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FENSTER – EINBLICKE UND AUSBLICKE

20 November 2013 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Thein FENSTER – EINBLICKE UND AUSBLICKE | 20.11.2013  – 22.02.2014
Die DZ BANK Kunstsammlung hat in ihrer letzten Ausstellung im Jubiläumsjahr mit Werken von internationalen Künstlern „DAS FENSTER IM BLICK“

Die aktuelle Ausstellung der DZ BANK Kunstsammlung hat  „DAS FENSTER IM BLICK“ und beschäftigt sich mit dem Thema Fenster in Form von Fotografien, Skulpturen, Installationen und Objekten. Überall im ART FOYER befinden sich Öffnungen und Schlitze, Schneisen und Löcher, Ritzen, Rahmen und Panoramen, welche den Betrachterblick nach draußen oder drinnen ziehen und mit modernen Positionen die übliche Sichtweise hinterfragen.

Vom 20. November 2013 bis 22. Februar 2014 sind im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main über 100 fotografische Werke von 21 international renommierten Künstlerinnen und Künstlern aus neun Ländern zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten von Darren Almond, Laurenz Berges, Colby Bird, Elina Brotherus, Jan Dibbets, Pietro Donzelli, Mitch Epstein, Michael Frank, Alex Hartley, Barbara Klemm, Andrej Krementschouk, Robert Longo, Robert Mapplethorpe, Beatrice Minda, Barbara Probst, Miguel Rothschild, Jörg Sasse, Christian Andrea Samaras, Andreas Thein, Susa Templin, Guy Tillim u.a., die von 1953 bis heute entstanden sind.

Der Blick aus dem Fenster ist seit Jahrhunderten ein kunstgeschichtlicher Topos. Man denkt an berühmte Bilder wie etwa an „Goethe am Fenster der römischen Wohnung“ von Tischbein, an Adolph Menzels „Balkonzimmer“ oder die „Frau am Fenster“ von Caspar-David Friedrich. Doch auch in der Geschichte der Fotografie spielt das Fenster von Anbeginn eine wichtige Rolle: Nicéphore Nièpce fertigt 1816 die ersten Papierfotografien mit selbstgebauten Kameras aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. 1835 entsteht das erste Negativ-Verfahren als William Henry Fox Talbot das Fenster seiner Bibliothek fotografiert.

Die 1838 vom Fenster seines Arbeitszimmers aus aufgenommene Pariser Straßenansicht von Louis Daguerre gilt als das älteste Foto, auf dem Menschen abgebildet sind.Die aktuelle Ausstellung der DZ BANK Kunstsammlung hat „DAS FENSTER IM BLICK“ und beschäftigt sich mit dem Thema Fenster in Form von Fotografien, Skulpturen, Installationen und Objekten. Überall im ART FOYER befinden sich Öffnungen und Schlitze, Schneisen und Löcher, Ritzen, Rahmen und Panoramen, welche den Betrachterblick nach draußen oder drinnen ziehen und mit modernen Positionen die übliche Sichtweise hinterfragen.Zu sehen ist die Schau vom 20. November 2013 bis 22. Februar 2014 im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main. Vertreten sind über 100 fotografische Werke von 21 international renommierten Künstlerinnen und Künstlern aus 9 Ländern.

Gezeigt werden Arbeiten von Darren Almond, Laurenz Berges, Colby Bird, Elina Brotherus, Jan Dibbets, Pietro Donzelli, Mitch Epstein, Michael Frank, Alex Hartley, Barbara Klemm, Andrej Krementschouk, Robert Longo, Robert Mapplethorpe, Beatrice Minda, Barbara Probst, Miguel Rothschild, Jörg Sasse, Christian Andrea Samaras, Andreas Thein, Susa Templin, Guy Tillim u.a., die von 1953 bis heute entstanden sind.

In der Kunstgeschichte haben sich Fensterdarstellungen über die Jahre gewandelt.Für Jahrhunderte prägte Leon Battista Alberti 1435 die Vorstellung, dass der Betrachter eines Bildes dieses wie ein geöffnetes Fenster wahrnehmen soll. Er blickt quasi durch das Bild hindurch, so dass die Materialität des Gemäldes, seine Flächigkeit, in Vergessenheit gerät. Doch seit dem 20. Jahrhundert fühlen sich die Künstler immer weniger dem gelenkten Blick in die Ferne verpflichtet. Sie verweigern den Ausblick und konzentrieren sich stattdessen auf Farbe, Linie und Form. Statt Ausblick gewähren neue Betrachtungsweisen Einblick und Reflexion.

Die DZ BANK Kunstsammlung hat für die Ausstellung die Arbeiten von Barbara Probst, Andreas Thein, Susa Templin, Beatrice Minda und Jörg Sasse neu erworben.

Im Eingangsbereich der Ausstellung zeigt Barbara Probst (*1964 in München) in einer magischen Leuchtkasten-Arbeit „Through the looking glass“ eine auf einem Stativ ruhende Großbildkamera, hinter der sich ein Fenster befindet. Um die Analogie von Kamera und Fenster zu verdichten, bedient sich die Künstlerin eines Spiegels, auf den das Kameraauge gerichtet ist. Nur der vordere Teil des Bildes bis zur scheinbar transparenten Fläche zeigt den direkten Blick der Kamera. Dagegen erscheint das Arbeitszimmer samt Fenster zum Innenhof als Spiegelung. Der Betrachter selbst wird von der offenen Blende der in Realgröße abgebildeten Kamera fixiert.

