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Komponist der Grand Opera

6 Juli 2016 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

VerdiGiuseppe Verdi

Giuseppe Verdi, dem die Italiener geradezu ihre nationale kulturelle Identität verdanken, hat wie kein anderer Autor des Realismus die Kultur seines Landes von 1850-1950 geprägt. Seine Opern leisteten das, was in anderen Staaten zur selben Zeit in literarischer Hinsicht die großen Romane manifestierten: die Widerspiegelung des wahren Lebens, die ungeschönte Darstellung menschlicher Gefühle. Sie erzählen vom Kampf unschuldiger Liebe gegen soziale Konventionen und politische Ränkespiele, vom Ringen des Individuums um Respekt, um Verständnis und um seinen Platz in der Gesellschaft. Seine Opern leisten das, was in anderen Staaten zur selben Zeit Romane manifestierten: die Widerspiegelung des wahren Lebens, die ungeschönte Darstellung menschlicher Gefühle. Sie erzählen vom Kampf unschuldiger Liebe gegen soziale Konventionen und politische Ränkespiele, vom Ringen des Individuums um Respekt, um Verständnis, um seinen Platz in der Gesellschaft. So war sozusagen die Musik zu seinen Lebzeiten die einzige Sprache , die jeder Italiener verstehen konnte – während die regional aufgrund der extrem unterschiedlichen Dialekte eine Konversation von Mailändern und Neapolitanern fast unmöglich machten.

Der Komponist wurde als Gastwirtssohn am 10. Oktober 1813 in Busseto im französisch besetzten Herzogtum Parma geboren. Schon mit neun Jahren spielte er in seinem Heimatsort die Orgel. Das Talent des Jungen wurde von einem reichen Kaufmann in seinem Heimatort gefördert. Später heiratete er dessen Tochter Margherita Barezzi, nachdem er zuvor im Jahre 1836 seine erste Oper „Rocester“ komponiert hatte. In den darauffolgenden Jahren 1838 bis 1840 trafen ihn drei schwere Schicksalsschläge: im August 1838 starb seine Tochter , im Oktober 1939 sein Sohn und im Juni 1840 verlor er zudem seine Frau. Dies hat offenbar zu dem tiefen menschlichen Verständnis des Komponisten geführt, das nahezu in allen seinen Werken zum Ausdruck kommt. So schreibt unter anderem der große Dirigent Riccardo Muti in seinem gerade erschienenen Buch “Mein Verdi“ über ihn: „In allen seinen Opern sind Leben und Tod gleichermaßen präsent – doch immer geprägt vom italienischen Volkscharakter, in dem sich die gegensätzlichen Elemente vereinen: Leidenschaft und Liebe, brütendes Schweigen, herbe Enttäuschung, manchmal auch ….. Aggressivität und Intoleranz“.

Nachdem am 17. November 1839 Verdis erste Oper“ Oberto“ an der Mailänder Scala zur Uraufführung kam, erhielt er einen weiteren Vertrag für drei weitere Opern. So wurde zu seinem ersten großen Erfolg an dem renommierten Opernhaus 1842 das Werk „Nabucco“ mit dem grandiosen Gefangenenchor „Va pensiero“. Bis 1842 erhielt er dann noch weitere Kompositionsaufträge, wobei aus diesen sogenannten Galeerenjahren bis Ende 1850 weitere viel beachtete Opern an verschiedenen Opernhäusern Italiens und Europas aufgeführt wurden. Der Komponist war nun wirtschaftlich unabhängig geworden und konnte sich ein Landgut bei Busseto seinem Heimatort leisten. Er lebte von nun an dort mit seiner Lebensgefährtin, der Sängerin Giuseppina Strepponi.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts leiteten dann die Opern Rigoletto (1851), Il Trovatore(1853) und La Traviata( 1853) seine nahezu unangefochtene Karriere als bedeutendster italienischer Opernkomponist ein. Am Ende dieser unvergleichbaren Erfolgsserie stehen dann noch Othello (1887) und Fallstaff ( 1893) in den letzten Jahren vor seinem Tod im Jahre 1901.Seine menschliche Größe bewies er noch kurz vor seinem Tod ,als er noch ein Seniorenheim für arme Künstler in Mailand errichten ließ, die Casa Verdi, die bis heute existiert.

Obwohl die Opern aus seiner Spätphase nach Don Carlos (1867) eine tief greifende strukturelle und stilistische Wandlung erfahren haben, resultiert dies aus dem eigenen Konzept einer vertieften psychologischen Charakterisierung und keinem direkten Einfluss von anderen Komponisten wie etwa Wagner.

Beeindruckend ist, dass nahezu alle Opern von Verdi bis heute einen festen Platz im Spielplan der Opernhäuser gefunden haben ,wobei die zuvor erwähnten drei Opern aus den Jahren 1851-1853 nahezu unangefochten zu den meistgespielten Werken des gesamten Opernrepertoires gehören. So bewegen sich seine Werke heute noch rund um den Globus und begeistern die Herzen der Menschen, und dies ohne jede Übersetzung.

(wz)

Quelle: Der große Kulturführer „Die Zeit“, Der Tagesspiegel
Bild:Giuseppe Verdi portraitiert von Giovanni Boldini (1842–1931)

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