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Knastmarathon

19 Juni 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Knastmaraton2013_01Knastmarathon 2013

Team-androgon war dabei!

Laufen kann man zu jeder Zeit und überall. Auch in einem Gefängnis. Dieses wird immer wieder regelmäßig in den Anstalten angeboten. Ein Freizeitprojekt für Gefangene in einer Justizvollzugsanstalt, im Prinzip also nichts Besonderes, wäre das Ziel nicht einen ganzen Marathon zu laufen.

Das sportliche Ziel

Der Knastmarathon Darmstadt: Eine gemeinsame Laufveranstaltung des SV Kiefer Darmstadt für Inhaftierte und Externe hinter den Mauern der JVA Darmstadt – nicht nur eine Veranstaltung mit Gefangenen sondern auch für Gefangene. Die Eigenschaften des Ausdauersports, die nicht unbedingt mit den Insassen einer Justizvollzugsanstalt in Verbindung gebracht werden, sind notwendig um die physische und psychische Leistung zu vollbringen.

Die 7. Auflage fand am Sonntag den 26.05.2013 statt. Geplante Startzeit 10 Uhr.

Um 8:30 Uhr wartete ich in der Läuferschlange vor der JVA bei Regen, Kälte und Wind. In 12-er-Gruppen wurden wir eingelassen. Die Tür öffnete sich erneut und diesmal war auch ich an der Reihe, der Rest musste noch draußen warten.

In einem Vorraum sollte ich zuerst meinen Personalausweis abgeben. Er wurde in einem Umschlag verstaut und eine Nummer drauf geschrieben. Die gleiche Nummer erhielt ich auf einem Bändchen fürs Handgelenk, das ich zum Verlassen der Anstalt benötigen würde.

Es folgte die Personenkontrolle. Das Prozedere kennt man (im vereinfachten Form) vom Flughafen: Wir gingen durch einen Metalldetektor, nachdem wir unsere Taschen vollständig entleert hatten, der Rucksack wurde geröntgt und es ging danach in einen Warteraum, in dem Bänke im Halbkreis aufgestellt waren. Dort musste ich warten, bis die Plätze alle belegt waren. Wir wurden informiert, dass nun nun eine Drogen-Kontrolle stattfinden würde. Wir sollten die Taschen zwischen unsere Beine stellen und keine schnelle Bewegungen mehr machen, solange ein Beamter mit Drogenspürhund, der uns ausgiebig beschnüffelte, kontrollierte. Wie erwartet, kein „Doping“!

Die Kontrolle war damit beendet und man durfte nun in den Gefängnishof um die Formalitäten der Startnummernausgabe zu erledigen.

Start-Ziel-Linie

Hier waren Pavillons für Begleitpersonen, Buffet und Getränke aufgebaut. Musik lief. Wegen des starken Regens, waren noch nicht so viele Läufer am Warmmachen. Man bekam eine Tasche und ein personalisiertes Kurzarm-T-Shirt mit Nummer und Name bedruckt. Ich nahm an, dass hierdurch ein Verzicht auf Sicherheitsnadeln erfolgen würde. Für Kurzarm Shirts war aber leider kein passendes Wetter. In einem Umschlag erhielten wir dann doch tatsächlich auch Nadeln und Startnummern.

Ich zog mich um und bereite mich auf den Lauf vor: Handschuhe, Mütze, androgon-Langarm-Shirt, CEP-Strümpfe sowie Regenjacke. Dann kam die Nachricht über Lautsprecher, dass der Lauf 10 Minuten später startet würde. Viele Läufer waren noch immer bei der Kontrolle. Ich wurde etwas ungeduldig – um 10:10 geht es dann aber endlich los. Während bei normalen Marathons ein Startschuss mit Warnschuss-Pistole abgegeben wird, wurde hier auf diesen Startschuss verzichtet.

Umsetzung

Der Marathon wurde auf einem Rundkurs von 1,758 km innerhalb der JVA Darmstadt ausgetragen. Man musste also 24 Runden drehen. Kein Einfaches! Die Strecke war allerdings offiziell vermessen.

Es ging vorbei an den einzelnen Hafthäusern, am Sportplatz und entlang der Gefängnismauer. Die Strecke ließ sich gut laufen trotz der vielen Kurven. Lediglich eine 180-Grad-Wende machte den flüssigen Lauf etwas komplizierter. Wenn man vorne läuft, muss man viele Läufer überholen. Dies kann sich allerdings an engen Stellen auch etwas schwierig gestalten.

Es gab einen Verpflegungsstand (von Insassen bewirtschaftet) die sich freiwillig dafür gemeldet hatten, sich dies aber auch durch entsprechend gutes Verhalten verdienen mussten. Die Verpflegung und Betreuung war perfekt. Zudem war es praktisch in jeder Runde möglich, etwas zu trinken oder zu essen. Für gute eine ausgelassene Hintergrundstimmung sorgte eine Samba-Truppe, die trotz der schwierigen Wetterbedingungen unermüdlich für gute Stimmung sorgte!

Einige Insassen standen am Streckenrand und haben uns Läufer angefeuert oder einfach nur zugeschaut. Im Laufe der Veranstaltung mussten sie dann wieder zurück in ihre Zellen und dafür durften dann Andere zusehen. Zusätzlich gab es einen eingezäunten Hof, in dem einige der Insassen Hofgang hatten. Dort waren angeblich die gefährlichsten Insassen (eingesperrt).

Einige mussten auch in ihren Zellen bleiben und konnten sich mit vereinzelten Zurufen bemerkbar machen. Zum Teil pfiffen sie den weiblichen Läufern nach oder machten mehr oder weniger lustige Bemerkungen. Doch die Frauen ignorierten dies mit Gelassenheit oder lachten nur einfach.

Es war nicht ausdrücklich verboten mit den Insassen zu sprechen. Ich habe es getan, einfach nach Auskunft gebeten und wurde immer respektvoll behandelt. Die Helfer und Läufer erzählten, sie seien froh, länger als sonst ihre Zellen verlassen zu dürfen und dass sie die Reste des Buffets mit auf ihre Zellen nehmen könnten.

Nach dem Lauf

Der angenehmste Teil des Tages begann nach dem Lauf. Bei so schwierigen Bedingungen ist man froh mit der Schinderei fertig zu sein. Es folgte die warme Dusche und Regeneration mit Malzbier, Cola, leckerem Kuchen und belegten Brötchen. Auch während der Siegerehrung gab es reichlich zu trinken und zu essen. Was die Verpflegung anging, war der Knastmarathon ein kulinarisches Paradies.

Der Gefängnisdirektor stellte pünktlich um 16.00 Uhr die JVA kurz vor und auch die Verantwortlichen der Organisation und anwesenden Politiker der Stadt wurden vorgestellt und kamen kurz zu Wort. Dann wurden die jeweils ersten drei Damen und Herren geehrt, die Haftinsassen separat. Es gab keine zusätzlichen Altersklassenpreise.

Danach ging es wieder zurück zum Tor, man zeigte am Ausgang sein Bändchen und erhielt seinen Personalausweis zurück. Zeit nach Hause zu gehen. Entgegen meiner Vermutung war es doch einfacher, aus einem Gefängnis rauszukommen, als rein… zumindest als Besucher.

(jm)

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Weitere Informationen: http://www.sv-kiefer-darmstadt.de/

Bildquelle: https://picasaweb.google.com/111218331824456519346/DarmstadterKnastmarathon2013Teil1?authuser=0&feat=directlink

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