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Playtime

18 März 2014 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

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Eine Kooperation der Städtischen Galerie im Lenbachhaus
mit MunichRe zum Thema Arbeit
Zu sehen seit 15. März – 29. Juni 2014 im Kunstbau des Lenbachhauses München

Arbeit ist mehr als das halbe Leben – sie ist zentraler Bezugspunkt unseres Lebens. Die Geschichte der Arbeit beginnt mit der Geschichte der Menschheit. Der Mensch muss  arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Heute dient Arbeit nicht mehr ausschließlich der materiellen Existenzsicherung, sondern wirkt zudem identitätsstiftend. Spätestens seit dem Übergang von der Industriezur Wissensgesellschaft hat sich das lebenslang lernende und sich selbst optimierende Subjekt als Norm durchgesetzt. Kreativität, Flexibilität und Eigenverantwortlichkeit gelten als Schlüsselqualifikationen für beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg. Das trifft in besonderer
Weise auf KünstlerInnen zu, die als Prototyp für den neuen, flexibilisierten und zur Selbstausbeutung konditionierten Menschen gelten.

Arbeit verspricht nicht nur Selbstverwirklichung, sondern auch soziale Anerkennung und gesellschaftliche Teilhabe. Nicht zuletzt deshalb hat in den letzten Jahrzehnten eine enorme Entgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben stattgefunden. Das Paradox von Arbeit liegt heute vor allem darin, dass der arbeitende Mensch durch die zunehmende Automatisierung und Technisierung überflüssig zu werden scheint, während gleichzeitig alles zu Arbeit wird.

Ökonomische Ziele und neoliberale Denkstrukturen weiten sich auf alle Lebensbereiche aus, machen auch vor ehemals geschützten Bereichen wie Bildungsund Sozialeinrichtungen nicht halt. Gleichzeitig erfahren wir eine zunehmende Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse und eine schwindende Solidarität mit den Menschen, deren tägliche Arbeit nicht mehr zur Existenzsicherung reicht. Wer keine Arbeit hat, scheint keine Zukunft zu haben. Seit Herbst 2013 haben wir das Thema Arbeit auf vielschichtige Weise in Vorträgen, Filmvorführungen und performativen Formaten diskutiert. Zu unseren Gästen zählten dabei Experten aus verschiedenen Wissensgebieten wie Armin Nassehi (Soziologe), Diederich Diederichsen  KunstundKulturwissenschaftler), René Pollesch (Dramatiker und Regisseur) oder Sudhir Kakar (Psychoanalytiker).

Mit der Ausstellung PLAYTIME setzen wir diese Diskussion im Kunstbau fort. Anknüpfend an die in Jacques Tatis gleichnamigen Film geäußerte feinsinnige Kritik der modernen Arbeitswelt stellt die Ausstellung verschiedene Fragen: Wie setzen sich KünstlerInnen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe mit dem Thema Arbeit auseinander? Was bedeutet künstlerisches Arbeiten heute? Und inwiefern unterscheidet sich künstlerische Arbeit von anderen Formen der Arbeit? Die  Perspektiven und Methoden der eingeladenen KünstlerInnen sind vielfältig. Sie thematisieren nicht nur die Tätigkeit des Arbeitens selbst, sondern auch Normen und Handlungsvorgaben der Arbeitsgesellschaft. Sie verhandeln bestehende Herrschaftsverhältnisse und geschlechterspezifische Konventionen in der Arbeitswelt, befragen die Zusammenhänge zwischen Identität, Lebensund Arbeitsverhältnissen. Sozialkritischengagierte Positionen der 1960er Jahre treten in Dialog mit aktuellen künstlerischen Werken, die heutige Arbeitsbedingungen reflektieren.

Die Ausstellung wird begleitet von einem Audioguide mit Texten von Kerstin Stakemeier und Sounds von Wiebke Tiarks.

Es erscheint eine Onlinepublikation in Form eines EBooks, die zum kostenlosen Download angeboten wird unter: www.lenbachhaus.de

Rahmenprogramm:
Jeden Dienstag richten wir uns mit Veranstaltungen unterschiedlicher Formate an unsere Besucher, bieten Kuratorenführungen, Vorträge, Filmvorführungen und Künstlergespräche.

Die Kunstvermittlung bietet weitere Aktivitäten und Möglichkeiten an, sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Ausstellung zu beschäftigen:
Erziehungsberechtigten bieten wir einen gemeinsamen Rundgang mit ihren Säuglingen an. Kein strenger Ablauf und kein vorgegebener Plan diktieren den Ausstellungsbesuch, sondern die Bedürfnisse und Interessen der Teilnehmenden. Stillpausen und Babygeschrei sind erlaubt!
Für Lehrpersonen und SchülerInnen der Berufsschulen, Gymnasien und Fach(hoch)schulen sind Ausstellungs- und Unterrichtsmaterialien entwickelt worden, die Anleitungen zu möglichen  Aktivitäten und Handlungen in der Ausstellung wie in der Schule geben werden.
Im Rahmen des Ausbaus des Bereichs Kunstvermittlung am Lenbachhaus wird eine Schulung zur Kunstvermittlung organisiert, in der wesentliche Fragestellungen zur vermittlerischen Arbeit verhandelt werden. Die hierzu vorgesehenen Aktivitäten der selbstreflexiven Kunstvermittlung stehen nicht nur dem Team der KunstvermittlerInnen des Lenbachhauses offen, sondern können auf Voranmeldung auch von anderen Interessierten besucht werden. Weitere Hinweise werde kurz vor Ausstellungseröffnung auf der Webseite unter der Rubrik „Vermittlung“ zu finden sein.

Weitere Informationen Lenbachhaus München:
www.facebook.com/pages/Lenbachhaus-und-Kunstbau

 

Quelle und Bildquelle: Städtische Galerie im Lenbachhaus, München | www.lenbachhaus.de

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