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HANS THOMA – „LIEBLINGSMALER DES DEUTSCHEN VOLKES“

19 Juli 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken
Hans Thoma (1839-1924 ), Der Krieg, 1907, Öl auf Leinwand Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Städel Museum – ARTOTHEK

Hans Thoma (1839-1924 ), Der Krieg, 1907, Öl auf Leinwand
Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Städel Museum – ARTOTHEK

HANS THOMA im Städel Museum

Vom 3. Juli bis 29. September 2013 zeigt das Städel Museum die Überblicksausstellung „Hans Thoma. ‚Lieblingsmaler des deutschen Volkes‘“, die sich dem Lebenswerk des um 1900 in Deutschland gefeierten Malers und Grafikers zuwendet.

Anhand von über 100 Werken zeigt die erste museale Überblicksausstellung zu Hans Thoma in Deutschland seit über 20 Jahren, dass Thoma weit mehr war als nur der Maler pittoresker Schwarzwald-Landschaften, mit denen er heute vielfach verbunden wird. Die Strenge und Präzision in Thomas Werken irritieren. Seine Malerei verbindet realistische und symbolistische Tendenzen und nimmt wichtige Elemente des Jugendstils sowie der Neuen Sachlichkeit vorweg. Diese künstlerische Vielfalt und Thomas Rolle als Schlüsselfigur einer „deutschen Kunst“ um 1900 – eine Deutung, die sich als Instrumentalisierung bis in den Nationalsozialismus fortsetzte – machen ihn zu einem Phänomen, das eine Neubewertung erfordert. In der Ausstellung bieten sowohl das motivisch und medial vielfältige Werk Thomas als auch eine ungewöhnliche zeitgenössische Inszenierung zahlreiche Überraschungen für die Besucher.

Generell verzichtete Thoma in seiner Kunst auf die Darstellung des modernen Lebens. Sein Werk zeigt keine zeitgenössische Architektur oder technische Errungenschaften der Zeit. Im Gegenteil – seine Bilder ermöglichten den Rückzug aus einer Welt des technischen Fortschritts und der Industrialisierung. „Als ‚Mann aus dem Volk‘ verkörperte Thoma auf ideale Weise den Künstlerpropheten, dessen Werk in einer Rückbesinnung auf das Einfache und Ursprüngliche eine kulturelle Erneuerung versprach“, so Nerina Santorius, die die Ausstellung gemeinsam mit Felix Krämer kuratiert hat. Thomas Kunst präsentiert zeitlose Idealzustände, Mensch und Natur stets im Einklang miteinander.

Thoma wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Vorbild für die aktuelle Künstlergeneration stilisiert. Insbesondere nach seinem Tod 1924 war das Interesse an Thoma-Publikationen und -Ausstellungen groß. Ein Großteil des Sammlungsbestandes an Thoma-Werken kam in den 1930er-Jahren ins Städel. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich der Blick auf Thomas Schaffen. Man stand ihm kritischer gegenüber. Die vom Städel Museum konzipierte Ausstellung bietet nun Gelegenheit zu einer differenzierten Annäherung an dieses Kapitel der deutschen Kunstgeschichte und lädt zu einem unvoreingenommenen Blick auf Thomas Werk ein.

Vita und Stationen Hans Thomas

Der 1839 in Bernau im Schwarzwald geborene Thoma malte schon früh Porträts und Landschaftsszenen aus seiner Heimat. 1859 erhielt er ein Stipendium des Großherzogs Friedrich I. von Baden für den Besuch der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe. Zu seinen Lehrern zählten Johann Wilhelm Schirmer, Ludwig des Coudres und Hans Canon. Thoma schloss sein Studium 1866 ab und versuchte anschließend in Basel vergeblich, eine Anstellung als Zeichenlehrer zu finden. 1867 zog er nach Düsseldorf, wo er mit dem Frankfurter Maler Otto Scholderer Freundschaft schloss. Gemeinsam reisten sie 1868 nach Paris und besuchten eine Ausstellung Gustave Courbets, dessen Malerei Thoma sehr beeindruckte. Zwei Jahre später siedelte Thoma nach München um und bewegte sich in der Folgezeit im Umkreis von Wilhelm Leibl. Das Zusammentreffen mit Arnold Böcklin inspirierte Thoma zur Auseinandersetzung mit allegorisch-mythologischen Themen und zur Beschäftigung mit Italien. Er reiste insgesamt fünf Mal dorthin und machte während dieser Auslandsaufenthalte die Bekanntschaft von Adolf von Hildebrand und Hans von Marées. 1875 lernte Thoma in München seine spätere Frau Bonicella „Cella“ Berteneder kennen. Sie wurde seine Schülerin und wiederholt zu seinem Modell.

Zwischen 1877 und 1899 lebte Thoma in Frankfurt, zunächst in der Lersnerstraße, später in der Wolfsgangstraße. In der Mainzer Landstraße teilte er sich anfangs ein Atelier mit Wilhelm Steinhausen, mit dem er in Karlsruhe studiert hatte. In Frankfurt fand Thoma einen Kreis von Unterstützern und konnte erste Erfolge mit seiner Kunst verbuchen. Er verließ die Stadt aufgrund seiner Berufung zum Direktor der Großherzoglichen Gemäldegalerie Karlsruhe (heute Staatliche Kunsthalle Karlsruhe) und zum Professor der Großherzoglich-Badischen Akademie der Bildenden Künste. Zu seinem 70. Geburtstag eröffnete ein Anbau der Gemäldegalerie mit dem Hans-Thoma-Museum und der vom Künstler selbst ausgestatteten Hans-Thoma-Kapelle, die noch heute dort zu besichtigen ist. Hans Thoma starb am 7. November 1924 in Karlsruhe.

http://youtu.be/tOBPLM2T2ME

Weitere Informationen:

Städel Museum
Schaumainkai 63
60596 Frankfurt am Main 
www.staedelmuseum.de
 

Quelle: Städel Museum

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