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7. Montane Lakeland 100/50 in 2014 | Update

9 August 2014 2 Kommentare PDF Drucken Drucken

Lakeland100_2013_05Lakeland 100 – eine der wohl seltensten Medaillen die es gibt

UPDATE 2014:
Große Beteiligung am diesjährigen MONTANE Lakeland Ultra Trail Marathon; MONTANE beglückwünscht die Teamathletin Debbie Martin-Consani zu ihrem Sieg bei einem herausfordernden Wettkampf

Die drückende Hitze forderte beim 7. MONTANE Lakeland 100 ihren Tribut:
Von 306 Startern schieden 114 vor dem Ziel aus. Erst am Samstagabend gab es ein Erbarmen für die Wettkämpfer, als der sehnsüchtig erwartete Regen einsetzte.
Debbie schaffte die Strecke in 25 Stunden und 23 Minuten und schlug damit ihre Rivalin Beth Pascall um 16 Minuten (25 Stunden 44 Minuten). Dritte wurde Nicky Taylor mit einer Zeit von 29 Stunden und 37 Minuten. Bei den Herren gewann der Ehemann der Siegerin, Marco Consani. In Anbetracht der schwierigen Wetterverhältnisse legte er mit 21 Stunden und 14 Minuten eine spektakuläre Zeit hin. Steven Major, ebenfalls MONTANE-Athlet, benötigte für die 100 Meilen 33 Stunden und 19 Minuten.
Beim MONTANE Lakeland 50 glänzten die Teamathleten Marcus Scotney und Stuart Mills mit hervorragenden Zeiten und wurden Zweiter bzw. Vierter (8 Stunden 6 Minuten bzw. 8 Stunden 25 Minuten). Stuart hatte 2013 den MONTANE Lakeland 100 gewonnen.

MONTANE Lakeland 100 und 50 sind Ultra Trail Marathons ohne Wegemarkierung. Der ML 100 startet und endet in Corniston, während der ML 50 in Dalemain startet und ebenfalls in Corniston endet. Die Routen verlaufen entlang der schönsten und herausforderndsten Strecke des Lakeland Districts, wo das Wetter oft sehr wechselhaft ist. Mit nahezu 1.000 Startern gilt das Rennen, das heuer zum siebten Mal stattfand, als erstes Ultra Trail des Vereinigten Königreichs. Die Gründer sind Marc Laithwaite (Race Director) und Paul Cosgrove (MONTANE Brand Director).

Mehr Informationen zum Rennen sowie Bilder gibt es unter www.lakeland100.com

Team-androgon war 2013 und 2012 dabei – siehe nachstehenden Erfahrungsbericht

Die Montane® Lakeland 100 „Ultra Tour of the Lake District“ ist wohl eines der spektakulärsten Trailrennen, welches je im UK veranstaltet wurde. Der 100-Meilen-Rundkurs führt durch eine der wunderschönsten Landschaften Englands und beinhaltet ca. 6.300 positive Höhenmeter. Die 100 Meilen starteten in Coniston und führten zunächst nach Süden, bevor es über einen Bogen im Uhrzeigersinn über Dunnerdale, Eskdale, Wasdale und Buttermere nach Keswick ging. Von hier ging es weiter nach Matterdale, Haweswater, via Kentmere, Ambleside und Elterwater zurück ins Ziel nach Coniston.

Anreise

Der Weg zum Naturschutzgebiet des Lake Districts, welches ca. zwei Auto-Stunden nördlich von Manchester liegt, führte entlang der Süd-Küste Englands. Die letzten 30 Minuten fern der Autobahn waren auf teilweise durch Steinwände abgegrenzten, schönen und sehr schmalen Straßen zu fahren. Typisch für die dortige Landschaft auch die Farmhäuser, die mit eben diesen Steinen errichtet sind und von sattgrünen Wiesen mit Schafherden umsäumt werden – alles erinnerte hier an die Kindersendung „Shaun das Schaf“.

