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Macht des Unbewussten

25 Mai 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Zum Gedenken an Schopenhauer

Vor 155 Jahren starb in Frankfurt am Main der große Philosoph Arthur Schopenhauer, einer der vielen berühmten Vertreter der Philosophie des 19. Jahrhunderts. Sein Denken war vornehmlich geprägt von einem tiefen Pessimismus, der sich auch in seinen Äußerungen „Über den Tod“ widerspiegelt: Man kommt “mit Bewusstsein in jeder Stunde seinem Tode näher, und dies macht selbst dem das Leben bisweilen bedenklich, der nicht schon am ganzen Leben selbst diesen Charakter der steten Vernichtung erkannt hat“. Trotz dieser negativen Grundhaltung gilt Schopenhauer in seiner Zeit als der Modernisier. Denn er verwarf das Ideal vom vernunftgeleiteten Menschen, weil er dem triebgesteuerten Menschen den freien Willen absprach und das Bewusstsein auf seine organische Grundlage zurückführte. «Damit hat er im Anschluss an die Aufklärung sowohl die Sicht auf die Welt als auch die Sicht auf den Menschen radikal verändert», sagt der Vorsitzende der Schopenhauer-Gesellschaft und Leiter der Schopenhauer-Forschungsstelle an der Universität Mainz.

Somit wurde er zum Illusionszerstörer, zumal er anders als die großen Aufklärer nicht an eine Entwicklung zum Guten und an den Fortschritt der Menschheit glaubte, von deren moralischer Lernfähigkeit er nicht überzeugt war. Ein Skeptizismus, der ihn heute angesichts der Klimakatastrophe und der Krise innerhalb der westlichen Demokratien wieder aktuell werden läßt.

Nach seinem Tod – Schopenhauer starb im Alter von 72 Jahren an einer Lungenentzündung – übte er vor allem auf Dichter, Komponisten und Maler einen großen Einfluss aus. Und er wurde zu einem geistigen Wegbereiter der Psychoanalyse.

In Danzig am 22. Februar 1788 als Sohn eines Handelsherrn geboren, brach er später die Kaufmannslehre ab und studierte dann in Göttingen Medizin und Philosophie. 1820 habilitierte er sich in Berlin. 1831 siedelte er wegen der Choleraepidemie ins klimatisch angenehmere Frankfurt um. Dort verblieb er bis zu seinem Tod fast 30 Jahre lang als Privatgelehrter – vom väterlichen Erbe lebend.

Sein Hauptwerk «Die Welt als Wille und Vorstellung» hat Schopenhauer schon in jungen Jahren veröffentlicht. Er stellt darin fest, dass die in den Vorstellungen der Menschen enthaltene Welt nichts anderes als eine Welt von Erscheinungen ist, über die hinaus die Erkenntnis nicht reicht. Was diese Welt zusammenhält, der «Schlüssel zum Wesen jeder Erscheinung in der Natur», das ist für Schopenhauer nicht der Geist, ein Absolutes oder Gott, sondern der Wille. Das innerste Wesen aller Erscheinungen ist für ihn ein meist unbewusster Wille, ein Drang, ein Streben, sind Triebe, Wünsche, Sehnsüchte.

Die Lösung kann aus Schopenhauers Sicht nur in einer «Verneinung des Willens zum Leben» bestehen, in einem Verzicht auf die Befriedigung von Trieben, an allererster Stelle des Geschlechtstriebs. Wunschlosigkeit breche den Bann, stoppe den Kreislauf von Leben, Leiden, Sterben und wieder Leben. Schopenhauer sieht die Aufhebung des Willens am ehesten verwirklicht bei buddhistischen Mönchen und manchen christlichen Heiligen.

Sein Werk ist voller anschaulicher Beobachtungen, voller Weltkenntnis mit psychologischer Weitsicht. Seine Weisheiten, die fast keinen Aspekt des Lebens aussparten, wurden als «Aphorismen» berühmt. Auch als «Frauenfeind» ist er legendär geworden, weil er wenig Freundliches über die «Weiber» zu sagen hatte. Zeitlebens blieb Schopenhauer unverheiratet, hatte aber einige Beziehungen.

Als Mensch zeigte er  Widersprüchliches. Er war z. B. einer der ersten, der sich für die Rechte von Tieren stark machte und die Vegetarier in Indien bewunderte; aß selbst jedoch Fleisch und war kein Asket. In Frankfurt führte der Hundefreund gern seine Pudel spazieren. Wenn sie es jedoch zu bunt trieben, beschimpfte er das Tier als «Mensch». Ein Zeichen dafür, dass der als «Misanthrop» geltende Schopenhauer auch Humor zeigte, war die Tatsache, dass er seiner ungeliebten Haushälterin dennoch eine Leibrente vermachte.

(wz)

http://www.schopenhauer.de/

http://www.schopenhauer.philosophie.uni-mainz.de/

Quelle: Stern

 

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