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Rennsteiglauf 2013

3 Juni 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Rennsteiglauf 2013_08Vorsicht, Ultralauf mit großer Suchtgefahr!

Ja, es gibt sie, diese Ultraläufe, die jeder Langstreckenläufer mindestens einmal im Leben bezwungen haben muß, die sich als Legende in die persönliche Festplatte brennen und bei denen man in der Zielzone schon 90% des Ticketkontigents für das nächste Jahr verkaufen könnte.

Ich spreche von einem Ultralauf, der geboren wurde, als die Medien den Begriff „Extremsport“ noch nicht kreiert hatten, als 10km-Volksläufe nur was für sportliche Exoten waren, als Schmalzbrote noch die bevorzugten Energiespender für Läufe dieser Art waren und als es Kompressionstrümpfe nur auf Rezept gab. In dieser Zeit, den frühen Siebzigern, fanden sich in Jena vier sportlich ambitionierte Studenten zusammen, die alle ein gemeinsames Hobby hattten: Orientierungsläufe, möglichst hart und möglichst lang. Diese vier Studenten planten einen 100 km Lauf auf dem Rennsteig, den sie ohne Wettkampfabsicht erstmals am 12.Mai 1973 liefen und gemeinsam in 9h:55min erfolgreich absolvierten. Ein Jahr später, das Teilnehmerfeld hatte sich auf 300% erhöht (anstatt 4 Sportlern nahmen insgesamt 12 Sportler teil), erreichten immerhin schon 8 Läufer das Ziel, allerdings bei einer Verkürzung der Strecke auf 82 km. 1975 gab es dann einen Quatensprung, der bis heute Rätsel aufgibt, insbesondere wenn man betrachtet, daß das Internet als Informationsquelle noch nicht zur Verfügung stand…

Der Rennsteiglauf wurde offiziell als Wettkampf in der damaligen DDR ausgeschrieben und die Nachricht verbreitete sich wie ein „Lauffeuer“ im wahrsten Sinne des Wortes. Offensichtlich traf man mit diesem andersartigen Wettkampf eine sportliche Nische, die niemand im Vorfeld genau quantifizieren konnte, denn die Teilnehmerzahlen übertrafen die allerkühnsten Erwartungen der Veranstalter. Es gingen ca. 800 Läufer auf die lange Distanz, von denen ca. 700 Sportler das Ziel erreichten. Damit wurde der Grundstein für den heute zahlenmäßig größten und schönsten Landschaftslauf Europas gelegt, einem Lauf mit Kultcharakter, den es dieses Jahr in seiner 41. Auflage zu erleben gab.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Es ist Samstagmorgen, 25.05.2013, 4.00 Uhr. Mein Wecker nötigt mich nach nur 3,5 h Schlaf aufzustehen. Die spannenste Frage des Morgens. „Ist das Wetter wirklich so schlecht wie vorhergesagt?“ Nein, Glück gehabt, es regnet noch nicht und die Temperaturen sind mit ca. 5 Grad doch deutlich angenehmer als beim Yukon Arctic Ultra Marathon. Also, es gibt kein Zurück mehr, schnell ist mein Proviant verschlungen, alle Pflaster geklebt, alle sensitiven Stellen mit Vaseline versorgt, die Ausrüstung angelegt. Da ich kein Hotel mehr in Eisenach buchen konnte, mußte ich zusätzliche 30 Minuten Fahrtzeit einplanen, um von Bad Liebenstein nach Eisenach zu gelangen. Es ist geschafft, pünktlich um 5.50 Uhr stehe ich zusammen mit ca. 2.500 anderen Sportlern aus 31 Nationen auf dem Marktplatz von Eisenach und genieße die fantastische Atmosphäre. Schon kommt der TV-Helikopter um die Ecke geflogen und das Teilnehmerfeld beginnt die Zeit rückwärts runterzuzählen. Los geht´s!!!