Coniston

Angekommen in Coniston, einem kleinen Ort mit vielleicht 1000 Einwohnern, schien mir die Sonne ins Gesicht; um mich herum – soweit das Auge reichte, Berge! – zur Rechten wie zur Linken. Coniston, ein Ort des Lake Districts im Norden von England, liegt am Ufer des Sees Coniston Water und zu Füßen des Berges Old Man of Coniston (803 m). In der Vergangenheit lebte der Ort vom Kupfer- und Schieferabbau, seit der viktorianischen Zeit ist er ein beliebter Ferienort. Zu den touristischen Attraktionen gehören hier Wanderungen und Bergsteigen. 1950 wurde der Nationalpark „Lake District“ gegründet, einer von insgesamt vierzehn Nationalparks im Vereinigten Königreich, welcher dem Tourismus weiteren Auftrieb gab.

Vorbereitungen

Es ist Freitag, der 26.07.2013, ca. 14:00 Uhr, und auf einer großen abgezäunten Wiese werden noch immer Autos hereingewunken, kontrolliert und Parkplätze zugewiesen. Viele der Teilnehmer schlagen ihre Zelte auf der grünen Wiese auf, andere ruhen in ihren Autos und warten gespannt auf den Startschuss des legendären Lakeland 100-Ultras, dem erst 2008 Leben eingehaucht wurde. In der angrenzenden Schule, in der die Startnummern ausgegeben wurden, hatten einige der Aussteller, unter anderem auch MONTANE -Hauptsponsor des Laufes- ihre Stände aufgebaut. Hier, vor dem Gebäude sollte zeitnah der Start stattfinden. Als erstes musste ich zum Wiegen – auf meine Frage „Warum?“ bekam ich eine unerwartete Antwort: „Viele Läufer essen und trinken während des Laufes zu viel und nehmen zu stark an Gewicht zu“.

Vor Ausgabe der Startunterlagen erfolgte die Prüfung des Sicherheits-Equipments; jeder der Teilnehmer mußte aus gutem Grund diesen Check erledigen, denn Berge und Höhenmeter sollten niemals unterschätzt werden. Wir erinnern uns an die Todesfälle beim Zugspitzlauf und hier ging es um nicht mal 17 km! Die Maßgaben des Sicherheits-Equipments beinhalteten das Mitführen einer Stirnlampe (meine Wahl war das LUPINE Model Piko x4) eine Not-Essensration, Handschuhe, Kompass etc. Denn es sollte wahrscheinlich durch zwei Nächte ohne Schlaf gehen. Bestenfalls würde man es vor der zweiten Nacht ins Ziel schaffen, aber davon konnte nicht ausgegangen werden. Zudem mussten eine zusätzliche Laufhose, Regenhose, Regenjacke, T-Shirt, Mütze, Batterien am Mann sein – bei diesem Sonnenschein?-, aber ich sollte die Wichtigkeit dieser Bestimmungen schon noch erfahren. Wie sagt der Engländer so schön: „Four Seasons a Day“.

Die Prüfung meines Rucksacks mit Notausstattung erfolgte positiv. Für meinen Lauf wählte ich das Model „12 Liters Ultra Trial“ von Kalenji – eine Marke von Decathlon- „, das mir in der Wüste von Namibia schon gute Dienste erwies. Mein Rucksack war inzwischen ganz schön schwer geworden, zumal ich noch 2 Liter Wasser in der Trinkblase hatte. Nach der Prüfung bekam ich meine Startunterlagen und 2 Bänder um das Handgelenk. Eines versehen mit dem elektronischen Stempel, der an jedem Checkpoint zum Zeit-Stechen benutzt werden musste (die Zeiten wurden realtime online gestellt und können auf der Wettkampfseite http://www.lakeland100.com/  von außen mitverfolgt werden). Auf dem anderen Band wurde die Startnummer und das Gewicht vom Wiegen notiert.

Neben dem Eingang zur Schule befand sich auch die Küche der Schule; alle Teilnehmer hatten hier nochmal die Möglichkeit, sich vor dem Lauf mit „gesundem“ englischem Essen zu stärken und ihre Speicher zu füllen, denn die Zeit näherte sich dem Start um 18:00 Uhr. Ich traf meine letzten Vorbereitungen und entschied mich, von Beginn an in langer Hose zu laufen; dachte ich schon an die bevorstehende Nacht. Der geplante zweite androgon-Partner war leider nicht dabei, er hatte sich beim Zugspitz-Ultra oder 24h Rennen eine Sommergrippe eingefangen.

