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34. Harzquerung

5 Mai 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

harzquerung1Schlammschlacht durch den Harz

Herrlich, dieses schöne Frühlingswetter, die Sonne, eigentlich ist es so schon richtig sommerlich, oder?

Leider nicht am vergangenen Samstag, den 27. April, als für über 800 Läufer und Wanderer aus der ganzen Bundesrepublik der vielleicht schönste Landschaftslauf des Jahres stattfand – die Harzquerung, ein Lauf auf Wanderwegen quer durch den Harz. Dabei kann gewählt werden zwischen dem Hauptlauf von Wernigerode nach Nordhausen über 51 Kilometer, dem 25 Kilometer langen Lauf von Wernigerode nach Bennekenstein, oder dem 28 Kilometer langen Lauf über den 600m hohen Poppenberg von Bennekenstein nach Nordhausen.

Während am Vortag noch das T-Shirt getragen werden konnte, froren die Läufer beim Start um 08:30 in Wernigerode bei Nieselregen und 4 Grad Celsius. Aber die Vorfreude auf einen von Peter Unverzagt vom Skiklub Wernigerode wie immer grandios organisierten Wettkampf hielt alle Teilnehmer warm. Es gibt wohl keinen Organisator, der von 5:30 Uhr bis 18 Uhr überall (!) auf der Strecke anzufinden ist. Ein Organisator, der Startnummern austeilt, den Startschuss gibt, auf der Strecke die Läufer motiviert und fotografiert, im Ziel jeden Läufer begrüßt und so viele wie möglich persönlich ansagt – bitte mehr davon!

Die Ultradistanz mit 51 Kilometern geht über 1.200 Höhenmeter von Wernigerode, den 507m hohen Hilmersberg, direkt über die Zillierbachtalsperre durch den Harz bis zur Weggabelung nach Benneckenstein, wo die 25km-Läufer sich verabschieden und die 28km-Läufer starten. Der Weg führt weiter durch das beschauliche Harzörtchen Sophienhof, entlang einer Ziegenalm zum alten Rabensteiner Stollen. Dort wartet mit dem über 600m hohen Poppenberg die wahre Herausforderung des Laufes. Hat man diesen bezwungen, erreicht man Kilometer 39 und kann sich auf einen herrlichen Lauf bergab ins mittelalterliche Neustadt/Harz und in das verträumte Rüdgsdorf mit seinen original Harzer Bisons freuen. Das Ziel ist schließlich im Fußballstadion des SV Wacker Nordhausen erreicht.

Gemeinsam mit Matthias Weber Team androgon wollte ich bei leichtem Nieselregen diese anspruchsvolle Strecke bewältigen. Beim Start sortierte ich mich relativ weit vorne ein, was sich als äußerst sinnvoll erwies. Aus meiner bisherigen Erfahrung (3 Teilnahmen) wusste ich, dass die Strecke nur auf schmalen Wald- und Wanderwegen quer durch den Harz führt. Teilweise klettert man fasst auf allen Vieren über Wurzeln und Gestein, teilweise rutscht man selbst bei besserem Wetter in einer hohen Geschwindigkeit den Berg herab. Selten gibt es Gelegenheiten, mit mehr als einem anderen Läufer an der Seite zu laufen, Überholmanöver müssen gut geplant werden. Man sollte also weit vorn starten, wenn eine gute Zielzeit erreicht werden soll, sonst muss man sich an vielen Stellen anreihen und warten.

In diesem Jahr erwartete uns leider leicht bedecktes Wetter und Nieselregen, das schadete dem Eindruck etwas. Bei Sonnenschein wirkt die Landschaft doch wesentlich schöner und hinterlässt Ihren Eindruck auf der Läuferseele, ein Runners High ist dann schon fast garantiert! Das Wetter in diesem Jahr führte aber dazu, dass die Strecke vielerorts völlig aufgeweicht war, große Pfützen und schlammige Anstiege auf die Läufer warteten. Wer den Braveheart-Battle oder Tough-Guy mag, fühlt sich hier sicher wohl. Ich war in jedem Fall wieder froh meine Ascis Trabuco mit auf die Strecke genommen zu haben, so hatte ich stets einen sicheren Stand und konnte über die rutschenden Läufer in Strassenlaufschuhen nur schmunzeln. Die kalten Temperaturen (2-5 Grad Celsius) machten mir ebenfalls nichts aus, meine SKINS-Kompressionsbekleidung hielt mich trotz des Regens jederzeit trocken und warm.

Die Strecke verlangt schon früh viel vom Läufer, steile Anstiege, Wurzeln und Hindernisse zwingen zur äußersten Konzentration. Die wenigen Verpflegungsstationen sollte man ausgiebig nutzen. Nicht nur das freundliche Personal oder das ausgiebige Buffet (u.a. auch mit Schmalzbroten, vielen Früchten und sogar Schokolade), sondern auch die geringe Anzahl sollte dazu führen, dass keine Station ausgelassen wird. Im kleinen Harzörtchen Sophienhof heißt es bei Kilometer 32 noch einmal Luft holen, bevor es im Flug auf einem sehr schmalen Pfad (ca. 50cm breit) bergab geht. Unten wartet dann schon der Anstieg zum Poppenberg. Für die Läufer heißt es 30 Minuten nur steil bergauf laufen, sicherlich hin und wieder auch einmal aufgrund des Anstieges gehen. Oben angekommen (km 39) kann man sich auf 12 Kilometer, die zum größten Teil bergab gehen und zwei verträumte Harzörtchen freuen. Im Ziel wartet eine herrlich-familiäre Atmosphäre mit Ultrasportlern aus ganz Deutschland auf die Finisher.

Überlegt man, dass der Lauf nur 18 Euro Startgebühr kostet, man auf den Verpflegungsstationen reichlich zugreifen kann und dass die Podiumsplätze über alle Altersklassen noch einen kleinen Preis (Handtücher, Trainingsjacken, etc.) neben einem Blumenstrauß erhalten, so ist man sich sicher – der Lauf ist etwas Besonderes! Dreht man nun die Startnummer einmal um und bemerkt, dass diese auf einer alten Urkundenrückseite gedruckt wurde, so muss man schmunzeln und ist sich sicher: im nächsten Jahr bin ich wieder dabei!

Auf Rückfrage musste der Veranstalter aber eingestehen, dass man in diesem Jahr die Kapazitätsgrenze für die kleinen Wanderwege erreicht hat. Also heißt es im kommenden Jahr: früh melden!

Wir freuen uns schon darauf – dann aber bei Sonnenschein!

Team-androgon: Sebastian Kurch (4h 26min 18sec) Matthias Weber (5h 41min 39sec)

(SK)

Weitere Informationen:

http://www.harzquerung.de/hauptseite.htm

 

 

Bildquelle: Team-androgon, www.harzquerung.de

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