Home » Biographie, Literatur

Paul Auster „Winterjournal„

11 Oktober 2016 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Paul AusterPaul Auster – Eine Rezension zu seinem letzten Buch „Winterjournal „

Paul Auster gehört unbestritten zu einem der erfolgreichsten Gegenwartsautoren der USA -mehrfach ausgezeichnet und immer wieder als Nobelpreis – verdächtig gehandelt. Mit 66 Jahren allmählich in die Jahre gekommen, widmete er sich in seinem letzten autobiografischen Essay Winterjournal der Bestandsaufnahme seines bisherigen Lebens.

Insbesondere befasst er sich darin mit Betrachtungen über seinen Körper. So erinnert er sich zum Beispiel anhand seiner Narben im Gesicht daran, wie ihm ein dreijähriger Nachbarsjunge ein großes sperriges Spielzeug auf den Kopf geschlagen oder er sich an einem Nagel das halbe Gesicht aufgerissen hatte bzw. jemand Ihn beim Baseball wohl übel gefoult hatte. Und dass er fast seine Familie ausgelöscht hätte, als er beim Abbiegen mit seinem Auto die Geschwindigkeit eines entgegenkommenden Fahrzeugs unterschätzt hatte.

In entwaffnend ehrlicher Art gibt Auster auch in dem Buch seine sehr persönlichen, bis ins Intime gehenden Wertungen zu den Stationen und Motivationen seines Lebens wieder, indem er zum Beispiel in sehr detaillierter Form seine ständig wechselnden Wohnsitze beschreibt oder ausgiebig über seine Liebschaften berichtet und auch vor intimsten Familiengeheimnissen nicht Halt macht, so zum Beispiel zum Tod seiner Mutter und deren zahlreiche Männerbekanntschaften sowie auch zu den daraus resultierenden Leiden seines Vaters . Auch über seine zahlreichen psychosomatischen Attacken, die sich panikartig immer wieder einstellten, wenn es wieder einmal bei ihm schief lief, gibt er ausführlich Auskunft.

Daneben werden von ihm auch die vielen kleinen Begebenheiten und scheinbar Nebensächlich- keiten des Daseins sehr ausgiebig beschrieben, da er auch diese als einen wesentlichen Teil seiner Gesamt-Vita von Bedeutung erachtet und er auch diese gleichermaßen wahrgenommen, aber auch erlitten hat. Ein Leben, das einerseits ganz normal und andererseits doch so außergewöhnlich war, dass der Autor selbst darüber ungläubig feststellen muss: “Einige Erinnerungen sind so merkwürdig für dich, so unwahrscheinlich, so außerhalb des Reichs des Möglichen, dass du es schwierig findest, dich damit anzufreunden, dass du die Person bist, die all diese Dinge erlebt hat.“

Wenn auch in einigen Fällen die detaillierte Beschreibung seiner so zahlreichen Stationen quer durch die USA und über alle Kontinente hin oder im speziellen über seinen Standort in New York mit seinem Geburtsort Newark am Hudson River etwas zu weitschweifig erscheinen, ist doch seine mit großer Ehrlichkeit gezogene Bilanz im „Winterjournal „für den heutigen vor allem männlichen Betrachter durchaus interessant und lesenswert. Vor allem, weil dieser sich vielfach anhand der Parallelität von Lebensabschnitten mit den eigenen gemachten Lebenserfahrungen wiederfinden kann, sei es nun als jüngerer oder älterer Vertreter des männlichen Genres, und ihm damit letztendlich eine durchaus treffende Vergleichsmöglichkeit zu diesem großen zeitgenössischen Literaten geboten wird.

(wz)

Über den Autor:

Paul Auster wurde am 3. 2.1947 als Nachkomme eingewanderter österreichischer Juden in Newark, New Jersey geboren. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University New York (B.A. und M.A.) und fuhr danach als Matrose auf einem Öltanker zur See. 1971-74 lebte er in Frankreich, hauptsächlich in Paris. Nach seiner Rückkehr in den USA nahm er einen Lehrauftrag an der Columbia University an und arbeitete zusätzlich als Übersetzer französischer Autoren (Blanchot, Bouchet, Dupin, Joubert, Mallarmé, Sartre) sowie als Herausgeber französischer Literatur in amerikanischen Verlagen. Paul Auster lebt in Brooklyn, New York, ist mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet und hat zwei Kinder. Er erhielt Stipendien der National Endowment for the Arts (1977 für Lyrik, 1983 für Prosa), den France Culture Prix Etranger (1988) und den Morton Dauwen Zabel Award (1990).

 

Weitere Informationen:

  • „Winterjournal „
  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Rowohlt (20. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 349800087X
  • ISBN-13: 978-3498000875

http://www.rowohlt.de/buch/Paul_Auster_Winterjournal.3070230.html

 

Bildquelle: www.rowohlt.de

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...