18:00 Uhr – der Startschuß stand unmittelbar bevor; knapp 300 Teilnehmer, davon eine Handvoll Frauen. Was würde uns alle erwarten? Jeder von uns war mit Landkarte (Maßstab 1:40000) und einem Road-Book ausgestattet – ich hatte zusätzlich ein GPS-Gerät von Garmin dabeiModel GPSmap 62s„-, denn die Strecke musste ohne Beschilderung absolviert werden; lediglich die Streckenführung (105 Meilen -169 km-) und 14 Checkpoints sowie Start/Ziel waren auf der Karte eingezeichnet.

Startschuss

Es ging los, der Startschuss erschallte, noch war es hell, noch schien die Sonne und schon ging es den ersten Berg hinauf. Die erste Etappe betrug ca. 659 Höhenmeter und 11,3 km. Es ging rauf, rauf und noch weiter rauf, die Luft wurde kühler, der Blick von dort oben wurde dafür aber immer fantastischer. Der erste Berg war geschafft und es ging wieder runter – noch konnte man „laufen“ – jedoch sah das Ganze bergabwärts schon etwas anders aus. Erste Überlegungen kamen auf, ob man vielleicht doch leichte Hiking- oder Wanderstiefel hätte anziehen sollen und keine Trailrunning Schuhe „Model Speedcross 3“ von Salomon. Klarheit würde ich nach ca. weiteren 20 Stunden darüber haben, ob die Sohle und die Gummimischung nicht zu weich für diese Art Trails sind. Auch hatte ich Walkingstöcke von „Komperdell“ dabei, die ich beim Yukon Arctic Ultra schon mitführte – sie bringen Arme und Oberkörper mehr ins Spiel und entlasten die Beine.

Die Wege führten bergauf und bergab, glichen oftmals Geröllfeldern, wo normalerweise nur Wasser herunterläuft; vielleicht noch die Schafe, die ich an jeder „Ecke“ traf. Richtig Tempo war bei diesem Auf und Ab nicht zu machen (allerdings wird es immer Läufer geben, die bergabwärts richtig Gas geben, auch wenn jede kleine Unkonzentriertheit einen Sturz, Verletzung oder gar das Aus bedeuten kann). Die Schnellsten bei diesem Lauf hatten es auf jeden Fall getan, sonst wären diese Fabelzeiten nicht herausgekommen – aber dazu später.

Eine Folge-Etappe ging durch eine wilde Moorlandschaft – endlich mal keine Geröllfelder – jedoch die Schuhe und Beine bis zu den Waden im Matsch oder Wasser und immer noch keine Möglichkeit für mich richtig Tempo zu machen. Die Uhr fing langsam an gegen mich zu arbeiten.

Nacht eins

Es wurde dunkel und ich schloss mich einer Gruppe Engländer an (außer mir sowie einem Italiener und einem Griechen waren nur Läufer aus dem Vereinigten Königreich vertreten), denn mehr Augen und Lampen „sehen“ mehr – meine Piko x4 von Lupin war nun auch schon aktiv und leuchtete wie ein Autoscheinwerfer die ganze Bergwelt aus. Es war nun nicht nur dunkel, sondern es wurde auch kalt.

Die Strecken zwischen den einzelnen CPs, die anzulaufen waren, hatten im Durchschnitt nur eine Länge von je 12 km – doch die Höhenmeter waren ausschlaggebend. Jeder erreichte CP war ein Erfolgserlebnis. Es gab an manchen sogar warme Nudeln oder Suppe – der Veranstalter hat hier wirklich sein Bestes gegeben. Gerade in der Nacht tat es gut, etwas Warmes für den Körper zu bekommen. Nach jeder Pause war mir dann erstmal richtig kalt, die nassen Klamotten klebten auf der Haut und ich benötigte gute 10 Minuten, um wieder Betriebstemperatur zu erreichen und die Druckschmerzen unter den Füßen zu ignorieren.