Start

Der Marktplatz von Eisenach liegt auf ca. 210 Meter Höhe. Nach 3 km Warmlaufen folgt ein 7 km langer Anstieg, den ich recht gemütlich angehe, der aber schnell für das Erreichen meiner Betriebstemperatur sorgt. Ich als Rennsteignovize, habe das Privileg, daß ich den Anfang des Rennens nicht allein laufen muß, sondern Dank einer verwandschftlichen Verbindung einen der vier Gründer des Rennsteiglaufes an meiner Seite habe. Hans absolviert heute zum 40. Mal den Rennsteiglauf in seiner Langdistanz und ist für mich unglaublicher Ansporn und Motivation. Er kennt hier jede Biegung, jeden Anstieg und verrät mir, wo man sich wichtige Körner für später sparen kann. Der erste wirklich knackige Anstieg geht hinauf zum Inselsberg (916 Meter Höhe). Dort bei Kilometer 25 wartet bereits unser Fotograf, der diese unvergesslichen Sportmomente perfekt festhält. Danach verabschiede ich mich von Hans und steigere ein wenig das Tempo. Der Lauf ist einfach nur klasse. Nicht nur, daß man die unglaublichsten Weitblicke über das Thüringer Land gratis bekommt, sondern man fühlt sich wie in einer großen Lauffamilie, die gemeinsam ein besonderes Event zelebriert. Turnvater Jahn wäre stolz auf uns. Mit vielen Läufern komme ich spontan ins Gespräch und wir genießen den ein oder anderen Kilometer zusammen. Man tauscht sich über Tips und Tricks aus, ich erzähle, was genau hinter www.androgon.com steckt, man fachsimpelt über neuartige Aminosäurengetränke, man verabredet sich für den Trail Marathon in Heidelberg etc. Aber warum laufen hier eigentlich soviele Sportler aus Berlin mit? Ick globe, dit is wegen die leckeren „Schmalzstullen“, die es hier an jeder Verpflegungstelle Dank der vielen freiwilligen Helfer gibt. Aber meine mitgebrachten Energy-Gels bekommen noch ernsthafte Konkurrenz, den legendären Haferschleim, ein weiteres Unikat des Rennsteiglaufes, der wahlweise mit und ohne Himbeergeschmack für einen unvergesslichen kulinarischen Höhepunkt sorgt. Eine echte Empfehlung!

Die Zeit verfliegt mit Laufen, Essen, Trinken, Schauen, Geniessen, Erzählen und gespickt mit vielen neuen Eindrücken erreiche ich nach 6h:18min Oberhof (837 Meter) bei Kilometer 54. Noch ist das Rennen nicht beendet, es warten weitere, anspruchsvolle 20 Kilometer auf mich, insbesondere der Anstieg zum Großen Beerberg (62 km, 982 Meter) verspricht noch mal maximale Belastung, nicht nur für meine CEP-Kompressionstrümpfe.

Nachdem ich endlich den „bärigen“ Anstieg zum Großen „Bär“-Berg erlegt hatte, hoffte ich jetzt im Schongang dem Ziel entgegen rollen zu können. Aber irgendwie hatte ich es falsch in Erinnerung, ab und zu ging es noch leicht bergan und das fühlte sich bei dieser Kilometerleistung dann wie satte 20% Steigung an. Doch das Ziel in Schmiedefeld kam dann näher und näher und mein Stimmungsbaromter kletterte wieder auf Maximalausschlag. Nach 8h:32 min überquerte ich überglücklich die Ziellinie und meine Gefühle fuhren mit mir Achterbahn….Es war natürlich sehr viel Stolz und Freude, endlich im Ziel zu sein, aber ich spürte auch etwas Trauer, daß dieser wunderbare Lauf schon zu Ende war. Am Ende siegte aber die Vorfreude auf den nächsten Rennsteiglauf. Wer wissen möchte, wie groß die Vorfreude bei mir und den anderen Rennsteigläufern ist, sollte mal probieren, eine Übernachtung von 16.Mai auf 17.Mai 2014 in Eisenach zu buchen. Viel Spaß dabei!

(mw)

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Weitere Informationen: http://www.rennsteiglauf.de/
Bildquelle: androgon, Wolfgang Weber

 

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