Home » Extremsport, Vorschau, Wettkampf

SALOMON ZUGSPITZ Supertrail

6 Juli 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Supertrail_2013_05Salomon Zugspitz Supertrail 2013 – Was für eine Challenge!

Team-androgon war bei zwei Distanzen mit von der Partie – wir berichten dieses Jahr über den Supertrail.

68,8 km / 3120 Höhenmeter im Aufstieg, 3482 im Abstieg, der kleine Bruder der 100 Km Ultratrail Distanz.

Auch die dritte Auflage der SALOMON ZUGSPITZ ULTRATRAIL Veranstaltung war ein voller Erfolg. Drei Tage lang stand die gesamte Region rund um Deutschlands höchsten Berg im Trailrunning-Fieber und präsentierte sich als idealer Gastgeber für die 1.500 Läuferinnen und Läufer aus 38 Nationen.

Während die Ultra-Läufer bereits zwei Stunden unterwegs waren, ging‘s in Leutasch für die 450 Supertrail-Teilnehmer erst so richtig los. Die drückten von Beginn an ordentlich auf’s Tempo und nutzten die idealen Wetterbedingungen für ein spannendes Rennen.

Das beschauliche Grainau am Fuße des gewaltigen Zugspitzmassivs wurde zuletzt wieder zum Mekka für die Traillauf-Gemeinde: Der Salomon Zugspitz Ultratrail war zu Gast. Man kann vorweg sagen, dass es dem Team von Plan B und allen Beteiligten wieder gelungen ist, ein Event der Superlative auf die Beine zu stellen.

Apropos Beine: Die CEP Calf Sleeves, die ich an diesem Tag zum ersten Mal überziehe, sind anfangs eine Gewöhnungssache. Ich bin gespannt, wie es mir mit ihnen gehen wird.

Start

Die Supertrailer werden vor dem Start von Grainau nach Leutasch gefahren und starten um 9 Uhr. Der Tross setzt sich gemächlich in Bewegung: es gibt einen neutralen Start. Das bedeutet, dass zunächst eine Art PACE-Car vorneweg fährt. Die Strecke führt uns über die Wiesen und durch die sanft ansteigenden Wälder am Fuße der steilen Berge hoch über dem Leutaschtal. Ich denke jeder im Feld weiß, was uns dann erwartet. Es beginnt der Aufstieg zum Scharnitzjoch, einem von zwei über 2000 Metern gelegenen „Gipfeln“ dieses 68 Km langen Trails.

Am Anfang langsamer, dann immer drängender fordert der Berg die Bewältigung von Höhenmetern ein. Ja, es wird jetzt steil und wir sind nicht einmal bei Kilometer 10. Es wird also schnell klar, dass der Salomon Zugspitz Supertrail 2013 kein Zuckerschlecken wird, sondern harte Arbeit.

Kilometer 10

Kurz nach Kilometer 10 ist die erste Verpflegungsstation an der Hämmermoosalm. Die Verpflegung ist perfekt organisiert und es gibt alles, was das Trailläufer-Herz begehrt.

Der Körper dankt es einem, und so werden die nächsten 5 Kilometer aufs Joch hinauf spürbar einfach. Die mächtige Gehrenspitze, die hier oben thront, nehme ich trotzdem nicht wahr. Ob das an den Wolken liegt oder daran, dass es rasant auf den Downhill geht. Letzte Schneefelder lassen hier oben noch die alpin weniger Erfahrenen straucheln, dafür können aber alle weiter unten bei Sonnenschein über malerische Hochwiesen zu Tal flitzen. „Einfach laufen lassen“ kommt mir in den Sinn, „Flow-Zustand“ pur.

Der Trail plätschert dahin, einen Verpflegungspunkt bei Kilometer 24 passiere ich rasch. Überwältigend, atemberaubend ist etwas anderes. Am Fuße der Geisterklamm sagt ein Mitläufer zu mir: „Das ist so unglaublich schön, alleine dafür hat es sich gelohnt.“ „Die ganzen Schmerzen…“ schiebt er noch hinterher. Der Lauf bleibt verhältnismäßig flach, von ein paar bergab und bergauf Passagen abgesehen. Verpflegungspunkte tauchen immer wieder so auf, dass ich gerade nicht an Motivation und Power einbüßen muss.

Downhill Feeling pur

Dann kommt allerdings der erste Hammer! Bei Kilometer 46 geht es runter. Der Weg schießt ins Tal und entwickelt sich zu einem unglaublich wilden, steilen Trail durch den Wald, der nicht enden möchte. Jetzt brennen sie doch, die Oberschenkel, und ein Ende ist nicht in Sicht. Einfach laufen lassen würde hier einen Supercrash bedeuten. Als sich die Bäume lichten macht sich Erleichterung breit: ein Flusslauf wird sichtbar mit Verpflegungspunkt. Ich bin unten, das war ja etwas heftig. Einer der Helfer an der Verpflegungsstation tut kund: Jetzt geht es erst mal nur noch steil bergauf. In diesem Moment bin ich darüber so froh!

Aufstieg

Was folgt ist eine kleine Odyssee. Es geht um den Aufstieg zur Bergstation der Alpspitzbahn. Wir laufen an einer Hütte vorbei, die von sanften, blühenden Bergwiesen umgeben ist. Auf der Terrasse sitzen die Bier trinkenden Gäste. Im Pulk scherzen wir: „Jetzt hier abbiegen, das wär doch was“. Schwere Beine hat jetzt wohl jeder. In schier endlosen Serpentinen führt uns der Weg durch den lichter werdenden Wald nach oben. Es wird nebeliger. Jetzt geht mir so richtig die Kraft aus und ich merke, wie die Nachlaufenden mehr und mehr aufschließen. Dieses Mal erreiche ich die Verpflegungsstation schon merklich erschöpft. Eine warme Suppe, was für ein Segen in diesem Moment.