04:40 Uhr, es wurde langsam hell „Daylight“ – Motivation pur – es vertrieb die Müdigkeit. Dazu endlich ein Stück ebene Strecke, sogar ein wenig geteerte Straße, ich konnte wieder laufen – zwar anstrengender als schnelles Gehen – aber es entlastete meine Waden- und Oberschenkelmuskulatur und das tat mir jetzt gut. Gut war es natürlich auch für mein vorgegebenes Zeitlimit – ich fühlte mich jetzt wieder richtig frisch, die Vorbereitung und das Training waren wohl genau das Richtige…

Tag zwei

Noch in „Braithwaite“ traf ich den Schotten Alexander, der den Trail letztes und vorletztes Jahr schon Mal versucht hatte, aber nicht durchgekommen war. Ich hatte den Eindruck, er kannte die Strecke noch gut, doch das Tempo war für mich zu langsam und ich schloss zu einer Frau und einem Mann auf, die letztes Jahr ebenfalls schon mitgelaufen waren, allerdings das Zeitlimit von 40 Stunden um 36 Minuten überschritten hatten – sie wollten es noch einmal wissen! Ich begegnete auch wieder Brent, der mich kurz vor dem unbemannten Zwischenposten „Compulsory Check“, einer GPS Koordinate an dem ein klassischer Orientierungslauf-Posten hing, auf einem Höhenkamm überholte. Auch er trat das 2. Mal an – letztes Jahr hatte er nach 60 Meilen aufgegeben. Ich freute mich für ihn und auch darüber, ihn zu treffen – hatte ich ihm 3 Stunden zuvor geholfen, als er Krämpfe hatte und sich übergeben musste.

Auch an CP 6 traf ich wieder auf alte Bekannte – immer wieder begegneten mir Läufer, die ich schon gesehen hatte. Läufer, die ich aber ebenso oft wieder aus den Augen verloren hatte, denn jeder teilte sich seine Pausen individuell ein. Es ging weiter – ich lief nun mit einem sehr jungen Engländer zusammen, dessen Namen ich leider vergessen habe. Er lief mit mir, obwohl ich ihm ansah, dass ihm nach „Laufen“ nicht mehr zu Mute war. Es war sein erster Lakeland 100; vor zwei Jahren lief er die 50 Meilen, ihm schmerzten die Füße und wir hatten noch nicht einmal Halbzeit; es war klar, dass er nicht mehr lange bei mir sein würde. Es zog sich zu CP 7, lt. Roadbook waren es „nur“ 8,5 Meilen, doch primär bergauf. Oft kam es mir vor, als würde ich für einen Kilometer 1,5 Std. unterwegs sein. Endlich erreichte ich dann aber Dockray (CP 7).

Die Sonne

Die Sonne kam jetzt richtig durch und es sah nach einem schönen Tag aus. Noch 7,7 Meilen bis zur Halbzeit, bzw. bis zu CP 8 am Drop-Back Checkpoint Dalemain, an dem alle 100Meiler einen roten Sack mit neuen Klamotten, Schuhen, Energieriegel etc. hinterlegen konnten.

Vorab ging es hinab zum Fuß eines Sees -Ullswater- und anschließend an den Hängen hinauf über den Gipfel von „Gowbarrow Fell“ in Richtung Dalemain, CP 8, der auch den Start der 50Meiler bedeutete. Ich traf auf Shirly, Mitte 50 und wirklich tough, doch auch sie klagte über ihre schmerzenden Füße und lief schon sehr unrund. Sie begleitete mich bis Dalemain (Halbzeit – Meile 59.1 (km 94,8).

Wir erreichten CP 8 (Dalemain) nach 16 Stunden ohne Schlaf – meine Zwischenzeit war noch gut; 24 Stunden bis zum TimeOut. Das bedeutete, auch ohne schlechtes Gewissen eine etwas längere Pause zu machen.

Im Zelt traf ich viele Läufer wieder, mit denen ich mich in den letzten 16 Stunden unterhalten hatte. Viele von ihnen beendeten das Rennen hier. Ein Arzt sah sich zur Hälfte des Laufs die meisten Läufer genauer an, wollte ihnen helfen, doch es war für viele schon zu spät; meist völlig kaputte Füße, manchmal einfach nur noch leere Augen, in die er blickte. Hier traf ich Brent wieder, ihm ging es gut, er war motiviert und verließ vor mir den CP.

