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Das Duell – als Kugel noch Kugel und Eisen noch Eisen war

7 Mai 2014 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Als Kugel noch Kugel und Eisen noch Eisen war

Lang ist’s her, dass der Mann als Mann für etwas eingestanden ist…

Das Duell in der abendländischen Kultur gab es über Jahrhunderte in zahllosen Varianten, mit unterschiedlichsten Waffen: Schläger, Säbel oder Pistole…. Gefochten wurde „bis zum ersten Blut“ oder auch auf Leben und Tod. Zumeist traf Mann sich in den frühen Morgenstunden mit seinem Sekundanten und einem Unparteiischen an einem entlegenen Ort. Wenn Mann allerdings Insider fragt, ist eine „Pistolenkiste“ (das Pistolenduell) zwar heute nicht erlaubt, aber zumindest in Österreich im schönen grünen Wienerwald vor den Toren der großen Stadt auch heute noch jederzeit möglich. Die alten Duellpistolen ohne gezogenen Lauf haben es auch jetzt noch in sich – eine Kugel, die noch kugelrund und aus Eisen ist. Und ein kleiner Jagdunfall, das kommt auch in den besten Familien mal vor…

Schon seit der Antike haben Ehre, Mut und Männlichkeit männliche Gemüter in ritualisierte Zweikämpfe getrieben. Der wohl bekannteste Vertreter des Duells war Giacomo Girolamo Casanova. Obwohl es in seiner Zeit für Nicht-Vertreter des Adels und Nicht-Begleiter eines Offiziersranges sehr unüblich war, sich zu duellieren. Doch die vielen gehörnten Ehemänner ließen ihm keine andere Wahl. Ihre Hochzeit erlebte diese Form des Schlagabtausches im 18. und 19. Jahrhundert. Viele berühmte Persönlichkeiten – vom großen russischen Dichterfürsten Alexander Sergejewitsch Puschkin, der dieses so schön in seinem Versepos „Eugen Onegin“ (1825-1831) aufgenommen hat und dem selbst die Tschaikowsky Oper fast einen ganzen Akt widmet. Doch holte Puschkin das geschriebene Wort dann selbst ein, mit 35 erlag er seinen tödlichen Verletzungen durch den Schuss eines französischen Gardeoffiziers in einem Pistolenduell, – über Heinrich Heine, der den blutigen Brauch eigentlich zeitlebens ablehnte, 1841 in Paris zu einem Pistolenduell antrat. Der Schuss seines Kontrahenten Salomon Strauß prallte am gut gefüllten Portemonnaie des Poeten ab. „Gut angelegtes Geld“, wie er salopp bemerkte, – bis zum Arbeiterführer Ferdinand Lassalle, Ahnherr der Sozialdemokratie, dem 1858 um ein Haar die Liaison mit der Frau seines Verlegers zum Verhängnis wurde. Ein anderer Verehrer der Dame forderte ihn heraus. Der Sozialist Lassalle verweigerte sich aus politischer Überzeugung – und auf Anraten seiner Freunde Karl Marx und Friedrich Engels – dem in seinen Augen überkommenen Ritual. Sechs Jahre später war er es dann aber selbst, der einen anderen wegen einer Frau forderte. In den Unterleib getroffen, erlag er am 31. August 1864 im Alter von 39 Jahren in Genf den Folgen des Pistolenduells.

Zwar war es in vielen Ländern schon früh strafbar, einen Kontrahenten auf ein Gefecht Mann gegen Mann herauszufordern, doch solche Gesetze wurden oft sehr lax gehandhabt. Ein Duell zu umgehen, war für Männer von Rang und Namen kaum möglich. Sie standen unter enormem gesellschaftlichen Druck, die eigene Ehre oder auch das Ansehen ihrer Frauen, Schwestern oder Töchter wiederherzustellen. Offizieren drohte gar die Entlassung aus dem Militärdienst, wenn sie eine Forderung nicht annahmen – Verweigerer galten als nicht kampf- und kriegsfähig oder nicht mehr gesellschaftsfähig. Und paradoxer Weise, gerade zu Zeiten Woodstocks und der Flower-Power Bewegung, fand das letzte offizielle Duell im April 1967 in Frankreich statt. Es wurde auf Degen geschlagen, nicht auf Pistole –  zu gefährlich – nein auch nicht auf Säbel, obwohl die letzte Hinrichtung durch die Guillotine in Frankreich erst am 10. September 1977 erfolgte.

