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Marathon de l’ile Maurice

22 Februar 2016 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Mauritius Marathon 2013 (32)Marathon de l’ile Maurice

Team-androgon war dabei!

Nach Mauritius fliegt man nicht wegen einem Marathon? Viel zu weit und zu teuer heißt es! Doch 4 Tage New York City Marathon kosten erheblich mehr! Ein gesichtsloses Massenevent durch seelenlose Asphaltschluchten und Schreikonzerte erwartet den Marathonläufer in Big Apple, ein familiäres, kleines, ruhiges Läufchen durch paradiesische Landschaften kann der Marathonpilger auf der 1,2 Millionen Einwohner zählenden Insel im Indischen Ozean genießen. Dennoch: Nach Mauritius kommt auch der sportlich Aktive zuerst einmal, um Urlaub zu machen. Erstklassige Ressorts, Traumstrände, die unerreichte Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit der Bevölkerung, sowie ganzjährig angenehme Wasser- und Lufttemperaturen bieten ideale Voraussetzungen für einen Traumurlaub. Jetzt gibt es immer öfter die Gelegenheit, diesen mit einem kleinen, aber feinen Ausdauerwettbewerb zu verbinden und das süße Nichtstun kurzzeitig zu unterbrechen.

Für sportlich hochkarätige Wettkämpfe war bisher nur die 230 km weiter westlich gelegene Nachbarinsel La Reunion bekannt, ein französisches Überseedepartement. LUX* Resorts, eine Hotelkette die Häuser der gehobenen Klasse im westlichen Indischen Ozean betreibt, davon alleine sechs Anlagen auf Mauritius, wollte dies ändern. Mit der Gründung von LUX* Sports leistete man sportliche Pionierarbeit auf der Insel. LUX* Sports gelang es, hochklassige Veranstaltungen wie den Royal Raid (Traillauf quer über die Insel), die Surf Ski World Tour, das Kiteival (Kitewettbewerb), die Look Premium Cycle Week, den Ocean Indian Triathlon (1,8/55,5/12 km) und vor drei Jahren auch einen Straßenmarathon erfolgreich zu etablieren. Bei allen Events wird mit professionellen Partnerorganisationen, Fachleuten und potenten Sponsoren zusammen gearbeitet. Diese Professionalität und starke Partner garantiert mehr Kontinuität. Denn von 1997 bis 1999 gab es schon mal eine Marathonveranstaltung auf der Insel, organisiert von einer großen Hotelkette. Als diese dann jedoch auf Golf und Hochseeangeln statt auf Laufsport setzte, verschwand der Inselstaat wieder von der großen Marathonweltkarte.

Mit den 3 Wettbewerben Marathon, Halbmarathon und 10 km-Lauf kam die Veranstaltung dieses Jahr auf insgesamt 219 Finisher aus 20 Ländern. Somit ist es ein äußerst überschaubarer und familiärer Event. 125 Läufer –also 57%- Ausländeranteil unterstreichen den touristischen Aspekt der Veranstaltung. Mit einem 4,2 km Charity Lauf wird zudem die Organisation „link to life“ unterstützt, die sich dem Kampf gegen Krebs verschrieben hat. Durch die Initiative des Berliners Wolfgang Slawisch werden auch Spenden für die SOS-Kinderdörfer gesammelt, von denen es alleine auf Mauritius zwei gibt. Slawisch, der hauptberuflich für Air Berlin arbeitet, kennt die Insel seit zwei Jahrzehnten und opfert einen Teil seiner Freizeit, um in Europa für den Mauritius Marathon zu werben.

Am Fuße des senkrecht aufragenden 556 Meter hohen Bergmassivs Le Morne Brabant, das auf einer atemberaubend schönen Halbinsel den westlichsten Teil der Insel formt, werden die Marathonläufer morgens um 6:30 Uhr auf die lange Reise geschickt. Der gigantische Felsbrocken des Le Morne gilt als einer der spektakulärsten Berge im Indischen Ozean. Und hat eine traurige Geschichte. Im 19. Jahrhundert flohen Sklaven auf den Le Morne Brabant. Als sich eine Polizeiinspektion auf dem Weg zum Berg machte, stürzten sich die entflohenen Sklaven aus Angst vor einer Gefangennahme von der Steilwand in den Tod. Das war ein tragisches Missverständnis! Die Polizisten waren lediglich gekommen, um das Ende der Sklaverei in Mauritius am 1. Februar 1835 zu verkünden. Ein ähnliches Schicksal blieb dem Autor erspart. Vor 20 Jahren musste ich kurz unterhalb des Gipfelplateaus an einer Schlüsselstelle, die nicht ohne Seil und Haken zu bewältigen gewesen wäre, umkehren. 10 Jahre später wurde ein Stahlseil gespannt, das jedoch 2011 wieder entfernt werden musste, nachdem der Berg zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Somit bleibt dieses historische Monument weiterhin als offene Rechnung in meinem bergsteigerischen Portfolio erhalten. Und vielleicht ist das auch besser so…