Die Mittagssonne, über die ich mich sonst freue, raubte mir jetzt Energie und Kraft, sie tat mir trotz meiner schwarzen Sonnen-Brille, Model „SG b’twin 300“, ebenfalls ein Decathlon Produkt, in den Augen weh. Ich traf Shirly wieder und lief mit ihr, Ihr war schlecht geworden, mir auch. Ob es an der Anspannung, den Elektrolyten oder den süßen Riegeln lag, die ich zu mir genommen hatte, oder einfach die Schwüle, die von der Sonne noch verstärkt wurde, blieb offen.

CP9 ohne Shirly

Ich kam an CP9 ohne Shirly an, habe Sie nicht mehr wiedergesehen – sie schied leider bei CP 12 aus. An CP 9 hielt ich mich nur kurz auf, wollte keine Zeit verlieren und begegnete einem Briten ohne Namen, er sprach so starken Dialekt, den ich kaum verstehen konnte, machte aber ein paar Meilen mit ihm. Es ging wieder viele Meilen bergauf, ich versuchte dem menschlichen Schatten am fernen Horizont zu folgen und prüfte die Strecke über mein GPSmap 62s von Garmin. Ein Wahnsinnsaufstieg, diesmal aber kein Geröll, nur schmale Trails durch saftig grüne Wiesen. Diese Etappe belief sich auf 765 Höhemeter und 9,4 Meilen.

Das Wetter wurde von Höhenmeter zu Höhenmeter schlechter. Ich überholte weitere Läufer, zog mir allerdings nun die blaue Windjacke von Montane über, nicht viel später dann auch die Regenjacke und die Regenhose. Der Regen setzte ein. Zudem ergab sich „windchill“, es wurde durch den Wind und Regen immer kälter und ich brauchte dann sogar Mütze und Handschuhe. Der Regen prasselte mir ins Gesicht und der Wind pfiff mir in Genick und Ohren. Letztlich setzte ich sogar die Regenkapuze auf – aber meine MONTANE-Ausrüstung hielt alles Nasse ab und dem Regenwetter entgegen. Endlich erklomm ich den Bergrücken, doch Laufen ging hier nicht mehr, wieder sank ich tief in die Matsch- und Wasserfelder ein. Es war wohl die längste und höchste Distanz, die zurückzulegen war. Irgendwann ging es dann tatsächlich wieder den Berg runter. Dies war leider noch schwieriger als bergauf. Ich rutschte und musste höllisch aufpassen, mich nicht zu verletzen. Aber noch war es glücklicherweise hell und ich konnte dem ausgetretenen Pfad folgen. Meine Schuhe waren voll Wasser gelaufen, die Stümpfe hatten sich vom Fuß gelöst und lagen im vorderen Bereich der Schuhe. Ich hätte die Strümpfe von CEP am CP 8 nicht tauschen dürfen, aber dort war es warm und die Sonne schien.

Regen

Der Regen wurde immer schlimmer, mein Tempo immer langsamer; ich hatte immense Probleme überhaupt noch etwas zu sehen und es gab noch mehr Regen – unglaublich!! Es hatte nichts mehr mit der romantischen musikalischen Beschreibung a la „Fantasia in Greensleeves“ des englischen Komponisten Vaughan Williams zu tun. Es gab keinen Unterschlupf, ich konnte keine Pause machen, ich musste den nächsten CP erreichen. Meinen Begleiter hatte ich inzwischen auch verloren. Die Strecke verlief nun direkt am unteren Ufer des Sees ‚Haweswater‘. Der Boden konnte schon lange kein Wasser mehr aufnehmen, überall bildeten sich reißende Bäche über die ich springen musste, sowie tiefe Pfützen, die ich nicht umgehen konnte. Laufen wurde unmöglich, alles war glitschig und ich musste jeden Schritt ausgleichen um nicht zu stürzen. Ich konnte endlich CP 10 auf der anderen Seite des Sees sehen. Regen und Wind wurden noch heftiger; ich musste meine Regenjacke über meinen Rucksack ziehen.

