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PHILIP GUSTON | DAS GROSSE SPÄTWERK

6 November 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken
Schirn_Presse_Philip_Guston_The_line_1978

The Line, 1978 Öl auf Leinwand, 180,3 x 186,1 cm Privatsammlung
© The Estate of Philip Guston

6. November 2013 – 2. Februar 2014
Vom 06.11.2013 bis zum 02.02.2014 präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt Philip Guston.

Das mutige und außergewöhnliche Werk des US-amerikanischen Malers Philip Guston (1913–1980) war eines der meistdiskutierten seiner Zeit. Guston brachte als Erster die Figur in die amerikanische Nachkriegsmalerei, leistete durch die Verbindung von „hoher Kunst“ und Bildern der Populärkultur Bahnbrechendes und wird heute als Vorreiter der postmodernen figürlichen Malerei gefeiert. Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers zeigt die Schirn Kunsthalle Frankfurt vom 6. November 2013 bis 2. Februar 2014 das Spätwerk von Philip Guston und damit einen Meilenstein der amerikanischen Malerei. Mit einer Auswahl von 70 Gemälden und Zeichnungen vereint die Ausstellung bedeutende Leihgaben aus dem Museum of Modern Art, New York, dem Centre Pompidou, Paris, oder dem Stedelijk Museum, Amsterdam.
Im Laufe der 1950er-Jahre fasste der Autodidakt Guston in der New Yorker Kunstszene Fuß und wurde zu einem der wichtigsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus mit Jackson Pollock, Willem de Kooning oder Mark Rothko. Ende der 1960er-Jahre begann eine intensive Phase des Zeichnens. Diese gipfelte schließlich innerhalb seiner Malerei zu einem Bruch mit dem „Reinheitsgebot“ der Abstraktion: Guston führte derbe Figuren und Figurenfragmente in seine Werke ein; rauchend, trinkend, nicht selten auch malend bevölkern sie die in den Farben Pink, Rot, Schwarz und Blau gehaltenen Leinwände. Große Köpfe, behaarte Beine, klobige Schuhe und allerlei Architekturfragmente wie Mauern, Türen und Glühbirnen gehören zu Gustons Motiven, die an Comics der 1920er-Jahre erinnern. Seine Bilder werden häufig als Vorläufer des „Bad Painting“ verstanden. Die großformatigen Werke begegnen dem Betrachter mit unvermittelter Vehemenz. Der formalen Schwere, inhaltlichen Offenheit und scheinbaren Verästelung liegen eine tiefgründige Sensibilität und weitreichende inhaltliche wie malerische Überlegungen des Künstlers zugrunde. Die erste Ausstellung dieser mit anarchischem Sinn für Humor und für das Groteske ausgestatteten Gemälde geriet 1970 zum New Yorker Kunstskandal. Den „Verrat“ an der Abstraktion verübelten ihm viele Kritiker. Bis heute übt Gustons rätselhaftes Spätwerk in seiner Intensität und verstörenden Kraft großen Einfluss auf viele jüngere Künstler aus.

„Philip Guston – Das große Spätwerk“ wird gefördert durch die Deutsche Bank Stiftung.

Max Hollein, Direktor der Schirn: „Radikal, überraschend und herausfordernd: Zu Lebzeiten kritisch betrachtet, zählen die späten Arbeiten Philip Gustons inzwischen zu den bekanntesten und bedeutendsten Werken seines OEuvres. Mit unserer Ausstellung wollen wir erstmals einen spannenden Einblick in diese wichtige Schaffensphase des amerikanischen Malers geben. Das Spätwerk Gustons ist ein hochbedeutendes Phänomen und hat die darauffolgende Malergeneration sowohl in den USA als auch in Europa wesentlich beeinflusst und beeindruckt.“

„Guston ist bis heute ein ,Künstler-Künstler‘. Trotz seiner Präsenz in großen Sammlungen gilt gerade sein Spätwerk als Geheimtipp. Es ist eine Entdeckung für den Betrachter – schwer fassbar und berührend zugleich“, so die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Ingrid Pfeiffer. „Auf den ersten Blick simpel angelegt, sind Gustons Gemälde von ausgezeichneter malerischer Qualität und gekennzeichnet durch eine sensible Reflexion seiner selbst und des damaligen Zeitgeschehens“.

Philip Guston wird 1913 als Sohn einer russisch-jüdischen Familie in Montréal, Kanada, mit dem Namen Philip Goldstein geboren. Er wächst in Los Angeles auf und zeigt schon früh malerisches Talent. Der Besuch einer Kunstschule scheitert an seiner künstlerischen wie persönlichen Eigenwilligkeit. Zeit seines Lebens ist Gustons Schaffen geprägt durch eine intensive Beschäftigung mit der europäischen Kunstgeschichte. Zu seinen Vorbildern zählen Pablo Picasso, Max Beckmann und Giorgio de Chirico, aber auch Goya und Rembrandt. Guston reist nach Italien, um sich mit den Renaissance- und Barockmalern Giotto, Piero de la Francesca und Tiepolo auseinanderzusetzen. Gleichzeitig gilt sein Interesse den mexikanischen Moralisten. Dieses geht einher mit einem starken politischen Engagement, wobei er mit links gerichteten Gruppierungen und Künstlern sympathisiert. 1936 nimmt er den Künstlernamen Guston an und zieht an die Ostküste. In den 1950er-Jahren fasst er Fuß in der Kunstszene von New York. Er wird zu einem der bedeutendsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus mit Weggefährten wie Jackson Pollock, Willem de Kooning oder Robert Motherwell. In den Augen der Kritik fällt seine spätere Abkehr von dieser für Amerika so entscheidenden künstlerischen Strömung umso schwerer ins Gewicht. 1965 stürzt Guston in eine malerische Sinnkrise und konzentriert sich für gut zwei Jahre auf das Zeichnen. Erst in den späten 1960er-Jahren wendet er sich wieder verstärkt der Malerei zu, nun kehrt die Figuration in sein Werk zurück. Die erste Ausstellung dieser neuen Bilder 1970 stößt selbst im eigenen Umfeld auf Unverständnis und ruft in der Kunstkritik feindselige Reaktionen hervor. Erst Ende der 1970er-Jahre wird das Potenzial dieser anspruchsvollen Gemälde erkannt. 1980, kurz vor seinem Tod, widmet das San Francisco Museum of Modern Art Guston eine große Retrospektive. Die letzte umfassende Ausstellung im deutschsprachigen Raum zum OEuvre Gustons fand 1999 in Bonn statt.

Zitate Philip Guston:
„Ich hatte diese ganze Reinheit satt.“
„Ich wollte Geschichten erzählen.“
„Mein ganzes Leben beruht auf Angst – wo sonst soll Kunst herkommen, frage ich Sie?“
„Ich male also, was ich sehen will.“

KATALOG:
Philip Guston. Das große Spätwerk / The Late Works. Herausgegeben von Ingrid Pfeiffer und Max Hollein. Vorwort von Max Hollein, Einführung von Ingrid Pfeiffer, mit Essays von Harald Falckenberg und Rafael Rubinstein sowie einem Text von Philip Guston.
Deutsch / Englische Ausgabe, 156 Seiten, 137 Abbildungen, 26,5 x 28 cm (Querformat), Broschur, Gestaltung Büro für Gestaltung, Christian Bredl, Frankfurt; STRZELECKIBOOKS, Köln, ISBN 978-3-942680-46-2. Preis: 26 € (Schirn).

Quelle und Bildquelle: SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, D-60311 Frankfurt | www.schirn.de

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