Während Barbara Probst die Fotografie als solche reflektiert, ist das Selbstporträt von Robert Mapplethorpe (*1946 in New York, † 1989 in Boston) der Selbstreflexion zuzuordnen. In seinen Augen spiegeln sich der Raum, in dem er sich befindet und ein Fenster. Augen gelten als Fenster zur Seele. Mapplethorpes Augen zeigen den Künstler bereits gezeichnet vom nahen Tod. Seine schwarz-weißen Fotografien, die den Idealen von Perfektion und Form huldigen, sind mit ihrer ästhetischen Kraft längst schon im kollektiven Gedächtnis der Kunstwelt angelangt.

Andreas Thein (*1969 in Kassel) hat die Fenstermetapher Albertis noch radikalisiert. Seine Bilder, deren Größe der Realität entsprechen, geben vor, die andere Seite des Raums zu sein (und nicht abzubilden), in dem sich der Betrachter befindet. Sie lösen sich nicht vom Ausstellungsraum ab, sondern ergänzen ihn. Wie schon in seiner ersten Serie „Eigenheim“befindet sich Thein auch in der Serie „Fremdenzimmer“ auf der Suche nach Räumen, Kästen, Schachteln, Einblicken und Innenleben.

Seit 2003 setzt sich Beatrice Minda (*1968 in München) in ihrer fotografischen Arbeit mit privaten Gebäuden und den in ihnen enthaltenen Erinnerungen auseinander. Sie interessiert sich für Innenwelten, für Räume, in welche sich die Menschen in diktatorischgeprägten Regimen zurückziehen. Bei ihrem Projekt „Tea Time in Teheran“ hat sie Innenräume eines ehemaligen Patrizierhauses mitten im Zentrum der Hauptstadtaufgenommen. „Räume“, so Minda, “sind immer an die Personen gebunden, die darin leben.“ Unter ihre Bilder setzt Minda deshalb Textzeilen, um etwas über die früherenBewohner zu erzählen.

Das Interesse von Susa Templin (*1965 in Hamburg) gilt ebenfalls dem Raum – einerseits in seiner objektiven, architektonischen Struktur und andererseits als Parcours für subjektive Erkundungen. Ihre Arbeit „Totale Wohnung“ verdankt sich einer einzigen fotografischen Aufnahme, die in einer kleinen Plattenbauwohnung entstanden ist. Templin nutzt die Aufnahme, um kleine provisorische Modelle aus Papier und Karton anzufertigen, die wiederum aus verschiedenen Perspektiven abfotografiert und weiterverarbeitet werden. Die Künstlerin bezieht sich nun selbst in diese Bildforschung ein, indem sie sich auf dem Boden kniend in einem Spiegel fotografiert. Diese Arrangements münden schließlich in eine raumgreifende Installation, wenn das Zimmer beinahe in Originalgröße auf abstrakte Weise nachgebaut wird.

Darren Almond (*1971 in England) nimmt mit seinen Fotografien in der Ausstellung Bezug auf William Henry Fox Talbot, denn sie zeigen das berühmte vergitterte Fenster von Laycock Abbey in England, wo Talbot das erste Foto 1835 angefertigt hat. Die Arbeiten sind Teil der Serie, die den Titel „Fullmoon“ trägt. Der Künstler nutzt dabei nur das Licht des Vollmondes bei einer Belichtungszeit von mindestens fünfzehn Minuten. Einige der Bilder aus der Vollmondserie hat Almond mit einer Mischung aus Pigment und Phosphor versehen, so dass die Lithografien nach einer langen Belichtungszeit im Dunkeln leuchten.

Die Arbeiten von Jörg Sasse (*1962 in Bad Salzuflen) ziehen sich wie ein roter Faden durch die vier Ausstellungen des Jahres 2013 im ART FOYER. Nach der Einzelausstellung im Spätsommer hat die DZ BANK Kunstsammlung nun die Arbeit „Speicher III“ angekauft: ein Wandobjekt mit 64 Bildern. Durch die Wahl eigener Bildkombinationen lässt Jörg Sasse den Betrachter am Prozess der Hängung der Ausstellung teilhaben, schafft mit seinen Vorgaben jedoch einen klar definierten Spielraum.

Mit Religion und Kunst befasst sich der 1963 in Buenos Aires geborene Wahlberliner Miguel Rothschild. Indem er Abbildungen gotischer Kirchenfenster stanzt, bezieht sich Rothschild auf den Akt der Kreuzigung. Das beim Lochungsprozess entstandene Konfetti lagert am unteren Bildrand. Mit diesem zusätzlichen Element ironisiert der Künstler einerseits das religiöse Pathos der Auferstehungsgeschichte, andererseits bezieht er sich auf Stimmen der neueren Forschung, welche die Fastnacht als ein christliches Fest ansehen.

Quelle | Bildquelle:
ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung, Platz der Republik, 60325 Frankfurt | Öffentl. Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage, Cityhaus 1.

Weitere Informationen unter www.dzbank-kunstsammlung.de

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