Nach weiteren 15 Minuten erreiche ich endlich den CP, ein kleines Zelt am See. Ich wollte etwas essen, doch mir war schlecht. Kein Appetit auf heiße Tomatensuppe, ich aß ein kleines Stück trockenes Brot und suchte nach einem neuen zweiten Mann. Zwei Mann brachen auf, ich richtete noch schnell meine nassen Socken, wenn man das so nennen konnte. Mittlerweile war es 20:00 Uhr und in 2 Std. würde es dunkel sein. Ich folgte ihnen und stellte fest, dass ich in der Hektik vergessen hatte, meine Trinkblase aufzufüllen. Ich folgte den beiden unbeirrt und erreichte sie auch auf halber Strecke zum Gipfel. Hier füllte ich meine Trinkblase an einen Bach gerade noch rechtzeitig auf, denn ich hatte keinen Tropfen mehr am Mann. Die beiden machten einen wirklich lockeren Eindruck – ein in den letzten Stunden selten gewordenes Bild.

Weiter ging es bergauf, abermals über ein Geröllfeld, auf dem nur Wasser und Gemsen rauf und runter laufen. Wir brauchten für den nächsten Kilometer mehr als eine Stunde. Bergabwärts wurden wir noch langsamer, es zehrte an unserer Energie und jeder Tritt auf den Geröllfeldern wurde durch Schmerzen quittiert. Glücklicherweise konnte ich mit den Walking Stöcken etwas meiner Energie und Trittsicherheit ausgleichen. Diese 6,5 Meilen sind wohl die Trügerischsten dieses Wettkampfes.

Nacht zwei

Dunkelheit; wir mussten unsere Stirnlampen anmachen und erreichten endlich eine Ebene, in der wir wieder etwas laufen konnten. Meine Piko x4 machte wieder die Nacht zum Tag. Laut Roadbook sollte eine kleine Brücke überquert und der nächste Pfad gesucht werden. Gefunden! Wieder ging es bergauf, über das nächste Geröllfeld. Wir brauchten die erste Zwangspause, die Müdigkeit kam durch und es wurde immer schwieriger, die Augen offen zu halten. Ich konnte leider immer noch nichts essen und so sollte es auch bis zum Ende des Wettkampfes bleiben. Aber meine Energie kam zurück. Jetzt hatten wir endlich das dritte Gate und die Höhe, laut Roadbook erreicht. Es ging weiter über Steinhänge und glitschige Graswege, bergauf-bergrunter und dann kamen wir endlich wieder auf eine Straße. Nun war es nicht mehr weit bis zum nächsten CP.

Checkpoint 11

Mardale Head – der “MONTANE” Checkpoint 11 war erreicht. Hier war kaum noch Betrieb, aber ich kannte fast alle Betreuer. Es gab Cola, eine warme Suppe und warmen süßen Reis. Leider alles nicht für mich. Es war mitten in der Nacht und die Zeit rannte uns davon. Wir machten uns auf zum nächsten Punkt; es warten schon die nächsten 589 Höhenmeter auf uns. Es war nun die zweite Nacht ohne Schlaf und ich ließ hier aus Versehen meine Walking-Stöcke liegen – kein gutes Omen.

Die ersten 30 Minuten legten wir noch gutes Tempo vor, dann kam unser treuer Freund, der Regen, zurück. Es regnete wieder und dazu war es stockdunkel. Glücklicherweise hatte ich meine Lupine Kopflampe dabei. Es ging wieder ein paar Meilen hoch, der Regen wurde immer stärker, wir mussten das Tempo aber erhöhen, um die vorgegebene Maximalzeit am nächsten CP zu unterbieten. Zeitlich wurde es langsam kritisch; zum Glück waren die meisten Wege jetzt gut begehbar und die Sturzgefahr reduziert. Doch durch den Dauerregen rutschten meine Strümpfe wieder in die Schuhe und ich lief „barfuß“. Mir blieb definitiv keine Zeit anzuhalten; man sah kaum noch etwas – nur gut, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht alleine war. Die Jungs gaben weiter Gas, spürten den Timeout im Nacken. Ich blieb dran, konnte aber nicht einmal die Schnürung der Schuhe anpassen und die Steine aus den Schuhen entfernen.

Zumindest hielten mich die Schmerzen wach – und „hoffentlich reißt meine Haut nicht unter den Fußsohlen auf“ waren meine Gedanken. Nächstes Ziel war der Ort „Ambleside“, hier befand sich der nächste CP.

