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Laufen & Achillessehnen-Probleme

25 Juli 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Achilles-tendon

Medizinische Kolumne zur sportlichen Gesundheit

Der renommierte Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler, Leiter der sportmedizinischen U-Stelle des Kreises Bergstraße in Heppenheim und Chefredakteur des Fachmagazins “Puls aktiv”, konnte von androgon als medizinischer Berater gewonnen werden. Er betreut seit einem Jahr das Extremsport-Team androgon und stellt aus seiner Sprechstunde wöchentlich für alle Extremsportler und sportlich Interessierten seine medizinischen Tipps vor.

Als nächsten Beitrag stellen wir nun die Beratung eines Läufers mit Achillessehnen-Problem vor.

Markus D. fragt:

Sehr geehrter Herr Dr. Ziegler,

leide seit einigen Wochen an linksbetonten Achillessehnenproblemen. Habe daher zunächst mein Laufpensum runtergefahren, viel gedehnt und gekühlt. Ganz schmerzfrei wurde ich aber trotzdem nicht. Welchen zusätzlichen Rat hätten Sie für mich parat, vorab vielen Dank.

Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:

Jede online-Beratung kann natürlich immer nur grundsätzlicher Natur sein. Entsprechend sollten Sie meine Empfehlungen und Ratschläge stets mit Ihren behandelnden Ärzten abstimmen. Die Tatsache, dass sich bei Ihnen die Beschwerdesituation bds. manifestiert, lässt auf ein primär funktionelles Problem schließen. Daher wäre zunächst einmal zu denken an:

  • Disponierende Fußstatik, also entweder bestehender Hohl-Knickfuß oder Vorfuß-Varus, wodurch bei jedem Aufkommen beim Hohl-Knickfuß eine unphysiologische Überpronation bzw. bei bestehendem Vorfuß-Varus eine unphysiologische Übersupination provoziert würde,
  • falsches Schuhwerk (erhöhter Fersenkappen-Druck bei neuen oder zu engen Schuhen, labile Fersenkappen mit schlechtem Fersenhalt bei alten oder qualitativ schlechten Schuhen),
  • falsche Schnürtechnik bei den Laufschuhen: Häufig werden die beiden letzten und oben horizontal angebrachten Ösen nicht eingefädelt, wodurch Ferse und Schuhkappe nicht optimal und rutschfest fixiert werden, was bei jedem Aufprall nach der lauftypischen Flugphase nicht unerhebliche rotatorische Kräfte freisetzt,
  • Trainingsfehler (z.B. forciertes Training in hügeligem Gelände, häufiges und  steiles Bergauflaufen oder häufiges Spikes-Bahntraining, schnelles & häufiges Bergablaufen)
  • biomechanisch belastendes Trainingsgelände (Kunststoff-Belag, Asphalt- oder Zementböden),
  • mangelnde Flexibilität der Wadenmuskulatur sowie der rückwärtigen Oberschenkel-Muskulatur,
  • Sprunggelenk-Instabilität durch Bandschwäche, z.B. nach wiederholtem „Umknicken“, zusätzlich die Achillessehne mehr oder weniger belastende Faktoren wären dann noch:
  • Überbein (Haglund-Exostose) am Fersenbein, was relativ einfach mittels Röntgenbild diagnostizierbar ist.
  • Langfristig schwelender Entzündungsherd im Körper, z.B. chronisch vereiterte Mandeln, chronisch entzündeter Zahn oder vereiterte Zahnwurzel, z.B. unter einem nicht dicht schließenden Inlet oder eine nicht mehr intakten Zahnkrone.
  • Evtl. auch bestehende chronische Borreliose nach übergangenem Zeckenbiss.

Hierzu dann meine entsprechenden Empfehlungen, wobei zunächst einmal die weitere Diagnostik voran zu treiben ist, um definitiv Klarheit zu bekommen, welche Faktoren bei Ihnen ursächlich die entscheidende Rolle spielen.

  • Daher rate ich Ihnen zeitnah einmal zu einer videogestützten Laufanalyse (inkl. Achsenvermessung) zur Abklärung evtl. bestehender Fußstatik-Defizite, um dann ggf. mit einer individuell angepassten Einlagenversorgung gezielt gegensteuern zu können.
  • Evtl. bietet sich mittel- bis langfristig auch eine Kernspin-Untersuchung (MRT) an, um so vor allem auch genaue Kenntnis zu bekommen, welcher Schädigungsgrad in der Binnenstruktur der Achillessehne evtl. eingetreten ist, wenn das Beschwerdebild länger andauern sollte.

Was bietet sich jetzt therapeutisch bei Ihnen an, auch unabhängig von der dann hoffentlich bald feststehenden endgültigen Diagnose:

  1. Für 14 Tage luftdurchlässiger(!) nächtlicher Salbenverband mit Ichtholan® 50%-Salbe in Kombination mit Traumeel®-Creme, der morgens dann wieder sorgfältig entfernt werden sollte.
  2. Zur effektiven anti-entzündlichen Therapie Einnahme von Traumeel® Tbl. (täglich 4 x 2 Tabletten über den Tag verteilt), zunächst für 6 Wochen. Dieses in der Sportmedizin bestens eingeführte und in jeder Apotheke erhältliche Arzneimittel ist gut verträglich, nur bei bestehender Pollenallergie ist allerdings Vorsicht geboten.
  3. Zusätzlicher Einsatz von Orthomol Tendo®, ein überlegt zusammengesetztes Sehnen-Regenerationspräparat zum Schlucken, zunächst einmal für 2 Monate.
  4. Konsequenter Alkohol-Verzicht für ca. 8 Wochen.
  5. Täglich und für 14 Tage zur Frühstücksabrundung ein exotischer Früchte-Cocktail aus Baby-Ananas, Mango, Guave, Papaya, Litchi und Maracuja.
  6. Tägliches exzentrisches Krafttraining (ohne Hilfsmittel) und zwar für mindestens 12 Wochen. Dies lässt sich relativ problemlos auf einer rutschfesten Treppenstufe realisieren und zwar wie folgt: Einfach barfuß auf die Zehenspitzen an den Treppenstufenrand stellen, diese Position für ca. 2-4 Sekunden halten und dann Absenken der Ferse über die gleiche Zeitspanne unter die Horizontale (daher die Übung auf einer Treppenstufe). Diese Übung sollte dann ca. 10mal jeweils bds. wiederholt werden. Nach einer Pause von ca. 30–45 Sekunden folgen dann weitere 10 Wiederholungen. Um einen Effekt zu erzielen, müssen Sie diese Maßnahme täglich mindestens 2x absolvieren. Nach 6-8 Wochen dürften Sie dann bereits eine Dickenabnahme der Sehne registrieren, auch die Mikrozirkulation im gesamten Sehnenapparat normalisiert sich.

Ja, dann hoffentlich baldige Gewissheit und erfolgreiche Therapie wünscht Ihnen

Ihr Dr. Ziegler

„Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“

Herzlichst
Ihr
Dr. med. Rudolf Ziegler
 

Weitere Informationen: http://www.sportdoktor-ziegler.de/http://www.androgon.com/11055/gesundheit/mannergesundheit/power-ist-essbar

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