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Sportlerparadies Oberengadin

2 Februar 2016 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Engadin SkimarathonDas Oberengadin

Die beschauliche zweistündige Anfahrt mit der Rhätischen Bahn von Chur bringt dem Reisenden die herrliche Bergwelt in homöopathischen Dosen näher. Die Bahnstrecke durchs Albulatal ins Engadin gehört mit ihren Kehrtunnels und den Schwindelerregenden Viadukten zu den malerischsten von ganz Europa (www.engadin.stmoritz.ch/bahnverkehr ). Das Oberengadin gilt als das Dach Europas und ist mit seinem mondänen St. Moritz nicht nur ein Laufsteg des internationalen Jetsets, sondern auch ein Sportlerparadies. Nicht umsonst wählen viele Spitzensportler die Region für ihr Höhentrainingslager aus. In der klaren, kalten und sauberen Luft in 1800 Metern Höhe, einem sonnenreichen, trockenen Reizklima, treten keine Allergien und so gut wie keine Erkältungen auf. Das Hochtal im schweizerischen Graubünden ist eines der höchstgelegenen bewohnten Täler Europas.

Der Gigathlon (Multisportwettkampf mit den Disziplinen Schwimmen, Mountainbike, Inlineskaten, Laufen und Rennrad) kreuzte schon mehrmals die Region (www.gigathlon.ch). Beim Engadiner Radmarathon sind bis zu fünf Alpenpässe in der Schweiz und Italien zu bewältigen. Nach 97 Kilometern und 1325 Höhenmetern entscheidet jeder der 2000 Rennradler selbst, ob er sich weiteren 114 Kilometern stellt und damit insgesamt 3827 Höhenmeter überwinden möchte (www.radmarathon.com). Im Juni kam die Tour de Suisse, das größte Schweizer Radsportereignis, bereits zum 7. Mal ins Engadin. Der Swiss Irontrail, weltweit eines der härtesten und höchstgelegenen Trailrennen, mit Start in Pontresina, verbindet Kultur- und Berglandschaft mit Abenteuer- und Grenzerfahrungen. Letztere sind vor allem beim 201 Kilometer langen Hauptlauf mit 11.150 Höhenmetern garantiert, der über 3 Tage und 2 Nächte geht. Weiterhin stehen noch drei kürzere Distanzen zur Auswahl (www.irontrail.ch ). 2000 Teilnehmer sind alljährlich beim Nationalpark Bike-Marathon in Scuol am Start. Vier Strecken stehen zur Auswahl, die „Königsklasse“ bietet 137 Kilometer und 4026 Höhenmeter (www.bike-marathon.com).

Die Volksläufer kommen beim Engadiner Sommerlauf auf ihre Kosten. Der Hauptlauf geht über 26 Kilometer von Sils nach Bever, daneben gibt es noch eine Kurzdistanz über 10 km und das Kids Race (www.engadiner-sommerlauf.ch). Auch wenn es zum Winterhalbjahr gehört, die Aufzählung wäre ohne den Engadiner Skimarathon unvollzählig. Die mit Abstand größte Skilanglaufveranstaltung der Schweiz findet seit 1969 statt und lockt bis zu 13.000 Sportler an den Start. Die 42-Kilometer-Strecke durchquert das Oberengadin von Maloja bis S-chanf und führt Anfangs über die beiden zugefrorenen Gewässer Silsersee und Silvaplanersee (www.engadin-skimarathon.ch ). Und wenn wir schon im Winter sind, St. Moritz durfte 1928 und 1948 zwei Mal die Olympischen Winterspiele austragen. Eine dritte Bewerbung wurde vor einigen Monaten per Volksentscheid allerdings abgelehnt.

