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Matthew Barney: River of Fundament

3 April 2014 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

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Matthew Barney: River of Fundament – Ausstellung

Ausstellung seit 16.03.2014 bis einschließlich 17.08.14 im Münchner Haus der Kunst

Seit 2007 entwickelte Matthew Barney gemeinsam mit dem Komponisten Jonathan Bepler „River of Fundament“ – ein Gesamtkunstwerk, das von Norman Mailers Roman „Ancient Evenings“ [Frühe Nächte] inspiriert wurde. „River of Fundament“ besteht aus mehreren parallel entwickelten und ineinander verzahnten Teilen: dem symphonisch-epischen Film „River of Fundament“, drei Performances, vierzehn großformatigen, zum Teil 25 Tonnen schweren Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien und Storyboards; das Werk verdichtet sich damit zu einem der komplexesten und ehrgeizigsten in Barneys Schaffen.

Im Film „River of Fundament“ kulminieren sieben Jahre intensiver Beschäftigung mit den Themen Tod, Wiedergeburt, Transformation und Transzendenz. Während Norman Mailer in seinem Roman den spirituellen Weg des Ägypters Menenhetet I durch drei Tode und drei Wiedergeburten schildert, überträgt Barney die menschliche Seele auf  ein Auto der Marke Chrysler und die Reinkarnation auf Recycling: In „REN“, der ersten Live-Performance, die 2008 in einem Autohaus in Los Angeles stattfand, „stirbt“ das Auto – der 1967 Chrysler Crown Imperial aus Cremaster 3 – zum ersten Mal. Die zweite Performance „KHU“, die zugleich den zweiten Akt der Film-Oper bildet, spielt in der „Motor City“ Detroit. Dort, an seinem Entstehungsort, reinkarniert der Chrysler Crown Imperial als Pontiac Firebird Trans Am, Baujahr 1979. In „BA“, der dritten Live-Performance, wandert die Seele des Autos weiter nach New York, wo der Mythos zur Skulptur gerinnt.

Mit den Skulpturen des „River of Fundament“-Projekts wendet sich Matthew Barney von den Materialien seiner früheren Arbeiten ab: Statt Thermoplastik und Vaseline verweisen nun Eisen, Bronze, Schwefel, Kupfer und Salz auf die ägyptische Mythologie. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach der Existenz einer kohärenten Identität oder eines spirituellen Kerns, der die individuellen Merkmale eines Menschen nicht nur in diesem Leben, sondern auch nach seinem physischen Tod bewahrt. Die in der Ausstellung gezeigte Skulptur „Djed“ entstand während der Live-Performance „KHU“: 25 Tonnen flüssiges Eisen wurden vor Publikum über das Chassis des Chrysler Crown Imperial gegossen. Die Skulptur weist formal Ähnlichkeit mit dem Djed-Pfeiler, dem ägyptischen Schriftzeichen für Ewigkeit und Fortdauer auf, das später in den Kult des Toten- und Fruchtbarkeitsgottes Osiris aufgenommen wurde. Auch andere Skulpturen und ihre komplexen Herstellungsprozesse waren Teil der Live-Performances und haben ihren Platz im Film „River of Fundament“.
Etwa sechzig Zeichnungen, Fotografien und Storyboards, die neben den Skulpturen in der Ausstellung zu sehen sind, dokumentieren die thematische Entwicklung des Projekts en détail.

„Matthew Barney: River of Fundament“ wurde kuratiert von Okwui Enwezor und organisiert vom Haus der Kunst, in Zusammenarbeit mit dem Museum of Old and New Art (MONA), Tasmania, Australien. Mit großzügiger Unterstützung der Laurenz-Stiftung, Gladstone Gallery, New York; Regen Projects, Los Angeles, und Sadie Coles HQ, London

Matthew Barney: River of Fundament – Film

Filmscreening Samstag, 26.04.2014 – 17.00 Uhr und Sonntag, 27.04.2014 – 12.00 Uhr
sowie Samstag, 31.05.2014 – 17.00 Uhr und Sonntag 01.06.2014 – 12.00 Uhr

Vor dem Hintergrund der amerikanischen Landschaft erzählt der Film „River of Fundament“ eine epische Geschichte von Regeneration und Wiedergeburt, die in drei großen Städten der USA spielt – Los Angeles, Detroit und New York. Er handelt von Tod und Reinkarnation zweier Protagonisten in Gestalt von Norman Mailer und einem beseelten Automobil. Der Film ist als eine zeitgenössische Oper in drei Teilen konzipiert und verbindet Dokumentaraufnahmen von drei Live-Performances – „Ren“, „Khu“ und „Ba“ – in den genannten Städten und Spielfilmszenen in einem Nachbau von Mailers Brownstone-Wohnung in Brooklyn, wo die Totenwache für den verstorbenen Schriftsteller gehalten wird. In den drei Performances wurden verschiedene Aspekte des Transformationswillens des Protagonisten durch die jeweiligen Autos illustriert: in „Ren“ (2008) war es der 1967 Chrysler Imperial aus „Cremaster 3“, in „Khu“ (2010) ein 1979 Pontiac Firebird Trans Am und in „Ba“ (2013) ein 2001 Ford Crown Victoria-Polizeistreifenwagen.