Nach 4 Kilometern wurde die Halbinsel verlassen und der Kurs bog auf die Inselringstraße Richtung Norden ab. Wenig später tauchte die Ortschaft La Gaulette auf. Aus einem Hindutempel drangen meditative Klänge. Ansonsten herrschte sonntägliche Morgenruhe. Gelegentlich rannten gackernd einige Hühner über die Straße. Bei Kilometer 15 war in der Ortschaft Petite Riviere Noire der Wendepunkt erreicht. Der gleichnamige Berg, Piton de la Petite Riviere Noire, mit 828 Metern höchste Erhebung des Landes, thronte bereits seit einiger Zeit über der Laufstrecke. Der nach AIMS-Standart vermessene Kurs führte nun entlang der idyllischen Küstenstraße um den kaum besiedelten Südwestteil des Landes, der früher bevorzugtes Piratenversteck war.

Elegant gekleidete Dorfbewohner beim sonntäglichen Kirchgang verfolgten erstaunt das ungewöhnliche Geschehen. Kurz danach tauchte die Ile aux Bénitiers auf, eine unbewohnte, aber von Kokosplantagen bedeckte Insel, die von einigen Strandhotels für Badeausflüge genutzt wird. Nach einem Bad im Indischen Ozean sehnte sich nach der Hälfte der Strecke mittlerweile auch so mancher Läufer. Aber bis dahin mussten noch 21 Kilometer Asphalt abgearbeitet werden. Und bei Kilometer 22 folgte erst einmal die „Bergwertung“. Ein Aufstieg mit rund achtzig Höhenmetern musste bewältigt werden. Auch wenn der Südwinter die idealste Terminwahl für die Marathonveranstaltung darstellt, muss tagsüber mit Durchschnittstemperaturen zwischen 20 – 25° Celsius und rund 80 – 90% Luftfeuchtigkeit gerechnet werden. Da kam den Teilnehmern ein bedeckter Tag gerade recht, sogar ein heftiger tropischer Regenguss erfrischte während des Rennens. Anschließend stand ein satter Regenbogen am Firmament.

Es folgte nun der eleganteste und schönste Abschnitt des Rennens. Lauschige kleine Dörfer wechselten ab mit herrlichen Buchten, winzigen Sandstränden und Mangroven. Die flache Straße verlief oft direkt am Wasser entlang. Weit draußen auf dem Meer konnte man die riesigen Wellenberge wahrnehmen, die sich an dem Saumriff brechen, welches die gesamte Insel umgibt. Die Brandung war bis zum Ufer zu hören und spielte nun die Begleitmusik zu der berühmten Einsamkeit des Langstreckenläufers. Händler am Straßenrand boten ihre Waren feil – leckere Kokosnüsse und Minibananen. Auch wenn die Verpflegungsstationen gut bestückt waren, war die Verlockung groß, hier einen Zwischenstopp einzulegen. Bei Saint Martin kündigte ein Gedenkstein am Streckenrand von einem tragischen Ereignis: Am 29. Juni 1923 wurde an dieser Stelle ein Rettungsboot mit 16 Schiffbrüchigen an Land gespült. Sie stammten von dem Dampfer S.S. Travessa, der am 4. Juni 2500 km von Mauritius entfernt gesunken war. Auf der 3 ½-wöchigen Odyssee verloren sie noch 8 Kameraden, einer starb am Tag nach der Rettung.

Hinter dem kleinen Ort Bel Ombre (zu Deutsch: „schöner Schatten“) änderte sich abermals das Landschaftsbild: Meterhohe Zuckerrohrfelder säumten die Straße zu beiden Seiten. Überhaupt: Zucker! Über der ganzen Insel hängt der süße, betörende Duft des Zuckerrohrs, das ca. 80% der kultivierten Bodenfläche einnimmt. Kurz vor dem Ziel wurde ein Friedhof passiert, dessen weise Grabmale sich kontrastreich vor dem blauen Ozean abhoben. Da war es schon skurril, dass gerade zu diesem Zeitpunkt eine Trauerfeier stattfand.

Alles andere als Trauer empfanden die Aktiven ein paar Hundert Meter weiter. Das Zielareal am herrlichen Sandstrand von Saint Felix erlöste mit einem erfrischenden Bad im Meer. Sonne, Strand und Palmen – ein perfektes Klischee zwar, aber der optimale Ausklang für einen Marathon im Paradies. Dazu ein Festzelt mit Musikkorps der Polizei für die Siegerehrung.