Das Duell trugen der Sozialist Gaston Defferre und der gaullistische Abgeordnete René Ribière aus. Da Defferre Ribière, seinen politischen Gegner, während einer Sitzung der französischen Nationalversammlung einen Idioten genannt hatte, und dieser die Wiederherstellung seiner Ehre durch einen Zweikampf forderte. Obwohl dies in Frankreich seinerzeit als illegal galt. Im verwunschenen und romantischen Park einer Pariser Villa wurden an diesem sonnigen Frühlingsmorgen die Klingen gekreuzt. Metall schlägt auf Metall, die Waffen klirren – eine Szene wie aus einem Mantel- und Degen-Film. Es sind zwei französische Parlamentsabgeordnete, die am 21. April 1967 fochten, um ihre Ehre wieder herzustellen.

Herausforderer Ribière, der noch in derselben Woche heiraten wollte, hatte sich für den Degen als Waffe entschieden. Fechten konnte er allerdings nicht – und der offizielle Fechtlehrer des französischen Parlaments, der ihm auf die Schnelle zumindest noch die Grundbegriffe hätte vermitteln können, weilte im Urlaub. Siegesgewiss ließ dann auch Defferre vor dem Aufeinandertreffen verlauten, er wolle den Herausforderer an dessen empfindlichster Stelle treffen, so dass dieser seine geplante Ehe nicht vollziehen könne.

Auch Gaston Defferre, der 1967 zum letzten Degenduell antrat, war beileibe kein Unbekannter. Der ehemalige Widerstandskämpfer war 1953 zum Bürgermeister der Hafenstadt Marseille gewählt worden; ein Amt, das er 33 Jahre lang ausübte, dominierte den Kampf von Anfang an, obwohl sein Gegner elf Jahre jünger war. Schon kurz nachdem die beiden Kontrahenten die Klingen gekreuzt hatten, traf Defferre Ribière am Arm. Doch noch wurde das Duell vom anwesenden Arzt nicht beendet, in einer Vorwärtsbewegung traf Defferre seinen politischen Gegner erneut am degenführenden Arm und fügte Ribière eine blutende Wunde zu. Erst die Sekundanten – Ribières hatte sich dazu den später bekannt gewordenen Jean Marie Le Pen ausgewählt, beendeten die Auseinandersetzung.

Sogar die deutsche Rockband Rammstein widmet sich zur Zeit auf ihrem aktuellen Album “Liebe ist für alle da” dem alten Ritual. In dem Lied „Roter Sand“ wird über die Liebe einer Frau zu zwei Männern philosophiert; leichte ungewohnt melancholische Klänge geben die Stimmung von Leidenschaft und gekränktem Ehrgefühl wieder – der Pulverkuss – der den Liebhaber im selbstgewählten Gang zu Tode bringt .

Im Strafgesetzbuch der Bundesrepublik wurde der Zweikampf-Paragraph erst 1969 gestrichen, in dem Duelle als Straftat gesondert Erwähnung fanden. Nur in der Mensur der schlagenden Studentenverbindungen lebt das männliche Ritual bis heute fort.

Doch war ein Duell je umsonst? Für den heutigen Betrachter mögen die Beweggründe der Satisfaktion schwierig nachzuvollziehen sein; denn warum sollte Mann heute überhaupt noch für etwas einstehen? Welch‘ ein Glück für viele Zeitgenossen und Scheinautoritäten, daß man angesichts heutiger Untugenden nicht mehr die Maßstäbe alter Ritterlichkeit und der Reinwaschung eines blanken Ehrenschildes anlegt – vermutlich würden sich die Friedhöfe sonst wieder schneller füllen.

Quellen: Das Wissen des 20. Jahrhunderts, Verlag für Wissenschaft und Bildung, 1961, Rheda, Bd.1 S.436/Spiegel/WIKIMEDIA COMMONS

(rz)

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