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Laufen & Schienbeinkanten-Syndrom

15 Mai 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

SchienbeinkantensyndromMedizinische Kolumne zur sportlichen Gesundheit

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit einem Jahr das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde wöchentlich für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als nächsten Beitrag stellen wir nun die Beratung eines Sportlers mit Schienbeinkanten-Syndrom vor.

Steffen C. fragt:

Sehr geehrter Herr Doktor Ziegler,

bin 42 Jahre, wiege 75 kg und laufe seit mehreren Jahren (mal mehr, mal weniger – 10 – 70 km, 1-4mal/Woche). Seit Jahren habe ich Probleme mit einknickenden Senkfüßen. Laufen konnte ich mit regelmäßig erneuerten Einlagen bis vergangenen Oktober aber schmerzfrei. Ab diesem Zeitpunkt bekam ich starke Schmerzen im Bereich des inneren unteren Schienbeins (Schienbeinkantensyndroms???) an beiden Füßen. Direkt oberhalb des Knöchels beginnt nach dem Laufen die Schwellung die ca. eine Handbreit breit ist. Im Ruhezustand der Füße strahlen die Schmerzen bis in die Knien über den äußeren Wadenmuskel aus. Berührungen am inneren Schienbeinknochen sind schmerzhaft. Die Schmerzen klingen nach zwei Tagen beim täglichen Gehen wieder ab. Allerdings ist danach noch nicht an ein Laufen zu denken. Neue Laufschuhe (New Balance 860, Asics GT 2000) sowie neue Einlagen (mit Laufbandanalyse) brachten keinen Erfolg. Besuche bei verschiedenen Orthopäden brachten bis auf Medikamenteneinnahme (Diclofenac) und Rezepte für ständig neue Einlagen keinen Erfolg. Ebenso eine mehrwöchige Laufpause. Kräftigungsübungen für die Schienbeinmuskulatur wurden/werden durchgeführt (Hochstellen der Zehen, des Vorderfußes, auf Ferse laufen, Greifübungen mit den Zehen). Schmerz- und beschwerdefrei konnte ich – nach den Laufpausen – das Training wieder langsam aufnehmen. Bevorzugt wurde Wald und Naturboden gewählt. Die ersten Laufeinheiten wurden mit 20-25 min. kurz gewählt. Nach der zweiten Laufeinheit stellte sich die Schmerzen wieder ein und wurden mit fortschreiten des Training zunehmend unangenehmer/unerträglich. Ich hoffe, dass Sie in meinem speziellen Fall der richtige Ansprechpartner sind? Was können Sie mir raten um wieder schmerzfrei Laufen zu können? Herzlichen Dank vorab für Ihre Bemühungen. Mit freundlichen Grüßen von einem frustrierten Sportler

Sportarzt Dr. med. R. Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Natürlich muss ich mich aus der Entfernung auf grundsätzliche Aussagen beschränken, wie Sie sicherlich verstehen können. Ihr geschildertes Problem ist sicherlich primär zunächst einmal in Ihrer Fußstatik begründet, wofür auch das symmetrische Auftreten spricht. Nach dem Aufkommen Ihres Fußes nach der lauftypischen Flugphase werden Sie wg. Ihrer Senk-Knickfüße relativ abrupt und überschießend nach innen geführt (Sie überpronieren), wodurch reaktiv die betreffende Muskulatur auf Dauer überfordert wird (u.a. M. tibialis posterior), was dann wiederum den Erklärungsansatz für die geschilderte Schmerzsymptomatik an der inneren Schienbeinkante liefert. Was ist daher jetzt aus meiner Sicht zu tun:

Gezielte bzw. evtl. nochmaliger Überprüfung der neu erstandenen Laufschuhe und der Einlagen in einem Fachgeschäft mittels videogestützter Laufband-Analyse. Die Symptomatik spricht dafür, dass die Kombination aus Laufschuh mit Pronationsstütze plus entsprechender Einlagenversorgung Sie immer noch nicht ausreichend stützt, Ihr Gewicht tut da ein Übriges. Grundsätzlich zu beachten: Bei regelmäßigem Lauftraining, d.h. wöchentlich zumindest 2 Trainingseinheiten, beträgt die Lebensdauer von Laufschuhen ca. 1500 bis 2000 km (je nach Körpergewicht) und die von Sport-Einlagen maximal 1 – 1.5 Jahre.

An gezielter anti-entzündlicher Therapie kann ich Ihnen flankierend noch empfehlen, was aber nur wirklich Sinn macht, wenn parallel das biomechanische Problem gefunden und beseitigt wird/wurde:

Für 14 Tage nächtlicher Salbenverband im betreffenden Schienbein-Areal mit einer Kombination aus Ichtholan 50%® („Zugsalbe“) und Traumeel S® Creme. Dabei bitte beachten: Verband muss luftdurchlässig sein und die Salbenreste müssen jeweils morgens sorgfältig entfernt werden, um Hautreizungen zu vermeiden.

Für 8 Wochen Einnahme des natürlichen Arzneimittels Traumeel S® Tabletten (4-5 x täglich 2 Tabletten), einfach langsam unter der Zunge zergehen lassen. Das Präparat (erhältlich in jeder Apotheke) ist gut verträglich und sportmedizinisch bewährt. Bei vorhandener Pollenallergie vor Einnahmebeginn allerdings bitte Rücksprache bei Ihrem Hausarzt nehmen.

Frühestens nach 10 Tagen absoluter Laufpause (Radfahren, Schwimmen, Inline-Skating sind erlaubt) und nach erfolgtem Schuh- & Einlagen-Check sowie laufender Therapie einen Laufversuch starten, am besten als Bergauf-Lauf mit geringer bis mittlerer Steigung, dass das Abrollen über die Ferse noch möglich bleibt.

Treten neuerliche Beschwerden auf, empfehle ich unbedingt weiterführende Diagnostik (Röntgen bzw. MRT).

Alles Gute!

Dr. med. R. Ziegler„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 
Weitere Informationen: http://www.sportdoktor-ziegler.de/http://www.androgon.com/11055/gesundheit/mannergesundheit/power-ist-essbar
 
 

Bildquelle: iStockphoto.com/Max Delson Martins Santos

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