Wieder Regen

Der Regen prasselte jetzt schon stundenlang in seiner ganzen Heftigkeit auf alles nieder – auch auf die PIKO X4. Der Scheinwerfer war nun schon seit Stunden im Dauereinsatz – und dann war es so weit – Akku leer und der Wechsel stand bevor. Die Lampe kündigte dies jedoch an, die rote LED leuchtete und das Licht blinkte mehrmals hintereinander auf.

Ich rief laut in Richtung meiner beiden Begleiter, die ungefähr 30 Meter vor mir waren „Stop“ zu; gerade noch rechtzeitig bevor die Lampe ganz ausging und es dunkel um mich wurde. Meine Kopflampe bäumte sich ein letztes Mal auf und gab ihr letztes Signal ab. Die Jungs warteten auf mich – was für ein Glück. Ich fasste in meinen Rucksack und zog den Ersatzakku aus einer kleinen durchsichtigen Plastiktüte denn es regnete, regnete und regnete – Regen wie unter einer Duschbrause. Das Wasser lief durchgehend über alles was da war und bildete kleine Wasserbäche, die direkt in meinen Schuhen endeten.

Der Akkuwechsel sollte jetzt superschnell gehen. Ich griff das Kabel des Ersatz-Akkus (3.3 Ah Li-Ionen Hardcase), musste idealerweise nicht mal die Lampe vom Kopf nehmen – Stecker ab, Stecker drauf, ein simpler Schub des Akkus in die Haltevorrichtung am Stirnband, ein Knopfdruck am Lampenkopf und schon erleuchtete mein Umfeld wieder wie bei Tageslicht – und ich konnte wieder Fahrt aufnehmen. Jetzt war es nicht mehr weit, es ging nur noch abwärts. Auch waren die Wege jetzt begehbarer, was meinen nackten Füßen in den Schuhen gut tat. Wir erreichten Ambleside. Wir durchquerten den ganzen Ort aber fanden den CP nicht.

Ambleside

Endlich ein Einweiser – man sah vor Regen seine eigene Hand nicht vor Augen. Wir erreichten CP12 -45 Minuten vor TimeOut-. Die Jungs brachen nach ein paar Minuten wieder auf, ich musste erst ein paar Dinge richten und ließ sie ziehen. Zuerst kippte ich das Wasser und die Steine aus meinen Schuhen, meine Strümpfe waren eine Katastrophe, musste diese unbedingt wechseln, aber meine Fußsohlen hatten, wie durch ein Wunder, nichts Gravierendes abbekommen. Um meinen rechten Fußknöchel war allerdings die ganze Haut weggeschliffen. Ich ließ mir beim Technischen Dienst am Köper Zeit, neue Strümpfe von CEP und ein T-Shirt von Kalenji hatte ich durch zusätzliches Verpacken in kleinen separaten Plastikbeutel noch trocken im Rucksack dabei. Ich war nun wieder halbwegs hergestellt und die Reise konnte zu CP 13 weitergehen. „Chapel Stile“ war nur 5,6 Meilen entfernt und die 234 Höhenmeter waren fast zu vernachlässigen. Allerdings waren mein Garmin und ich nun auf uns gestellt. Aber der Druck des Time Out fiel nun von mir ab, ich musste das Ziel „nur“ noch vor 10:00 Uhr erreichen. Obwohl ich jetzt langsamer wurde und mir Zeit ließ, wurde ich in der Platzierung immer besser. Der Regen hatte endlich aufgehört und die Kleidung wurde langsam wieder trocken.

CP13

Ich erreichte CP13 nach 35:20 Stunden um 05:21 Uhr – die zweite Nacht war vorbei. CP 13 war ein kleines Zelt an einem Fluß ‚Great Langdale Beck‘ in der Ebene. Am CP war nicht mehr viel los, auch das Personal schien müde zu sein. Meine Ankunft wurde an das Hauptquartier durchgegeben und eine Notiz gemacht. Mit mir waren auch 50 Meiler unterwegs – 100 Meiler waren jetzt aber wohl die Ausnahmeerscheinung.

Weiter ging es -das Tageslicht tat mir gut-, zum letzten CP ‚Tilberthwaite‘; noch einmal 6, 5 Meilen, dann konnte endlich der Endspurt eingelegt werden. Zwischendurch galt es noch einen weiteren unbemannten „Compulsory Check“ anzulaufen und dort die Zeit zu stechen. Mein Garmin GPSmap 62s und ich erreichten CP 14 um 07:47 Uhr. Wieder ein Zelt, die Betreuer dort waren sehr nett und motivierten mich, aber auch dort konnte ich nichts essen, trinken ging zum Glück. Ich hatte noch zwei gute Stunden um rechtzeitig zu finishen.