Für Wettkampforientierte Ausdauersportler steht also ein reichhaltiges Sortiment an Events zur Verfügung. Daneben gibt es in der Engadiner Bergwelt über 400 Kilometer Singletrails und markierte Routen, auf der sich Mountainbiker und Trailläufer gleichermaßen austoben können. Dazu gibt es auf Biker spezialisierte Unterkünfte, zu finden auf: www.engadin.stmoritz.ch/mountainbikehotels. Insgesamt 580 Kilometer Wanderwege ergänzen das Netz. Für eine besondere Sinnesreise über Wiesen, Waldwege und durch Wasser sorgen die vier Barfusstrails ab San Gian bei Celerina. Entlang des Inns gibt es spektakuläre Inline-Skate-Routen. Schwimmer fühlen sich in den zahlreichen kleinen Bergseen wohl, die sich im Sommer bis auf angenehme 20 Grad erwärmen. Die vier großen Seen St. Moritzersee, Silvaplanersee, Champferer See und Silsersee, die sich wie eine Perlenkette durch das Oberengadin ziehen, sind ein Revier für Segler, Kiter und Surfer. Für Bergsteiger und Wanderer eröffnen sich unzählige Gipfel- und Tourenmöglichkeiten, die als die schönsten im ganzen Alpenraum gelten. Absolutes Highlight ist das Berninamassiv mit dem 4049 Meter hohen Piz Bernina und dem weltberühmten Biancograt. Genauso berühmt ist der spektakuläre Klettersteig „Via Ferrata“ am Piz Trovat.

St. Moritz, die schillernde Alpendestination im Zentrum des Engadin bekam ursprünglich Bedeutung durch seine Heilquellen, die seit 3000 Jahren bekannt sind. Die legendären Luxushotels (fünf von acht 5-Sterne-Häusern in der Region thronen hier) sorgen seit den goldenen Zwanzigern für Glanz und Glamour und beherbergten alles, was Rang und Namen hatte: vom Schah von Persien über Charlie Chaplin bis Enrico Caruso. Wer diesem ganzen Halligalli entfliehen möchte ist zum Beispiel in dem kleinen Bergdörfchen Surlej, nur 10 Autominuten entfernt, oberhalb des Champferer Sees, gut aufgehoben. Hier steht das erst vor zwei Jahren eröffnete Nira Alpina Design Hotel (www.niraalpina.com ) mit –und das ist einmalig- direktem Anschluss an die Bergbahn zum Corvatsch, mit der höchstgelegenen Bergstation der Ostalpen (3303 m). Die 70 Zimmer, alle mit großen Panoramafenstern und Balkon versehen, sind komplett auf die Talseite ausgerichtet, so dass sie einen traumhaften Galablick auf die Alpenwelt eröffnen. Das ganze hat einen äußerst meditativen Charakter. Das Nira Spa ist Weltklasse und der Deutsche Chefkoch zaubert feinste Gerichte auf den Tisch. Der perfekte Ort, um sich von den zahlreichen sportlichen Aktivitäten zu erholen.

Liebhaber von Kunst und Kultur fühlen sich im Engadin wohl. Man wünscht sich beinahe einen der hier so seltenen Regentage, um die zahlreichen Museen, Galerien und Ausstellungen zu besuchen. Künstler wie Beuys, Musiker wie David Bowie und Schriftsteller wie Nietzsche ließen sich von der Weite und dem zauberhaften Licht des Engadin inspirieren. Friedrich Nietzsche prägte das bei uns Ausdauersportlern so beliebte Zitat aus seinem Werk Götzendämmerung: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“. Das Originalzitat wird im letzten Wort gerne abgewandelt in „härter“. Nietzsche wurde so unbewusst zu einem Seelenverwandten der heutigen Extremsportler. Der berühmte Philosoph verbrachte die Sommermonate von 1881 – 1888 im Engadin, sein Wohnhaus in Sils ist heute als Museum eingerichtet (www.nietzschehaus.ch). Ein Lauf oder Wanderung zum Nietzsche-Stein am Silvaplanersee ist ein besonderes Erlebnis. Hier kam ihm die Idee der ewigen Wiederkunft – die Grundkonzeption zu seinem dichterischen Hauptwerk „Also sprach Zarathustra“.

Jedes Jahr pilgern hunderte Ausdauersportler aus Deutschland zum Swiss Alpine Marathon nach Davos. Die Veranstaltung ist Kult und war in den Achtzigern ein Pionier in der Laufszene. Warum die lange Anreise nicht zu einem Anschlussurlaub in der südöstlichsten Ecke der Schweiz nutzen? Das Engadin ist nur ein Katzensprung von Davos entfernt. Die Schweiz ist eines der großartigsten Länder Europas. Im Extremsport ist sie nach Frankreich Vizeweltmeister. Das Schweizer Hotelgewerbe und die Gastronomie sind Weltklasse. Und das Oberengadin ist das Sahnehäubchen des Landes. Hier oben ist es fast schon kitschig schön…

Infos: www.engadin.stmoritz.ch

 

(SS)Stefan Schlett

Bildquelle: swiss-image.ch

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