Diese war, zumindest bei den Damen, fest in deutscher Hand: Siegerin des Marathons wurde Eva Offermann aus Simmerath in 3:14:14 Stunden und auf der halben Distanz belegte die Tübingerin Friederike Feil mit 1:29 Stunden sogar den zweiten Gesamtplatz. Der Marathonsieg blieb im Land: Vishal Ittoo siegte in 2:51:44 Stunden, während der Halbmarathon eine klare Sache für den Kenianer Andrew Kimanzi Kilonthi war. Mit 1:10:46 Stunden distanzierte er seinen Verfolger um 20 Minuten. Nur drei Läufer schafften den Marathon in einer Zeit unter drei Stunden.

Das Konzept des Mauritius Marathons ist gut, die Veranstaltung hat Potenzial und wird in den kommenden Jahren mit Sicherheit noch mehr Marathontouristen anlocken. Das Vier-Sterne-Ressort Tamassa, bietet Spezialangebote für Teilnehmer, einen Shuttle-Service am Tag des Rennens und allen erdenklichen Komfort zu einem vernünftigen Preis- Leistungsverhältnis.

(SS) Stefan Schlett

Weitere Informationen: www.ilemauricemarathon.com

www.luxresorts.com

Über Mauritius:

Traumstrände, bewegte Geschichte und kulturelle Vielfalt – die kreolische Mischung

Mauritius ist der Inbegriff für einen gepflegten Strandurlaub, auf 160 km Küstenlinie reiht sich ein Traumstrand neben dem anderen. Neben allen Arten von Wassersport gibt es hier auch ausgezeichnete Möglichkeiten für Tennis, Golf und Reiten. Die Insel am 20. südlichen Breitengrad bietet sportlich Aktiven die perfekte Kulisse, um ihren Traumurlaub mit einem gemütlichen, familiären Wettkampf, abseits der Massenveranstaltungen zu verbinden. Der Tourismus ist neben Zuckeranbau und Export einer der wichtigsten Industriezweige des Landes. Aber trotz steigender Besucherzahlen bemüht sich die Regierung, die Nachteile des Massentourismus zu vermeiden, indem vornehmlich hochklassige und teure Hotels errichtet werden. Es werden Vorschriften für die Zimmergröße, Ausstattung und den Service aufgestellt, die nur bei einem gewissen Mindestpreis eingehalten werden können.

Das Inselreich Mauritius besteht aus der Hauptinsel (1865 Quadratkilometer), Rodrigues (104 Quadratkilometer), den Cargados-Carajos-Inseln (1,3 Quadratkilometer) und den Agalega Inseln (73 Quadratkilometer). Die Hauptinsel mit 1,25 Millionen Einwohnern ist eines der am dichtest besiedelten Länder der Erde (598 Einwohner pro Quadratkilometer). Die 65 km lange und 48 km breite Insel ist vulkanischen Ursprungs und fast vollständig von einem Korallenriff umgeben. Das Innere von Mauritius besteht aus einem Hochplateau mit einigen Basaltgipfeln. Geprägt wird die Landschaft vom Zuckerrohr, das ca. 80% der kultivierten Bodenfläche einnimmt.

Die Bevölkerung besteht aus Indern, Kreolen, Frankomauritiern und Chinesen. Mauritius ist nicht nur eine kosmokulturelle, sondern auch eine kosmoreligiöse Insel. Die verschiedenen Ethnien und Religionen leben –so wie auch auf der Nachbarinsel La Reunion- in friedlicher Koexistenz miteinander und könnten ein Modell für den Rest der Welt darstellen.

1507 wurde Mauritius von portugiesischen Seefahrern entdeckt und hat seitdem eine wechselvolle Geschichte durchlebt. 1598 nahmen die Holländer die Insel ein, 1715 folgten die Franzosen, die sie 1810 bei der berühmten Seeschlacht um Cap Malheureux an die Engländer verloren. 1902 wurde Mauritius zur britischen Kronkolonie. 1968 erreichte sie dann die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich und ist seit 1992 eine unabhängige Republik im Commonwealth. Die Amtssprache auf Mauritius ist englisch. Umgangssprachen sind Französisch und Créole. Auf der Insel gibt es keine gefährlichen Tiere oder Tropenkrankheiten. Der Zeitunterschied beträgt MEZ + 3 Stunden bzw. MESZ + 2 Stunden.

 

Bildquelle: www.ilemauricemarathon.com

 

 

 

 

 

 

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