Endspurt

Die letzten 3,5 Meilen waren gut in 2h zu schaffen. Ich mobilisierte noch einmal meine letzten Kräfte und gab Gas. Schnell erreichte ich eine Gruppe von 100 Meilern und lief mit ihnen die letzte Strecke gen Ziel in Coniston. Bergab war für alle besonders hart. Jetzt nicht die Konzentration verlieren und noch stürzen – das waren meine präsenten Gedanken. Der Coniston lag vor uns, ich konnte ihn sehen. Wir erhöhten jetzt noch einmal die Geschwindigkeit und liefen in den Ort. Auf den Straßen standen Passanten und Läufer, die uns auf den letzten Metern noch einmal lautstark anfeuerten.

Ich erreichte das Ziel – 105 Meilen in unter 40 Stunden –wunderbar!!  – Team androgon ist  auch 2014 wieder dabei

100 Meilen Sieger war Stuart Mills, ein Außerirdischer, der in einer Fabelzeit von 22:17:50 Stunden finishte.

Ich bin nun um eine Erfahrung reicher und vieles, was ich bis dato gemacht habe, ob Wüstenläufe oder Ultras bei -50Grad, wirken auf einmal viel kleiner…Der Montane Lakeland 100 ist ein fantastischer Ultra in einer wunderschönen Umgebung. Wer mit dem Gedanken spielt, daran teilzunehmen sollte vielleicht mit dem Lakeland 50 beginnen oder sich sehr gezielt und lange darauf vorbereiten, es sei denn man ist Heeresbergführer oder wohnt in Oberbayern. Alles in allem eine Super Veranstaltung, auch die Event Direktoren Terry Gilpin und Marc Laithwaite haben hier wirklich ihr Bestes gegeben. Wir konnten auf eine super Betreuung, Ärzte, Physiotherapeuten und Hunderte von Freiwilligen zurückgreifen. Der Veranstalter hat den Läufern die besten Voraussetzungen für einen außergewöhnlichen Wettkampf geschaffen und atemberaubende Naturbilder ermöglicht, die sie nie wieder vergessen werden.

Weitere Informationen unter:
http://www.lakeland100.com/
http://www.montane.co.uk/
http://vimeo.com/55802575

powerd by:
Montane® Further. Faster.®
Decathlon „Trailrunning“
Lupine Lighting Systems: http://www.androgon.com/19379/sport/extremsport/piko-x4-im-androgon-hartetest
Garmin Deutschland
Sinn-Spezialuhren
CEP – Department of medi
Entorch  – Atharel Enterprises
Captain Pain

 

 

MONTANE® PRODUZIERT LEICHTE UND ATMUNGSAKTIVE BEKLEIDUNG FÜR BERGSTEIGEN, RUNNING UND BIKEN. WEITER. SCHNELLER.

Montane® wurde vor über 18 Jahren ins Leben gerufen. Gegründet von einem jungen Ingenieur, der Spaß daran hatte, zwischen seinen Abenteuern in der Natur, Produkte für Freunde und Gleichgesinnte selbst zu nähen. Ein klassischer Start.

Innovation stand dabei im Fokus. Das erste Windshirt mit genial kleinem Packmaß und sehr geringem Gewicht erblickte das Licht der Welt. Es folgte ein einzigartiges Schichtensystem für extreme Wetterbedingungen. Es ging und wird immer darum gehen, Produkte zu entwickeln, die es Outdoorbegeisterten ermöglichen, bei Ausdauersport und Abenteuer in den Bergen an ihre Grenzen zu gehen.

Das ganze Montane® Team, vom Designer über den Vertrieb, bis hin zu den gesponserten Athleten und aktiven Nutzern hilft uns dabei, weiter innovativ zu bleiben. So können wir uns alle optimal in den Bergen bewegen … Weiter. Schneller.

 

Bildequelle: androgon.com | MONTANE® (Andrew Rutter, Terry Stephenson, Ian Corless)

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