Von hier ab kenne ich den Weg. Eigentlich ist es bis zum Gipfel nicht mehr weit. Heute schon. Eine Leidensgenossin sagt: „So eine Sch…, 3 mal schon den Transalpine Run gemacht, aber das hier ist ja die reinste Quälerei, das mach ich nicht mehr mit“. Der Nebel demotiviert, das Ende ist nicht in Sicht. Und doch taucht es irgendwann auf, einfach so, ohne Vorankündigung ca. bei Kilometer 59.

Endspurt

Jetzt geht es nur noch runter, bis auf kleine Gegenanstiege. An einer flacheren Passage eines sich an den Berg schmiegenden Single Trails läuft jemand hinter mir, der in etwa gleich schnell ist. Das treibt an. Ich laufe mich jetzt nochmal in einen Rausch, alles fließt vorbei. So schnell hätte ich mich alleine wohl nicht mehr angetrieben. Gemeinsam erreichen wir die letzte Verpflegungsstation. Einer schreit: „Cola, Cola!“ Ein zweiter: „Ja, wo ist das göttliche Getränk?“.

Alle wirken jetzt schwach. Jemand fragt: „Geht es auf der Straße runter, oder ist das ein Trail?“ Jemand antwortet „Jäger-Steig… klingt nach Trail“ und sorgt für Verstummen. Der Steig wird dann auch schnell steil. Ich fühle mich wieder angetrieben von hinten, und versuche mich doch immer wieder zu konzentrieren. Jetzt soll nichts mehr passieren. Bald sind wir uns einig: „Es reicht jetzt.“

Doch es reicht nicht, sondern es wird jetzt richtig rutschig und nochmal sehr steil – eine traumhafte Kombi. Ich bin erleichtert, dass die Sohlen gut greifen, und vor allem, dass ich die Stöcke dabei habe. Dadurch gelingt es, diese Passagen rasch zu überwinden. Mein Hintermann ist mir immer noch auf den Fersen, als wir das Tal erreichen. Knappe 2 Km noch, die sich wie 10 anfühlen. Nach 11:30 Stunden laufen wir gemeinsam durchs Ziel.

„Believe in the fire that burns within your soul” heißt es in dem extra komponierten Song für den Trailer des Salomon Zugspitz Ultratrail. Ohne dieses Feuer wäre das heute nicht drin gewesen.

Vor Plan B kann man nach diesem Mega Event nur mehrfach den Hut ziehen. Außerdem nutze ich diese Gelegenheit, um den genialen Machern von CEP zu danken, die mit ihren Calf sleeves meinen müden Körper irgendwie auf dem Trail gehalten haben.

Last but not least ein fettes Dankeschön an die Produzenten meiner Noname Nordic Walking Stöcke: Diese sind zwar jetzt völlig ramponiert, aber ohne wäre dieser Wahnsinns-Trail nicht denkbar gewesen.

(SP)

Weitere Informationen: http://www.zugspitz-ultratrail.com

Drei Veranstaltungen in einer

Basetrail (35,9 Km) – Supertrail (68,8Km) – Ultratrail (100Km)

Der Supertrail

Gleich beim ersten Anstieg konnte sich Thomas Geisenberger in Führung setzen und gab diese bis ins Ziel nicht mehr ab. Für die insgesamt 68,8 Kilometer und 3.120 Höhenmeter des Supertrails benötigte der Allgäuer lediglich 7:07.06,6 Stunden und konnte das im Ziel selbst kaum glauben. Rang zwei geht an den Tschechen Jan Zemanik, der 17 Minuten später die Ziellinie überquert. Philipp Zewe aus Stuttgart kämpfte sich im Laufe des Rennens bis auf Platz drei vor und konnte am Ende etwas mehr als eine Minute Vorsprung auf seinen direkten Konkurrenten ins Ziel retten.

Bei den Damen ging der Gesamtsieg im Supertrail wie schon 2012 wieder an Simone Philipp. Die 43-Jährige war am Samstag zwar etwas langsamer als im Vorjahr, freute sich aber dennoch riesig über ihren Triumpf. Auf Rang zwei landet Anna Kotschergina aus Moscow, Anne Gerlach aus Olpe macht das Podium komplett.

Lange Nacht für Teilnehmer und Organisatoren

Während das Rennen auf dem Basetrail bereits am Samstagabend um 20.30 Uhr beendet war, stand einigen Teilnehmern der Supertrail- und Ultratrail-Distanz eine lange Nacht bevor. Doch nicht nur die Läufer auch das Veranstalter-Team von PLAN B war bis in den Sonntagvormittag auf den Beinen. Nach etwas mehr als 25 Stunde kam dann auch der letzte Läufer ins Ziel und sorgte mit seiner Ankunft für den offiziellen Abschluss des 3. SALOMON ZUGSPITZ ULTRATRAIL 2013. Mit der feierlichen Siegerehrung fand die erfolgreiche Veranstaltung schließlich ihr Ende.

 

Powered by: Montane und CEP

 

Alle Ergebnisse zum SALOMON ZUGSPITZ ULTRATRAIL unter:

http://www.zugspitz-ultratrail.com/RENNEN/ERGEBNISSE.aspx

 

 

 

Bildquelle: androgon, Plan B event company GmbH

Quelle: PLAN B event company GmbH

 

 

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...