In Mailers Roman „Ancient Evenings“ versucht der altägyptische Edelmann Menenhetet I mit Hilfe von Zauberei und Kunststücken dreimal hintereinander als Kind seiner eigenen Frau wiedergeboren zu werden, die dadurch zu seiner Mutter wird. Bei jedem Reinkarnationsversuch muss der Untote den Fluss der Fäkalien überschreiten, um ein neues Leben zu erlangen, wobei sein Ziel darin besteht, in seiner irdischen Existenz vom Edelmann zum Pharao aufzusteigen. Bei seinem dritten und letzten Transformationsversuch bleibt Menenhetet III im Mutterleib stecken und die Wiedergeburt misslingt. In „River of Fundament“ nimmt „Norman“ die Rolle des Protagonisten ein: Er erfährt zwei Wiedergeburten und scheitert an der dritten, alles in der Hoffnung, einen höheren Status in der amerikanischen Literaturgeschichte zu erlangen. Während Norman von einem Körper in den nächsten wandert, wird er von Hemingways Geist heimgesucht. Flüsse und Durchgangsstraßen dominieren die Landschaft und stehen für den Fäkalienfluss, der in Mailers Roman beschrieben wird, und dienen dem Protagonisten als Reiserouten von Tod zu Wiedergeburt.

„River of Fundament“ ist abwechslungsreich und hochkarätig besetzt. Experten aus verschiedenen industriellen Fertigungsbereichen – Eisenverhüttung, Verschrottung, Schwefelguss – gesellen sich zu den Schauspieler/innen Ellen Burstyn, Maggie Gyllenhaal, Paul Giamatti, John Buffalo Mailer und Elaine Stritch. Weiterhin treten Figuren aus „Cremaster 3“ auf, einer früheren Gemeinschaftsproduktionen von Barney und Jonathan Bepler, dargestellt unter anderem von Barney selbst und von Aimee Mullins. Wie schon Beplers frühere Kompositionen, die ihm als Vehikel für transzendente Zustände dienten, ist auch die Musik zu „River of Fundament“ ein autonomes Element, das die unterschwelligen Triebkräfte der Geschichte illustriert. Matthew Barney und Jonathan Bepler arbeiten schon seit „Cremaster 1″(1995) zusammen. Die eklektische Gruppe von Musikern umfasst die Avantgarde-Sängerin Joan La Barbara, den Schlagzeuger Milford Graves, die Baritone Eugene und Herbert Perry, die Funk/Blues-Sängerin Belita Woods, die Sängerin Lila Downs, die Sängerin/Songwriterin Shara Worden, die Sängerin und Schauspielerin Deborah Harry, den Komponisten und Organisten Dr. Lonnie Smith sowie die Mystic River Singers, eine indianische Pow-Wow-Gruppe.
Der Film „River of Fundament“ wurde produziert von Matthew Barney und der Laurenz-Stiftung, Schaulager Basel.

Matthew Barney: „Ich nehme meine Arbeit … als System (wahr), als flexiblen Kosmos und Kontinuum, in dem alles mit allem zusammenhängt, die Filme mit den Skulpturen mit den Performances mit den Zeichnungen.“ (SZ Magazin, 28.02.14)

Zur Eröffnung der Ausstellung präsentierten Haus der Kunst und Bayerische Staatsoper die Europapremiere von Matthew Barneys Film-Oper. Aufgrund der großen Nachfrage wird es an folgenden Terminen weitere Aufführungen im Haus der Kunst geben:

April:
Samstag, 26.04.2014 / 17 Uhr
Sonntag, 27.04.2014 / 12 Uhr

Mai und Juni:
Samstag, 31.05.2014 / 17 Uhr
Sonntag, 01.06.2014 / 12 Uhr 

Dauer: ca. 6 Stunden inkl. zwei Pausen à ca. 20 Minuten

Tickets: 20 € inkl. Ausstellungsbesuch am selben Tag

 

Quelle und Bildquelle: Haus der Kunst München, www.hausderkunst.de

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