Technik) unter Alltagsbedingungen für Sie hilfreich sein, es käme hier auf einen Versuch an. Diese Schuhe gibt es allerdings nur noch im Netz, da die Fa. m. W. kürzlich in die Insolvenz ging.

Ja, dann hoffe ich, dass ein paar gute Ratschläge für Sie dabei waren.

Dr. med. R. Ziegler„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 
Weitere Informationen: http://www.sportdoktor-ziegler.de/http://www.androgon.com/11055/gesundheit/mannergesundheit/power-ist-essbar
 

Bildquelle: Dr.K.

 

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