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GÉRICAULT | BILDER AUF LEBEN UND TOD

22 Oktober 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

 

BPK 102.866GÉRICAULT – Bilder auf Leben und Tod  | 18. Oktober 2013 – 26. Januar 2014
Vom 18. Oktober 2013 bis zum 26. Januar 2014 präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt die erste Einzelausstellung zu Théodore Géricault (1791–1824) in Deutschland. Der früh verstorbene Maler ist einer der Großmeister der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts und gilt als Wegbereiter der französischen Romantik. Géricaults Bilder transportieren eine geradezu überschäumende Lebenskraft, die immer mit einem Fuß am Abgrund steht. Anhand von rund 130 Leihgaben unter anderem aus Paris, Lyon, Montpellier, Gent, Brüssel, London, New York und Los Angeles rückt das groß angelegte Frankfurter Ausstellungsprojekt zwei der zentralen Themenkomplexe des französischen Künstlers in den Mittelpunkt: Das physische Leiden des modernen Menschen, wie es am eindrucksvollsten in den Bildern von abgeschnittenen Köpfen und Gliedmaßen als das Ineinander von Leben und Tod zum Ausdruck kommt, und seine psychische Qual, die u. a. meisterhaft in Géricaults Porträts von Geisteskranken veranschaulicht wird. In einer konzentrierten Übersicht werden diese beiden Werkkomplexe in den Zusammenhang des OEuvres, aber auch der Kunst seiner Zeit gestellt, um so die ästhetischen, ideengeschichtlichen und medizinhistorischen Voraussetzungen Géricaults neu zu beleuchten und die wechselseitigen Beziehungen von Kunst und Wissenschaft aufzuzeigen. 62 Werke Géricaults treten dabei in einen intensiven Dialog mit Arbeiten von Francisco de Goya, Eugène Delacroix oder Adolph Menzel. Die von Gregor Wedekind kuratierte Ausstellung präsentiert Géricaults neuartigen, beobachtenden Blick auf das Schicksal des modernen Menschen und vermittelt einen Eindruck von dem radikalen Realismus des Künstlers, der ihm eine Schlüsselstellung in der europäischen Kunstgeschichte sichert. Angesiedelt zwischen der unsentimentalen Perspektive der Wissenschaft und der romantischen Vorliebe für das Abgründige stellen Géricaults zutiefst menschliche Bilder das traditionelle Verständnis von Realismus und Romantik als zwei einander ausschließender Epochenstile infrage. Eine Besonderheit markiert die Präsentation von vier der fünf berühmten Monomanen Géricaults in Frankfurt. Dies war bislang nur ein einziges Mal möglich, 1991 bei der großen französischen Géricault-Retrospektive im Grand Palais in Paris. Die Stelle des nicht ausleihbaren, fünften Werks nimmt ein eigens für die aktuelle Ausstellung geschaffenes Gemälde der südafrikanischen, in Amsterdam lebenden Künstlerin Marlene Dumas (*1953) ein. Dieses setzt auf ebenso eindringliche wie überraschende Weise einen zeitgenössischen Kontrapunkt zu Géricaults Meisterwerken.
„Géricault. Bilder auf Leben und Tod“ wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain im Rahmen des Projekts „Impuls Romantik“ und erfährt zusätzliche Unterstützung durch die Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung und den Verein der Schirn Freunde e.V.

Théodore Géricault, 1791 in Rouen geboren, hat trotz seiner kurzen Lebenszeit ein großes OEuvre geschaffen, das zahlreiche Höhepunkte aufweist. Allen voran das (nicht leihfähige) „Floß der Medusa“ (1819), in dem sich der Künstler in empathischer Zuspitzung einem Ereignis zuwendet, das Menschen der kreatürlichen Bedingtheit ihrer Existenz ausgesetzt zeigt. Durch eine Bearbeitung als Historiengemälde potenzierte Géricaults Gemälde den politischen Skandal, der dadurch ausgelöst worden war, dass die französische Regierung die Schiffbrüchigen der Fregatte Medusa nicht retten ließ. Die Hinwendung zu Extremen kennzeichnete auch das persönliche Leben Géricaults, der sich in eine aussichtslose Liebesgeschichte mit der Ehefrau seines Onkels verstrickte. Seine ungeheure Lust am Reiten führte zu einigen Reitunfällen, an deren Folge er 1824 im Alter von nur 32 Jahren nach schwerem Leiden starb.
„Die grundlegenden, uns heute vehement beschäftigenden Fragen, wie weit Bilder gehen dürfen, ob und welche Grenzen sie überschreiten sollen, wovon überhaupt Bilder möglich sind, werden in ihrer ganzen Eindringlichkeit erstmalig bei Théodore Géricault sichtbar. Obwohl er damit unbestritten zu den zentralen Künstlerfiguren des 19. Jahrhunderts gehört, gab es in Deutschland noch nie zuvor eine Einzelausstellung zu diesem ersten großen romantischen Maler Frankreichs. Mit unserer Ausstellung „Géricault: Bilder auf Leben und Tod“ können wir dies nun endlich nachholen“, so Schirn-Direktor Max Hollein.
„Théodore Géricaults Kunst ist geprägt von Anstrengung und Kraft. Die Anstrengung galt dem
Versuch, das Leben zu fassen. Die Kraft liegt in der Bereitschaft, alles auf eine Karte zu setzen. Im Dialog mit Werken von Goya, Delacroix oder Menzel zeigen seine innerhalb der Ausstellung vertretenen Arbeiten eine akribische Beobachtung und emphatische Durchdringung des tragischen Schicksals des modernen Menschen. So entstehen Bilder auf Leben und Tod, die in ihrem radikalen Realismus eine Schlüsselstellung in der europäischen Kunstgeschichte einnehmen“, kommentiert Ausstellungskurator Gregor Wedekind (Johannes Gutenberg- Universität Mainz) die künstlerische Herangehensweise des Malers.

 

Quelle und Bildquelle: SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, D-60311 Frankfurt | www.schirn.de

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